Corsin Boos geht auf Postensuche im schwedischen Labyrinth

Der Ski-Orientierungsläufer Corsin Boos (19) aus Malters fährt an die Junioren-Weltmeisterschaft nach Umeå.

Theres Bühlmann
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Der 19-jährige Corsin Boos aus Malters, hier an der Junioren-WM im schwedischen Pitea 2019, hat sich voll und ganz der Randsportart Ski-OL verschrieben.

Der 19-jährige Corsin Boos aus Malters, hier an der Junioren-WM im schwedischen Pitea 2019, hat sich voll und ganz der Randsportart Ski-OL verschrieben.

Bild: PD

Schneesportler haben es in dieser Saison nicht immer einfach. Mangels der weissen Pracht müssen Veranstaltungen immer wieder abgesagt, neu angesetzt oder verschoben werden. Dies bekommen auch die Ski-Orientierungsläufer zu spüren. Die Junioren-WM hätte eigentlich in dieser Woche in Lettland stattfinden sollen. Da auch im Baltikum Schneemangel herrscht, wurde sie in das schwedische Umeå verlegt und geht nun vom 22. bis 26. Februar über die Bühne.

Die Selektion für diesen Grossanlass schaffte auch Corsin Boos. Der Malterser befasste sich im Vorfeld intensiv mit den Begebenheiten im ursprünglichen Austragungsort in Lettland. Nun muss er umdisponieren und sich auf die neuen Gegebenheiten in Schweden einstellen. «Das Gelände in Umeå ist übersichtlicher als jenes in Lettland, es hat weniger breite Loipen, dafür einen grossen Bereich nur mit Schneetöffspuren, fast wie ein Labyrinth», sagt der 19-Jährige, der dem nationalen Juniorenkader angehört. «Diese Verhältnisse sind besser auf uns zugeschnitten, da wir an derartige Loipen von den Wettkämpfen in Skandinavien gewohnt sind.»

Mit dem Kartengestell um die Brust

Der Ski-Orientierungslauf, die Postensuche auf Langlaufskis, ist eine äusserst komplexe Sportart. Auf einem Loipennetz die schnellste Route zu suchen, bedeutet eine Herausforderung. Wie funktioniert das eigentlich, Karten lesen und gleichzeitig die Skistöcke benutzen? Dazu benötigen die Athleten ein Kartengestell, das durch einen beweglichen Hebel am Oberkörper befestigt wird.

Um sich für den Grossanlass in Schweden vorzubereiten, bestritten die Schweizer über Weihnachten und Neujahr im Münstertal ein Trainingslager und feilten letzte Woche in Norwegen an ihrer WM-Form. Dort nutzten sie auch die Gelegenheit, Wettkämpfe zu bestreiten. Genauer gesagt, sie bestritten die norwegische Meisterschaft. Erfreulich sei es gelaufen, sagt Corsin Boos. Im Sprint resultierte Rang 3, auf der Langdistanz holte er sich Platz 5. «Es fehlt noch ein bisschen an der Entschlossenheit», blickt der Malterser zurück, «zwei, drei Sachen muss ich noch verbessern.»

Der Spagat zwischen Studium und Sport

Corsin Boos, der an der ETH Zürich Maschineningenieur studiert und für den SC Horw startet, wird in Schweden den Sprint, die Langdistanz, die Mittelstrecke, ausgetragen mit Massenstart und die Staffel absolvieren. Und er hat sich auch klare Ziele gesteckt: Klassierungen innerhalb der Top 6. «Der Sprung auf das Podest im Einzel wäre ein Traum», gibt er unumwunden zu. Wie sich das anfühlt, das konnte er schon einmal erleben. 2017 gewann er im Sprint an der Jugend-EM Bronze. Sein Palmarès enthält noch zwei weitere Auszeichnungen dieser Farbe an internationalen Meisterschaften: 2016 resultierte an der Jugend-EM und 2019 an der Junioren-WM ebenfalls Platz 3 mit der Staffel.

Durchschnittlich elf Stunden wendet Boos in der Woche für das Training auf, versucht den Spagat zwischen Studium und Sport zu meistern, was nicht immer ganz einfach ist. Viel Freizeit bleibt dabei nicht, das Klavierspielen, welches er als Hobby pflegt, wird hinten angestellt, wenn dann noch etwas Zeit bleibt, ist Lesen angesagt.

Corsin Boos betätigt sich nicht nur als Ski-OL-Läufer, sondern ist auch im Fuss-OL erfolgreich unterwegs, gehört der OLV Luzern und dem Regionalkader an. Die Liebe zu diesen Sportarten kommt nicht von ungefähr. Auch seine Eltern Sibylle und Matthias sind in diesen Sparten zu Hause. Wenn die Termine nicht mit den Ski-OL-Wettkämpfen kollidieren, ist Corsin Boos auch ab und zu an Langlaufwettbewerben anzutreffen.

Winteruniversiade ist das ganz grosse Ziel

Doch der Ski-OL geniesst seine volle Priorität. Der Fokus ist bereits auf das Jahr 2021 gelegt, genauer gesagt auf den Januar, da findet die Winteruniversiade in der Zentralschweiz statt. Nach der Premiere 2019 im russischen Krasnojarsk steht Ski-OL zum zweiten Mal auf dem Wettkampfprogramm und wird auf der Lenzerheide ausgetragen. «Ich werde alles daran setzen und vieles unterordnen, um mich für diesen Anlass zu qualifizieren», sagt Corsin Boos.

Corsin könnte aber nicht der Einzige aus der Familie Boos sein, der unter der Schweizer Flagge einläuft. Auch sein Bruder Noel (22) ist ein Kandidat, der den Ski-Orientierungslauf ebenfalls auf hohem Niveau ausübt und in Krasnojarsk dabei war. Im nächsten Monat (9. bis 16. März) steht für Noel Boos die Elite-EM in Russland auf dem Plan. Beide sind auch für die Studenten-WM vom 23. bis 27. März, die ebenfalls in Russland stattfindet, selektioniert.

Ende Saison wird Corsin Boos seine Wettkämpfe analysieren und ein wenig durchatmen. Im Frühsommer beginnt dann die Expedition Winteruniversiade in der Heimat. Ein Wunsch ist bereits in Erfüllung gegangen, nämlich jener, dass Ski-OL im Programm figuriert. Die Selektion liegt nun in seinen Händen respektive Füssen. Vielleicht geht auch ein zweiter Wunsch in Erfüllung, dass Corsin Boos zusammen mit seinem Bruder Noel diesen Grossanlass bestreiten kann.