OL-Freuden auf dem Schwarzenberg, Tauchgänge sind inbegriffen

Der Auftakt in die Orientierungslauf-Saison hätte beim Nationalen Lauf in Schwarzenberg kaum herausfordernder sein können: Regen, rutschiges Terrain und viel, viel Wasser. Als Sieger der Elite-Kategorien profilieren sich Martin Hubmann und Simona Aebersold.

Jörg Greb
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Posten anlaufen, und weiter geht es durch den Schlamm.

Posten anlaufen, und weiter geht es durch den Schlamm.

Bild: Dominik Wunderli (Schwarzenberg, 30. August 2020)

Es war ein freudiges Ereignis, das Zurück in den Wettkampf für die Orientierungsläufer. Und es war grenzwertig. Im Gebiet Liefelen/Eigenthal trafen sie nicht nur auf anspruchsvolles Gelände – steil, von Bächen durchzogen und technisch stark fordernd. Hinzu kam der Dauerregen, der seit dem Vortag für Riesenmengen an Wasser sorgte. Die Konsequenz: Noch rutschiger, noch matschiger wurde die Laufunterlage. Zudem führte der markante Gällenmöslibach Wassermengen wie nur ganz selten.

Das Dauerthema bei den Besten der Elite-Kategorien daher: der Bach. In manchen Schilderungen mutierte er zum Fluss. Mehrmals hatten die Sportlerinnen und Sportler ihn auf ihren Routen zu überqueren. «Wie soll ich das anstellen?», fragte sich jede und jeder.

Aebersold gerät bis zum Hals in den Bach

Die einen blendeten die Frage aus: «Einfach hinein und irgendwie drüber.» Andere zögerten, bekamen es nicht selten mit der Angst zu tun und suchten nach der passenden Passage. «Irgendwie in die braune Brühe hineinspringen, ohne zu wissen, wie und wo du landest und was die Folgen sind», galt es. Und mehr als nur Vereinzelte erwischte es böse: «Mir zog es den Boden unter den Füssen weg», erzählten sie oder: «Ich geriet in den Sog und tauchte.» Von «einem Schock» sprach Simona Aebersold. Die letztjährige Senkrechtstarterin, WM-Zweite und -Dritte sowie Gesamtweltcup-Zweite, geriet «bis zum Hals» in den reissenden Bach. Nachhaltig beeindrucken liess sich die 22-Jährige dadurch aber nicht. «Ich benötigte etwas Zeit, um mich davon zu erholen und den Kopf wieder aufs Technische auszurichten», sagte sie. Derart schnell und gut gelang ihr dies aber, dass sie nach 42:28 Rennminuten das Ziel mit einem Vorsprung von 3:31 Minuten auf die Zweitplatzierte Paula Gross und 4:00 Minuten auf Sabine Hauswirth erreichte. Dennoch hielt sie fest: «Etwas Vergleichbares erlebte ich noch nie, das war zeitweise fast kriminell.»

Anders formulierte es Männersieger Martin Hubmann. Sein Draufgängertum und der Charakter, wenig zu überlegen und das Herausfordernde intuitiv anzugehen, erleichterten ihm das Unterwegssein. «Ich mag solches Gelände», sagte der jüngere Bruder des erfolgreichsten Schweizer OL-Läufers Daniel Hubmann. Seine Risikobereitschaft und das fehlende Zögern führten ihn zum Erfolg. Mit einem Vorsprung von 1:01 Minuten auf Jonas Egger setzte er sich durch. Die im Vorfeld meistgenannten Favoriten spielten in diesem Rennen keine Rolle: Daniel Hubmann machte einen Postenfehler und wurde disqualifiziert, Matthias Kyburz meldete sich krank.

Neben dem besonderen Rennen sorgten bei Martin Hubmann auch die speziellen Umstände für Diskussionsstoff: das Coronakonzept, dank dessen solche OL wieder möglich werden. «Mir persönlich fehlte das Soziale», sagte der 31-Jährige. Als «OL ohne Worte» erlebte er den Lauf: mit dem Auto hinfahren, an den Start laufen, rennen, zurück zum Auto und so schnell wie möglich wieder heim. Eine wichtige Komponente fehle damit, so Hubmann.

Viele Helfer an den kritischen Stellen

Mit dem Schutzkonzept wurde das Rennen zweigeteilt. Während die Elite-Kategorien neben dem Nachwuchs am Vormittag im Einsatz standen, waren die Vertreterinnen und Vertreter der verschiedenen Altersklassen auch am Nachmittag unterwegs. Die Organisatoren waren während des ganzen Tages zusätzlich herausgefordert. «Wegen des vielen Wassers im Gällenmöslibach beorderten wir etliche Helfer an die kritischen Stellen und markierten die Übergänge mit Bändern», sagte Laufleiter Matthias Boos.

Es war ein Ad-Hoc-Entscheid. Die zahlreichen Visiten vor Ort bei Gewitterregen hatten nie eine vergleichbare Situation zu Tage gefördert. Weil der Regen aber auf den Nachmittag etwas nachliess, beschlossen die Macher der OLV Luzern, die anforderungsreichen Kategorien auch nachmittags mit den Bachpassagen laufen zu lassen. Es wurde also nicht auf das Notdispositiv zurückgegriffen. Stattdessen galt es für die Helfer im Wald, unter Hochdruck zu agieren.