Seilziehen: Einen Tag vor den Grossen misst sich der Nachwuchs an der Schweizer Meisterschaft in Engelberg

Die Seilzieher aus Engelberg bleiben in der Schweizer Königsklasse das Mass der Dinge. Doch Ebersecken und Stans blasen zum Angriff.

Stephan Santschi
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Die Sinser geben bei der Meisterschaft in der Kategorie U19 alles. (Bild: Nadia Schärli, Engelberg, 20. Juli 2019)

Die Sinser geben bei der Meisterschaft in der Kategorie U19 alles. (Bild: Nadia Schärli, Engelberg, 20. Juli 2019)

Für ein paar Augenblicke liessen sich die Zuschauer in der Engelberger Seilzieh-Arena ablenken. Ein Helikopter der Rega flog in einem spektakulären Bogen über ihre Köpfe und landete kurz darauf auf dem Rasen neben dem Kloster, um sich den Notrufenden zu widmen. Dann galt die volle Aufmerksamkeit wieder den starken Männern und Frauen auf den beiden Wettkampfbahnen hinter dem Sporting Park, unweit der imposanten Skisprungschanze.

Wie üblich im Hochsommer fallen hier am Schlussturnier verschiedene Entscheidungen im Rahmen der Schweizer Meisterschaft. Am Sonntag wird den Engelberger Lokalmatadoren die erfolgreiche Titelverteidigung in der Königsklasse, der 640-Kilo-Kategorie, kaum mehr zu nehmen sein. Vor einem Jahr hatten sie den langjährigen Dominatoren aus Ebersecken vom Thron verscheucht, nun stehen sie kurz vor der Bestätigung ihrer neuen Vormachtstellung.

Impressionen von der U19-Schweizer-Meisterschaft im Seilziehen. (Bild: Nadia Schärli, Engelberg, 20. Juli 2019)
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Impressionen von der U19-Schweizer-Meisterschaft im Seilziehen. (Bild: Nadia Schärli, Engelberg, 20. Juli 2019)
Impressionen von der U19-Schweizer-Meisterschaft im Seilziehen. (Bild: Nadia Schärli, Engelberg, 20. Juli 2019)
Impressionen von der U19-Schweizer-Meisterschaft im Seilziehen. (Bild: Nadia Schärli, Engelberg, 20. Juli 2019)
Impressionen von der U19-Schweizer-Meisterschaft im Seilziehen. (Bild: Nadia Schärli, Engelberg, 20. Juli 2019)
Impressionen von der U19-Schweizer-Meisterschaft im Seilziehen. Im Bild ist Sins. (Bild: Nadia Schärli, Engelberg, 20. Juli 2019)
Impressionen von der U19-Schweizer-Meisterschaft im Seilziehen. Im Bild sind die Ebersecker. (Bild: Nadia Schärli, Engelberg, 20. Juli 2019)
Impressionen von der U19-Schweizer-Meisterschaft im Seilziehen. (Bild: Nadia Schärli, Engelberg, 20. Juli 2019)
Impressionen von der U19-Schweizer-Meisterschaft im Seilziehen. (Bild: Nadia Schärli, Engelberg, 20. Juli 2019)
Impressionen von der U19-Schweizer-Meisterschaft im Seilziehen. (Bild: Nadia Schärli, Engelberg, 20. Juli 2019)
Impressionen von der U19-Schweizer-Meisterschaft im Seilziehen. (Bild: Nadia Schärli, Engelberg, 20. Juli 2019)
Impressionen von der U19-Schweizer-Meisterschaft im Seilziehen. (Bild: Nadia Schärli, Engelberg, 20. Juli 2019)
Impressionen von der U19-Schweizer-Meisterschaft im Seilziehen. (Bild: Nadia Schärli, Engelberg, 20. Juli 2019)
Impressionen von der U19-Schweizer-Meisterschaft im Seilziehen. (Bild: Nadia Schärli, Engelberg, 20. Juli 2019)
Impressionen von der U19-Schweizer-Meisterschaft im Seilziehen. (Bild: Nadia Schärli, Engelberg, 20. Juli 2019)
Impressionen von der U19-Schweizer-Meisterschaft im Seilziehen. (Bild: Nadia Schärli, Engelberg, 20. Juli 2019)

Impressionen von der U19-Schweizer-Meisterschaft im Seilziehen. (Bild: Nadia Schärli, Engelberg, 20. Juli 2019)

Stans-Oberdorf sehnt sich nach alten Zeiten

Der Samstag stand derweil im Zeichen des Nachwuchses. Dort hat sich in den letzten Jahren ein Verein zurück an die Spitze gekämpft, der in den 80- und 90-er-Jahren das Mass der Dinge im Schweizer, ja im weltweiten Seilziehen gewesen war – Stans-Oberdorf. Während die letzte Goldmedaille in der 640-Kilo-Kategorie über 20 Jahre zurückliegt (1997), gewannen die Nidwaldner bei den U23- und U19-Junioren in den vergangenen vier Jahren sechs von möglichen acht Titeln. «Gute Trainings und Kameradschaft sind dafür verantwortlich», erklärt Nachwuchs-Coach Armin Burch. «Wir versuchen den Jungen, die Freude am Seilziehen zu vermitteln.»

In dieser Saison war Stans-Oberdorf auf beiden Nachwuchsstufen der Titelverteidiger, am Wochenende mussten sie in Engelberg allerdings beide Trophäen abtreten. Die U23-Meisterschaft ging an Sins, jene der U19 entschied Ebersecken für sich. Die Nidwaldner landeten nach jeweils fünf Turnieren in beiden Schlusswertungen auf Platz zwei. Ein Rückschlag? Keineswegs, sagt Trainer Burch. «Wir hatten einige Umstellungen, weil vier U19-Junioren in die U23-Equipe aufgestiegen waren. In der U19 integrierten wir derweil drei Akteure, die neu mit Seilziehen begonnen hatten.» Die beiden silbernen Auszeichnungen seien deshalb als Erfolg zu werten.

Ebersecken wird Meister bei den U19-Junioren

Für die Stanser geht es nun darum, die gute Nachwuchsarbeit in der Elite fortzusetzen. Sprich: Endlich auch auf 640-Kilo-Stufe wieder zu einem ernst zu nehmenden Konkurrenten für die Schwergewichte aus Engelberg und Ebersecken zu werden. «Das ist das Ziel, ganz klar», betont Burch. Akteure wie der 18-jährige und 1,93 Meter grosse Reto Wagner aus Ennetmoos gelten dabei als Hoffnungsträger. Als Frontmann des neunköpfigen Teams führte er die U19-Auswahl der Nidwaldner am Samstag in Engelberg zum Tagessieg – im Final bezwangen sie zum zweiten Mal hintereinander die Ebersecker. Zum Gesamtsieg reichte es aber wie erwähnt nicht, der Rückstand war zu gross, die Luzerner retteten den Vorsprung mit einem zweiten Platz über die Ziellinie. «Sehr gut» fühle sich das an, sagt Lukas Vogel, der nach 18-jähriger Aktivkarriere in Ebersecken ins Trainermetier wechselte. Das riesige Potenzial bei den Jungen wolle man nun nutzen, um die Engelberger in der 640-Kilo-Klasse baldmöglichst wieder vom Platz an der Sonne zu verjagen.

Die Ebersecker hatten dabei wie im Nachwuchs üblich auch eine weibliche Athletin im Team – Chiara Krauer mit Namen. 17-jährig ist die Grossdietwilerin, seit fünf Saisons ist Seilziehen ihre Passion. «Der Zusammenhalt passt und wir arbeiten gemeinsam auf ein Ziel hin», erklärt sie. Dass es mitunter nicht einfach sei, die körperlichen Strapazen zu bewältigen, stellt sie nicht in Abrede. «Rücken, Beine, Arme – am Ende tut dir alles weh. Dann wird Seilziehen zur reinen Kopfsache.»

Wenn Touristen erstaunt stehen bleiben

Wer selber noch nie die schweren Schuhe in den Dreck rammte und mit Harz an den Händen zum Seil griff, dem wird beim Zuschauen bald auch akustisch klar, wie hart der Abnützungskampf ist. Schon vor dem Einlaufen machen sich die Teams mit einem kollektiven Schrei heiss für den Wettkampf und sobald der Schiedsrichter das Duell mit einem zackigen «Pull» eröffnet hat, streben Sportler wie Zuschauer unter Kampfgebrüll nach dem Sieg. Passanten, vornehmlich Touristen aus der Schweiz und dem Ausland, bleiben erstaunt, zuweilen schmunzelnd stehen, und lassen sich in den Bann dieses archaisch wirkenden Wettkampfs ziehen.