«Phänomenal!» – Luzernerin Fabienne Kaufmann gewinnt Karate-Gold

Fabienne Kaufmann schlägt die WM-Fünfte Ramona Brüderlin und gewinnt ihren ersten Schweizer Meistertitel bei der Elite. Nun will die 21-jährige Luzernerin ihrer Erzrivalin auch auf internationaler Stufe einheizen.

Stephan Santschi
Drucken
Teilen
Fabienne Kaufmann hat die Olympischen Spiele 2020 in Tokio im Blickfeld. Bild: PD

Fabienne Kaufmann hat die Olympischen Spiele 2020 in Tokio im Blickfeld. Bild: PD

Der Frust vor einem Jahr war gross, als Fabienne Kaufmann ihrer grössten Konkurrentin Ramona Brüderlin im Final der Swiss Karate League unterlag und sich mit der Silbermedaille begnügen musste. Nun war es an der Zeit für die Revanche, an der Neuauflage der Schweizer Meisterschaft in Aarberg traf sie am Wochenende wieder auf die Baslerin, die vor kurzem als WM-Fünfte auf sich aufmerksam gemacht hatte. «Ich war sehr gut vorbereitet. Ich wollte zeigen, dass ich auch noch da bin», schildert Kaufmann ihre Devise.

Das ist der 21-jährigen Luzernerin aus St. Erhard denn auch mit Bravour geglückt. Nach einem Freilos bezwang sie Brüderlin mit 5:3 und zog in den Final der Kategorie über 68 Kilo ein. «Ich habe den Kampf gut geführt. Ich war stark auf den Beinen und habe ihre Taktik lesen können», kommentiert Kaufmann ihren Coup. Zum Vergleich: Im Ranking des Weltverbands steht sie aktuell auf Platz 40 und damit klar hinter Brüderlin, die 16. ist.

Trainer Stefan Carneiro gerät ins Schwärmen

Im Final liess Kaufmann nichts mehr anbrennen und bezwang Mia Kadoic, ebenfalls eine Baslerin, mit 4:1. Nachdem sie in den Vorjahren zweimal den Titel bei den ältesten Juniorinnen geholt hatte, sicherte sich Kaufmann an der Schweizer Meisterschaft erstmals die Goldmedaille in der Elite. «Phänomenal, ein grandioser Sieg!», schwärmt Stefan Carneiro, ihr Trainer an der Karateschule Sursee. Und Kaufmann selber hält fest: «Das gibt mir zusätzliche Motivation für die Zukunft.»

Eine Zukunft, die auf die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2020 in Tokio ausgerichtet ist. Als Mitglied im olympischen Team trainiert Kaufmann jeweils Mittwochs und Donnerstags in Magglingen. An internationalen Turnieren eignet sie sich derweil die nötige Wettkampfhärte an. Zu Buche stehen in diesem Jahr unter anderem zwei Top-10-Plätze an K1-Events (7. in Marokko; 9. in Berlin) und ein Sieg an einem tiefer dotierten Anlass in Luxemburg.

Zu Beginn des Jahres waren die Beine zu träge

Im Dezember stehen in Lissabon und Schanghai zwei weitere Kräftemessen im Ausland auf dem Programm, an denen sie das Podest erreichen möchte. «Mit meinen Auftritten war ich in diesem Jahr nicht immer zufrieden», resümiert Kaufmann, «das Niveau wird immer höher, damit muss ich klarkommen.» Nach Startschwierigkeiten zu Beginn des Jahres befinde sie sich nun aber in einer guten Verfassung. «Ich hatte der Schnelligkeit im Athletiktraining zu wenig Beachtung geschenkt, ich war etwas träge. Nun bin ich viel schneller auf den Beinen und ich habe auch im mentalen Bereich Fortschritte gemacht.»

Um die Lücke zu Brüderlin auf internationalem Level zu schliessen und dereinst an ihrer Stelle Welt- und Europameisterschaften, sowie die Olympischen Spiele bestreiten zu können, strebt Kaufmann nach weiteren Verbesserungen. «Ich muss variabler werden, die Gegnerinnen sollen mich nicht ausrechnen können. Ich möchte Überraschungen schaffen.» Am Wochenende ist ihr dies im Duell mit ihrer grossen Rivalin schon mal ganz gut gelungen.