Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Schweizer Nati: Das sind die drei Erkenntnisse aus dem 1:1 gegen Irland

Nationaltrainer Vladimir Petkovic stufte die Leistung seiner Mannschaft positiv ein im dritten EM-Qualifikationsspiel. Gleichwohl lassen die 90 Minuten in Dublin weitaus kritischere Schlüsse zu.
Christian Brägger aus Dublin
Wie werden die Schweizer mit dem 1:1 gegen Irland umgehen? (Bild: Georgios Kefalas/KEY)

Wie werden die Schweizer mit dem 1:1 gegen Irland umgehen? (Bild: Georgios Kefalas/KEY)

Erste Erkenntnis: Die Schweiz braucht Shaqiri und Lichtsteiner

Oh Captain, mein Captain. Stephan Lichtsteiner ist ein Mentalitätsmonster, einer, der anstacheln kann, wenn es nicht läuft. Der 35-Jährige fehlte beim Out im WM-Achtelfinal gegen Schweden gelbgesperrt, er spielte in der EM-Qualifikation beim 3:3 gegen Dänemark nicht. Und nun war er gegen Irland nicht aufgeboten. Man hätte sich gegen diesen aufsässigen Widersacher über weite Strecken der Partie gewünscht, es wäre da einer, der die Mannschaft wachrüttelt und damit auf einer solchen, mentalen Ebene hilft.

Und: Dem pragmatisch spielenden Lichtsteiner wäre Kevin Mbabus ärgerlicher Ballverlust zum Ausgleichstor eher nicht passiert. Überdies meldet der angestammte Captain der Schweiz aus der Ferne, die EURO 2020 im Spätherbst der Karriere noch mitnehmen zu wollen. Hiefür muss sie sich zuerst einmal qualifizieren. Doch die eigentliche Frage bleibt: Wie sieht die ganze Chose Nationaltrainer Vladimir Petkovic?

Man war gespannt, wie sich die Absenz Xherdan Shaqiris auf das Spiel der Schweiz auswirkte. Weil die Mannschaft in der Offensive ohne jegliche Überzeugung spielte und gegen den Abwehrriegel der Iren planlos anrannte, muss man ohne Umschweife sagen: Shaqiri kann ihrem Spiel nur guttun. Der Liverpooler, der sein mentales Tief lieber im Club als im Kreis der Nationalmannschaft pflegen lässt, hätte für jene guten und vor allem entscheidenden Momente sorgen können, die er im vergangenen Jahr in der Nationalmannschaft des öfteren hatte.

Teammanager Pierluigi Tami will sich schnellstmöglich vor Ort um den Offensivspieler kümmern - diese Hängepartie muss ein gutes Ende finden. Doch es droht bereits neue Polemik, weil sich Shaqiri im Team vielleicht zu wenig wertgeschätzt fühlt, weshalb in die Captain-Diskussion nun sogar ein dritter Schweizer hineingerät. Granit Xhaka sagte jedenfalls sinngemäss :

«Wenn es ihm wirklich darum gehen sollte, kann er die Binde gerne haben. Ich übernehme so oder so Verantwortung.»

Zweite Erkenntnis: Embolo kommt im Schweizer Dress nicht auf Touren

Breel Embolo sagte nach dem Spiel: «Ich kann mir nichts vorwerfen.» Der Stürmer meint damit die Szene in der 62.Minute, als er vor dem Tor der Iren angespielt wurde - und beim Schiessen den Halt verlor. «Ich hatte sogar Stollenschuhe an und war gut vorbereitet.» Wie auch immer: Nur schon diese einzelne Aktion würde Embolos fahrigen Auftritt im Prinzip perfekt zusammenfassen, hätte es nicht die löbliche Ausnahme mit dem Assist auf Fabian Schär zum 1:0 gegeben.

Hingefallen: Breel Embolo bei seiner Grosschance. (Bild: Georgios Kefalas/KEY)

Hingefallen: Breel Embolo bei seiner Grosschance. (Bild: Georgios Kefalas/KEY)

Embolo ist beim neuen Arbeitgeber Mönchengladbach mit zwei Treffern gut gestartet, insofern kam er in einem guten Modus zur Nationalmannschaft, was früher auch schon anders war. Aber hier bleibt es relativ konstant so: Er will einfach nicht auf das nächste Level finden, jenes, eine unverzichtbare Grösse zu sein. Was hegte die Schweiz für grosse Hoffnungen in ihn, als er 18-jährig unbekümmert bei Basel für Furore sorgte. Diese Hoffnungen hat er im Nationaldress nie oder höchst selten erfüllt, vielleicht hilft es nun ja, dass am Sonntag Gibraltar der nächste Gegner ist.

«Ich hoffe, dass wir alle ein Schützenfest bekommen. Aber es wird nicht einfach.»

Dritte Erkenntnis: Die Schweiz hat den Nimbus des «Trotzdem-Siegens» verloren

Die Schweiz hatte sich in den vergangenen Jahren diese Qualität, ja diese Eigenschaft angeeignet: Ist sie in Qualifikationsspielen oder in Vorrunden an Endrunden noch so angeschlagen oder steht sie noch so mit dem Rücken zur Wand, gewinnt sie dennoch, wenn sie dies muss. Irgendwie. Hierfür stehen Siege gegen Ungarn, Belgien, Georgien - und einige mehr.

Diesen Nimbus hat sie verloren, gegen Dänemark reichten in der aktuellen EM-Kampagne drei Tore Vorsprung nicht für den Sieg, gegen Irland kam das Gegentor ebenfalls kurz vor Schluss. Petkovic sprach von einer gewissen Überheblichkeit und von fehlender Konzentration, Xhaka nannte das naive Abwehrverhalten nach den Führung einen «Kindergarten». Vermutlich aber offenbaren diese Punktverluste vielmehr einen Qualitätsverlust, weil es das «Trotzdem-Siegen» nicht mehr gibt.


Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.