Shekiladze, georgischer Fussballprofi, nimmt beim FC Emmenbrücke neuen Anlauf

Emmenbrücke will trotz mässigen Starts in die 1. Liga aufsteigen. Ein georgischer Profi soll die nötigen Tore liefern.

Stephan Santschi
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Wer weiss, vielleicht verläuft Irakli Shekiladzes (rechts) Profikarriere, elf Jahre, nachdem sie verheissungsvoll begann, ja doch noch nach Drehbuch.

Wer weiss, vielleicht verläuft Irakli Shekiladzes (rechts) Profikarriere, elf Jahre, nachdem sie verheissungsvoll begann, ja doch noch nach Drehbuch.

Pius Amrein (lz) / Luzerner Zeitung

Die Karriere von Irakli Shekiladze begann verheissungsvoll. Mit 15 Jahren spielte er bereits für die georgische U17-Nationalmannschaft und wurde bei einem internationalen Turnier entdeckt. Angebote von Benfica Lissabon und Lyon flatterten ins Haus, sein Wunschland aber war Italien, und so folgte er als 16-Jähriger dem Ruf des FC Empoli und wechselte in den Nachwuchs des Serie-B-Klubs. Später debütierte er in der 1. Mannschaft, stand im Kader, der den Aufstieg in die Serie A schaffte, und wurde vom damals unbekannten, heute weltrenommierten Maurizio Sarri trainiert.

Und heute? Steht Irakli Shekiladze in den Reihen des FC Emmenbrücke und bereitet sich auf das Heimspiel in der 2. Liga inter gegen den FC Sarnen (Samstag 18 Uhr, Gersag) vor. «Ich habe den falschen Managern vertraut, jeder versprach mir die Sterne am Himmel», erzählt der 28-Jährige und hält fest: «Heute würde ich anders handeln.» Die Geschichte von Shekiladze ist eine von vielen, die sich zwar im Profifussball abspielen, aber nicht jenen Verlauf nehmen, den sich der Protagonist erwünscht. «Eventuell hätte ich Empoli zwei Jahre früher verlassen sollen, um zu Spielpraxis zu kommen», mutmasst er.

Tor gegen Goalie Neto als persönliches Highlight

Beim Klub in der Toskana hatte er als junger Spieler einen schweren Stand. Zwar lobt er Trainer Sarri als «sehr guten Menschen», der immer offen für ein Gespräch gewesen sei und von dem er viel habe profitieren können. Der Kader aber sei zu stark gewesen. In der Serie B kam Shekiladze sporadisch zum Einsatz, feierte mit einem Tor gegen den heutigen Barcelona-Goalie Neto ein persönliches Highlight in der Coppa Italia gegen die Fiorentina. Nach der Promotion in die Serie A wurde er indes nicht mehr gebraucht, und so begann seine Odyssee durch die Ligen und Klubs Italiens. Der Stürmer sammelte Erfahrungen in der Serie B, C und D, spielte für Latina Calcio, Südtirol, Tuttocuoio, Spezia, Lucchese und Savona.

Und nun also Emmenbrücke. Den Wechsel initiierte Präsident und Sportchef Franco Gulli über einen befreundeten Spielervermittler in Italien. «Irakli ist schnell, beidfüssig und ein starker Dribbler», sagt Gulli. Darüber hinaus schätze er ihn als anständigen, ruhigen und bodenständigen Menschen. Sechs Partien hat er bisher für die Luzerner absolviert, vier Mal traf der 1,81 Meter grosse Angreifer ins gegnerische Netz. Zufrieden ist Shekiladze damit nicht: «Auf einer Skala von 0 bis 10 sehe ich mich aktuell bei einer 5. Ich spüre das Vertrauen des Trainers und des Präsidenten. Doch ich muss noch zu mehr Aktionen, zu mehr Torchancen kommen.» Für die Chance, die er in Emmenbrücke erhält, ist Irakli Shekiladze sehr dankbar. «Die Mannschaft ist hilfsbereit, es ist wie in einer Familie.» Seine eigene Familie vermisst er allerdings, Frau und Kind leben in Georgien. «Es ist nicht einfach. Es fühlt sich an wie eine kleine Bremse ausserhalb des Fussballplatzes», erzählt er.

Emmenbrücke könnte ein Sprungbrett sein

Shekiladze ist in einer Wohnung von Bau- und Immobilienunternehmer Franco Gulli in Rothenburg untergebracht, der fussballverrückte Präsident der Emmenbrücker sorgt auch für den Lebensunterhalt des Georgiers. «Vorerst bleibt er bis zum Ende der Vorrunde im November bei uns», sagt Gulli, dann werde man mit Blick auf die ungewisse Coronasituation weitersehen.

Am liebsten wäre ihm natürlich, wenn Shekiladze mit seinen Offensivqualitäten einen wichtigen Beitrag zum grossen Ziel leisten könnte, dem Aufstieg in die 1. Liga just zum 100-Jahr-Jubiläum des Vereins 2021. «Er könnte uns als Sprungbrett nutzen, Irakli ist topfit und kann noch ein paar Jahre auf einem guten Niveau Fussball spielen», ist Gulli überzeugt. Der Spieler selber hofft auf ein Engagement in der Super League oder Challenge League, auch die Hoffnung auf das Début im georgischen Nationalteam hat er noch nicht aufgegeben. Wer weiss: Vielleicht verläuft seine Profikarriere, elf Jahre, nachdem sie verheissungsvoll begann, ja doch noch nach Drehbuch.