Die Prioritäten des Langläufers Roman Furger haben sich verschoben

Das Leben des Urner Langläufers Roman Furger hat sich entscheidend verändert.

Jörg Greb
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Der Schattdorfer Roman Furger ist neu auch als Familienvater unterwegs.

Der Schattdorfer Roman Furger ist neu auch als Familienvater unterwegs.

Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone (Davos, 15. Dezember 2019)

Lenora ist schnell gewesen. So schnell, dass Roman Furger seine Planung des Saisonauftakts auf den Kopf stellen musste. «Es passte so, wie es gekommen ist», so der A-Kader-Langläufer von Swiss-Ski. Denn die Tochter kam einen Monat früher als der errechnete Geburtstermin zur Welt. Die Folge für Furger: Er sagte den geplanten Saisonauftakt im finnischen Kuusamo in der Folgewoche ab. Nicht zum Nachteil, wie der Urner nachträglich feststellte: «Zum Gewaltserlebnis Geburt kam aus sportlicher Sicht hinzu, dass ich den Heim-Weltcup in Davos gezielt habe vorbereiten können.» Und die beiden Rennen im Bünderland glückten zufriedenstellend.

Zum Sprint am Samstag war der bald 30-Jährige mit «einem guten Gefühl» gestartet. Doch obwohl er seine Leistung hat abrufen können, verpasste er als 36. die Viertelfinals der besten 30. Nach den gut 2:30 Minuten Wettkampfzeit fehlte die Kleinigkeit von 66 Hundertsteln zum Weiterkommen. «Schade», sagte er. In die Weltcup-Punkteränge reichte es hingegen im 15-km-Skatingrennen mit Einzelstart am Sonntag. Auf Rang 28 fand er sich am Schluss wieder. Vom Rennglück begünstigt war er indes auch an diesem Tag nicht. «Es war ein wenig zäh, ich musste alles alleine Laufen und fand kein ‹Zügli›, dem ich mich hätte anhängen können.»

Noch nicht den Ansprüchen gerecht geworden

Es handelte sich bei den beiden Davos-Rennen um Resultate, wie sie Furger auch in der Vergangenheit ab und an hat erbringen können. Weil es diesmal um den Saisoneinstand ging, sagte er aber: «Das ist ganz okay, obwohl mein Anspruch im Sprint die Halbfinals und über 15 km die Top 15 gewesen wären.» Er weiss, dass er immer einige Rennen benötigt, um sein höchstes Level zu erreichen. «Die Wettkampfhärte hole ich mir im Wettkampf, das funktioniert im Training nicht.»

Trotzdem spricht Furger von «einer sehr guten Form». Dieses Wissen stimmt den Urner für die nächsten Wochen zuversichtlich. Am Wochenende erfolgen die nächsten Tests beim Weltcup im slowenischen Planica – in einem Sprint und Team-Sprint. Und zwischen den Festtagen steht mit dem Tour-de-Ski-Auftakt in Lenzerheide «ein erstes Highlight» an. Vorgenommen hat sich Furger, die siebenteilige Serie mit Rennen in Lenzerheide, Toblach und im Val di Fiemme durchzuziehen.

Auf der berüchtigten Alpe Cermis einzulaufen, wäre für ihn eine Premiere. Wohlwissend, dass von ihm, dem Skating-Spezialisten, Polyvalenz verlangt wird: «In der Tour de Ski habe ich mich in der freien wie in der klassischen Technik zu bewähren – und zwar in unterschiedlichsten Rennformaten.» Das fordert ihn, er traut sich aber auch zu: «Das muss ein Langläufer können, ohne Vielseitigkeit schaut wenig heraus.»

Sport und Familie unter einen Hut bringen

Und bezogen auf seine neue familiäre Situation streicht Furger hervor: «Mit der Familie haben sich meine Prioritäten verschoben. Meine neue Devise heisst: «Ich will Sport und Familie unter einen Hut bringen.» In Davos hat er diesbezüglich vielversprechende Ansätze gezeigt. Drittbester Schweizer war er im Sprint, viertbester im Distanzrennen. Nur die Sprinter Jovian Hediger (23.) und Erwan Kaeser (35.) an Tag 1 sowie die Distanzläufer Dario Cologna (3.), Jonas Baumann (22.) und Beda Klee (26.) schnitten intern besser ab. Und keiner zwei Mal. Das ist ganz im Sinn des Routiniers. Eines seiner wichtigsten Ziele dieser Saison – eine Saison ohne WM – ist die Konstanz. Er will sich durchwegs auf hohem Level behaupten – und gerne bestätigt sehen, dass «die Inputs des neuen Coaches Früchte tragen». Inputs des Esten Kein Einaste erfolgten im Kraft-, Schnellkraft-Bereich und bei der Explosivität. «Mit den neuen Formaten hat sich der Langlauf verändert, darauf müssen wir reagieren», sagt Furger.