Die Kernser Mehrkämpferin Sandra Röthlin nützt den Hochdorf-Effekt

Sandra Röthlin gewinnt an den Mehrkampf-Meisterschaften in Hochdorf Silber.

Jörg Greb
Merken
Drucken
Teilen
Sandra Röthlin stellte mit 5,33 Meter im Weitsprung eine persönliche Bestleistung auf. Bild: Hanspeter Roos (Hochdorf, 22. September 2019)

Sandra Röthlin stellte mit 5,33 Meter im Weitsprung eine persönliche Bestleistung auf. Bild: Hanspeter Roos (Hochdorf, 22. September 2019)

Sportplatz Arena in Hochdorf: Bei Sandra Röthlin sorgt diese Affiche für Sondermotivation. «Mit Hochdorf verbinden mich tolle Erinnerungen, gute Leistungen und prägende Erlebnisse», sagt die Athletin der LA Kerns, «diese Kombination passt, sie tut gut für den Kopf.»

Die 20-Jährige nutzte das gute Gefühl. Hinter Annik Kälin – die Bündnerin steigerte sich auf 6132 Punkte und schob sich auf Position 4 der Schweizer Allzeit-Bestenliste – belegte sie Position 2, verbunden mit Silber bei der Elite, Silber bei den U23 und Gold in der Innerschweizer Mehrkampf-Meisterschaft. Und mit 5524 Punkten verbesserte die Obwaldnerin ihre bisherige Bestmarke von Mitte Juni in Kreuzlingen um 134 Punkte. «Wieder einmal wirkte der Hochdorf-Effekt», lachte Sandra Röthkin.

Erkältung sorgt für einen harzigen Auftakt

Und dabei hatte sie ihre Ambitionen kurzfristig zurückstufen müssen. Eine Erkältung machte sich just am Morgen des ersten Wettkampftages bemerkbar. «Atemwege zu, kein Sauerstoff und früh übersäuerte Muskeln», stellte sie nach den 14,22 Sekunden in Disziplin eins, dem Hürdensprint fest. Die Zeit war zwar ansprechend, aber sie hatte sich das erstmalige Durchbrechen der 14-Sekundengrenze zugetraut. Der Einsatz aber hatte auch sein Gutes: Die Atemwege öffneten sich.

Röthlin fand den Tritt: 1,64 m sprang sie hoch und («Endlich wieder einmal über 1,60 m»). Die Kugel landete beim besten Versuch bei 12,40 m. Nach dem 200- m-Lauf in 25,44 Sekunden zum Abschluss von Tag eins hielt sie fest: «Ich bin auf Kurs, aber es wäre mehr möglich gewesen.» Die Resultate vom ersten Tag vermochte sie am zweiten Tag zu toppen. Röthlin begann mit zwei Rekorden: 5,93 m im Weitsprung und 38,77 m im Speerwerfen. Über 800 m blieb sie mit 2:22,71 Minuten knapp darüber. «Schade, dass nun die Saison vorüber ist», sagte Röthlin nach dem Wettkampf.

Beruf beeinflusst den Saisonverlauf

Röthlin hat sich während des Sommers kontinuierlich gesteigert, nichts Aussergewöhnliches für Obwaldnerin. «Ich brauche jeweils Zeit», sagt sie zu ihrem Jahreszyklus. Begründet sieht sie dies mit ihrer beruflichen Tätigkeit als Tiefbaugärtnerin. «Der Frühling ist die berufliche Hochsaison, das erfordert Konzentration und Kraft.» Die Formkurve stieg ab Juni kontinuierlich. Ärgerlich, dass sie bei ihrem Siebenkampf in Kreuzlingen die Limite für die U23-EM in Gävle (SWE) nur um zehn Punkte verpasste. «Ich versiebte es mit der Kugel», haderte Röthlin damals. Die Reaktion erbrachte sie damit, indem sie die Limite im Hürdensprint unterbot. Und es folgte die zweite Saisonhälfte. Neben Mehrkampf-Silber hatte sie Anfang September bereits als U23-Meisterin im Weitsprung brilliert. So blickt sie mit gutem Gefühl zurück und motiviert in die Zukunft: «Es ging Woche für Woche aufwärts und diese Tendenz soll auch langfristig gelten.»

Ruckstuhl im Energiesparmodus

Mit einer besonderen Schwierigkeit sah sich Siebenkampf-Rekordhalterin und U23-Europameisterin Géraldine Ruckstuhl in Hochdorf konfrontiert: Sie machte eine Woche vor der WM-Abreise nach Doha einen Wettkampftest in einigen Disziplinen. Schnell stellte sie jedoch fest: «Ich fühlte mich bereits im Energiesparmodus.» So erreichte sie 14,14 Sekunden über 100-m-Hürden, überquerte im Hochsprung 1,73 m. Danach produzierte sie zwei Nuller: zuerst mit der Kugel, dann über 200 m. Im Weitsprung glückte am zweiten Tag dann die gewünschte Motivation. Sie sprang 6,02 m, Saisonbestweite, 4 Zentimeter unter ihrem Rekord. «Mein neuer Anlauf im Hoch- und im Weitsprung passt», stellte Ruckstuhl zufrieden fest.