Sie erntet Respekt und Begeisterung

Sandra Garibay (BTV Luzern) befindet sich auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Die 19-jährige Luzernerin bringt die Schweizer Geräteturnszene auf ein neues Level.

Stefanie Meier
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Sandra Garibay gelingt beim Sprung mit 9,73 die Bestnote. (Bild: Bilder: Stephan Strässle/Peter Friedli (Dietikon, 19. November)
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Der Rickenbacher Simon Stalder holt drei weitere Medaillen.

Sandra Garibay gelingt beim Sprung mit 9,73 die Bestnote. (Bild: Bilder: Stephan Strässle/Peter Friedli (Dietikon, 19. November)

Kein Weg führt an ihr vorbei, nichts bringt sie aus dem Konzept und niemand kann ihr derzeit das Wasser reichen. Die elegante Turnerin im roten Dress und mit gleichfarbigem Band in den Haaren wirkt ruhig und konzentriert. Die Titelverteidigung in der Königsklasse, der Kategorie 7 beim Mehrkampffinal der Frauen hat sie sich zum Ziel gesetzt. Es wäre ihr zweiter Titel in Folge, umrahmt von etlichen weiteren Siegen mit der Mannschaft und in den einzelnen Gerätefinals.

Die Luzernerin Sandra Garibay ist eine echte Grösse im Turnsport und erntet für ihre konstanten Leistungen eine Menge Respekt und Begeisterung. Vor allem die jungen Turnerinnen, die ihrem Idol gespannt von der Tribüne aus zusehen, sind hellauf begeistert. «Ich freue mich immer wieder, wenn die Kids ein Autogramm wünschen oder ein Foto mit mir machen möchten», schwärmt Garibay. Fanfotos gibt’s also nicht nur bei der internationalen Sportelite.

Das Gefühl muss stimmen

Ihre zahlreichen Erfolge aus den letzten Jahren haben Garibay zu dem gemacht, was sie heute ist: Eine selbstsichere Turnerin, die nach mehr strebt, die noch schwieriger turnen möchte und der nach oben hin auch gar keine Grenzen gesetzt sind. «Ich motiviere mich selbst damit, neue Elemente zu lernen und an meinem persönlichen Niveau zu schrauben», erklärt Garibay. Wobei das Niveau der Luzernerin jetzt schon sehr hoch ist und sie damit zum zweiten Mal hintereinander den Meistertitel im Mehrkampf in der höchsten Kategorie realisierte. Zu Beginn der Saison sah es noch nicht ganz danach aus, als ob sie erneut reüssieren könnte. «Nach meinem Auslandaufenthalt fiel mir das Training etwas schwer, ich war müde», meinte Garibay, die Schritt für Schritt zu ihrer alten Form zurückfand. Das bestätigten die guten Resultate an den verbandsinternen Wettkämpfen. Ihr Formverlauf ging weiter steil nach oben.

Konkurrenz aus den eigenen Reihen

Die grösse Konkurrenz Garibays kommt aus den eigenen Reihen. Denn ihr Sieg am Mehrkampffinale in Dietikon war keineswegs ein Spaziergang. Vereinskollegin Florence Von Ziegler (24) setzte sie ganz schön unter Druck, war im Zwischenklassement gar auf Siegeskurs und verlor am letzten Gerät, dem Reck, den Kampf um Gold. Garibay siegte schliesslich mit knapp vier Zehnteln Vorsprung. «Klar habe ich gehofft, den entscheidenden Unterschied am Reck rauszuholen. Aber gegönnt hätte ich Florence diesen Sieg allemal.» Und auch wenn das bereits ihr vierter Sieg in einem Mehrkampffinale war, strahlte Garibay bis über beide Ohren, lächelte vergnügt für die vielen Fotos und liess sich unzählige Male herzhaft drücken. «Kein Sieg ist wie der andere. Ich schätze es jedes Mal von neuem, dass mein Körper diese Belastung zulässt und ich solche Erfolge feiern darf. Das ist nicht selbstverständlich», meinte die Luzernerin. Hinter Garibay und Von Ziegler klassierte sich die 18-jährige Lara Borner (Frauenfeld) auf Rang drei.

Eine Flugshow sondergleichen

Keine 24 Stunden später wurden die Gerätefinals ausgetragen. Garibay qualifizierte sich unter anderem für den Gerätefinal am Sprung. Ihre Mission war auch hier ganz eindeutig: Titelverteidigung an ihrem Paradegerät. Garibay zeigte einen Doppelsalto gehockt und gebückt mit je einer halben Schraube zum sicheren Stand. Sie kam als Letzte an die Reihe, präsentierte mit Abstand die schwierigsten Sprünge unter allen Finalteilnehmerinnen und gewann ganz nach dem Motto «das Beste zum Schluss». Dazu kam zwei Mal Silber an den Schaukelringen und am Reck. Garibay ist damit die erfolgreichste Turnerin an den diesjährigen Schweizer Meisterschaften der Frauen. Ihre Erfolgsgeschichte, die 2012 an der SM in Romanshorn begann, geht unaufhaltsam weiter.

Dietikon ZH. Schweizer Meisterschaften im Geräteturnen, Mehrkampf. Einzel. Frauen. Kategorie 5: 1. Noemi Schefer (Uzwil) und Lea Thürlemann (SV), je 37,50. Ferner: 7. Kaja Dillschneider (Büron) 36,75. 7. Livia Stöckli (Beromünster) 36,75. 11. Larissa Bänninger (BTV Luzern) 36,70. 23. Fabienne Rüegg (Hünenberg) 36,00. 27. Franca Tramonti (Bürglen) 35,95. 32. Mona Schöb (Hünenberg) 35,80. 36. Leonie Wolfisberg (Beromünster) 35,70. 39. Leonie Schär (BTV Luzern) 35,60. 41. Mara Lengwiler (BTV Luzern) 35,55.

Kategorie 6: 1. Mirjam Bregenzer (Beromünster) 37,80. 2. Kaya Dimmler (BTV Luzern) 37,65. 9. Christelle Bregenzer (Beromünster) 36,95. 11. Anja Langensand (Sarnen) 36,90. 20. Angela Günther (Beromünster) 36,55. 20. Kim Jud (BTV Luzern) 36,55. 31. Noana Küng (BTV Luzern) 36,25. 32. Aline Nyffenegger (Hünenberg) 36,20. 35. Lisa Maria Odermatt (Kerns) 36,15. 38. Nora Schillig (Bürglen) 36,05. 51. Maria Erni (Beromünster) 35,70.

Frauen: 1. Manuela Crameri (Aarau) 37,60. 6. Melanie Konzelmann (Eschenbach) 36,90. 25. Melanie Levy (BTV Luzern) 36,10. 36. Sarah Bargetzi (Malters) 35,50. 40. Chantal Rötheli (Sarnen) 35,40. 41. Nicole Odermatt-Müller (Kerns) 35,30. 56. Karin Betschart (Nidwalden) 34,25. 57. Petra Reichmuth (Grosswangen) 34,15. 61. Petra Wüest (Grosswangen) 34,00.

Kategorie 7: 1. Sandra Garibay (BTV Luzern) 38,50. 2. Florence Von Ziegler (BTV Luzern) 38,15. 3. Lara Borner (Frauenfeld) 38,05. Ferner: 6. Nicole Strässle (BTV Luzern) und Paciane Bo Studer (Nidwalden), je 37,75. 19. Lilian Gisler (Bürglen) 37,05. 36. Flavia Imfeld (Kerns) 36,25. 43. Léonie Wismer (Beromünster) 35,85. 44. Sina Enzmann (Nidwalden) 35,80. 57. Alishia Tiziani (Hünenberg) 35,25. 59. Corinne Konzelmann (Eschenbach) 35,20.

Gerätefinals, Frauen. Boden: 1. Florence Von Ziegler (BTV Luzern) 9,50. 5. Paciane Bo Studer (Nidwalden) 9,25. – Schaukelringe: 1. Nicole Strässle (BTV Luzern) 9,65. 2. Sandra Garibay (BTV Luzern) 9,60. 3. Annja Keiser (Rotkreuz) 9,55. 5. Paciane Bo Studer 9,45. – Sprung: 1. Sandra Garibay 9,73. 2. Annja Keiser 9,58. 6. Florence Von Ziegler 8,65. – Reck: 1. Annja Keiser 9,70. 2. Sandra Garibay 9,60. Ferner: 5. Paciane Bo Studer 9,40. 8. Nicole Strässle 8,90.

Gerätefinals, Männer. Boden: 1. Stefan Meier (Obfelden) 9,70. 2. Andreas Gasser (Belp) 9,65. 2. Simon Stalder (Rickenbach) 9,65. 5. Alexander Kurmann (BTV Luzern) 9,50. – Schaukelringe: 1. Alexander Kurmann 9,70. 6. Simon Stalder 9,50. – Sprung: 1. Simon Stalder 9,93. 2. Janis Fasser (Sempach) 9,65. 3. Alexander Kurmann 9,60. – Barren: 1. Christoph Schärer (Orpund) 9,75. 5. Janis Fasser 9,50. 8. Mario Meier (BTV Luzern) 8,55. – Reck: 1. Stéphane Détraz (Morges) 9,80. 2. Simon Stalder 9,70.

Simon Stalder fehlt nur noch eine Goldene

Im Mehrkampf der Kategorie 6 siegte Mirjam Bregenzer (15, Beromünster) hauchdünn vor Kaya Dimmler (16, BTV Luzern). Die beiden turnten einen hochstehenden Wettkampf, blieben absolut fehlerfrei und durften sich somit verdient diese Medaille umhängen lassen. Für Simon Stalder (Rickenbach) gingen diese nationalen Titelkämpfe mit dem Gewinn von drei weiteren Medaillen zu Ende. Gesamthaft fünf Podestplätze auf nationaler Ebene nur in diesem Jahr gehen auf sein Konto. Der 27-jährige gewinnt Gold im Mehrkampf, Gold mit dem Team, Gold am Sprung sowie Silber am Reck und Boden. «Am Boden hätte es aber auch gerne die Goldene sein dürfen», meinte Stalder. «Diese fehlt mir nämlich noch». Den Titel musste er seinem Konkurrenten Stefan Meier (25, Obfelden) überlassen. «Stefan war einfach besser», gesteht Stalder. Etwas überraschend dann der Coup am Reck. Der Rickenbacher baute ein Flugelement in seine Übung ein, das ihm besser gelang als er erhofft hatte. Zwei Gerätefinal-Medaillen erturnte sich Routinier Alexander Kurmann. Der 33-jährige Akteur vom BTV Luzern gewann Gold an seinem Paradegerät, den Schaukelringen, und sichert sich zusätzlich Bronze am Sprung. Bei den Frauen gehen sämtliche Gerätefinal-Titel in die Innerschweiz. Die BTV Luzern-Akteurinnen Florence Von Ziegler (Boden), Nicole Strässle (Schaukelringe) und Sandra Garibay (Sprung) sowie die 24-jährige Zugerin Annja Keiser (Reck) dominierten die hochstehenden Gerätefinals nach Belieben und schrieben einmal mehr Schweizer Geräte-Turngeschichte. (stm)