Sie wollen ihren Titel verteidigen

Nach dem Mammut-Cup in Eschenbach ist klar, welche Innerschweizer an den Schweizer Meisterschaften teilnehmen werden. Coach Beni Boos hat sich bereits eine Taktik zurechtgelegt.

Stefanie Meier
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Das Kategorie-7-Team des Turnverbandes Luzern, Ob- und Nidwalden freut sich auf die Titelkämpfe (von links): Beni Boos (BTV Luzern), Florence von Ziegler (BTV Luzern), Paciane Bo Studer (TZ Nidwalden), Sandra Garibay (BTV Luzern), Flavia Imfeld (Getu Obwalden) und Nicole Strässle (BTV Luzern). (Bild: Patrick Hepp (Eschenbach, 15. September 2018)

Das Kategorie-7-Team des Turnverbandes Luzern, Ob- und Nidwalden freut sich auf die Titelkämpfe (von links): Beni Boos (BTV Luzern), Florence von Ziegler (BTV Luzern), Paciane Bo Studer (TZ Nidwalden), Sandra Garibay (BTV Luzern), Flavia Imfeld (Getu Obwalden) und Nicole Strässle (BTV Luzern). (Bild: Patrick Hepp (Eschenbach, 15. September 2018)

Die qualifizierten Turnerinnen und Turner, welche die nationalen Titelkämpfe in Winterthur (Turnerinnen, 27./28 Oktober) und Biasca (Turner, 10./11. November) bestreiten, befinden sich nun in der entscheidenden Phase. Trainingszusammenzüge und ein weiterer Vorbereitungswettkampf soll den Teilnehmenden die notwendige Sicherheit bieten.

Beni Boos, der als Trainer von einem äusserst erfolgreichen BTV Luzern schon zahlreiche Schweizer-Meister-Titel sowohl im Team- wie im Mehrkampffinal miterleben durfte, steht erneut als Coach des Kategorie-7-Teams der Turnerinnen im Einsatz. Zusammen mit Sandra Garibay, Nicole Strässle und Florence von Ziegler (BTV Luzern) sowie Paciane Bo Studer (Nidwalden) und Flavia Imfeld (Obwalden) sieht er nur einen Weg – den nach ganz oben.

Beni Boos, Däumchen drehen und abwarten ist nicht Ihr Ding. Wie sieht der Masterplan für die kommenden Wochen vor den Schweizer Meisterschaften aus?

Bis zum Grossereignis in Winterthur steht noch viel Detailarbeit bevor. Denn die Turnerinnen sollen am Tag X ihre beste Leistung abrufen können. Aus meiner Sicht erfordert das eine gute Zeitplanung, von den Turnerinnen den bestmöglichen Einsatz.

Was unternehmen Sie denn spezifisch?

Ich führe die Turnerinnen Schritt für Schritt an die Idealform heran. Vor allem in Sachen Spannung, Standsicherheit und Selbstbewusstsein können wir einen Unterschied zur Konkurrenz ausmachen. Im Weiteren überlege ich mir eine sinnvolle Startreihenfolge. Die erste Turnerin muss mental stark sein und der Gruppe eine positive Energie verleihen. Für den Schluss wähle ich eine Turnerin, die konstant gute Leistungen bringt, genügend geduldig ist und die Nerven dazu hat, bis zum Ende zu warten, um dann nochmals ein Feuerwerk zu zünden.

Auf was achten Sie bei der Konkurrenz speziell?

Ich schaue mir die Zusammensetzungen der anderen Teams an und analysiere deren Stärken und Schwächen. Das gibt mir persönlich die Sicherheit, während des Wettkampfes den Überblick zu behalten und eine gewisse Ruhe gegenüber meinem Team auszustrahlen. Oder aber das Team zu pushen, wenn ich feststelle, dass wir im Rückstand liegen.

Sie überlassen wie immer nichts dem Zufall. An der SM wird ein neuer Wettkampfmodus eingeführt, auf den Sie keinen Einfluss nehmen können. Wie stellen Sie sich zu den neuen Modalitäten?

Ich bin gespannt, wie die Reaktionen über diese Modusänderung nach der ersten Austragung ausfallen werden. Teilweise dünken mich die Anpassungen nicht ganz fertig durchdacht, so beispielsweise die Startreihenfolge für den Teamwettkampf. Das Los hat entschieden, dass unsere K7-Mannschaft vermutlich in der ersten Abteilung am Morgen starten wird. Nicht die Zeit ist das Problem – das ist reine Einstellungssache –, sondern die Tatsache, dass sich die Favoritenteams nicht direkt miteinander messen können. Ich finde diesen Umstand vor allem für die Zuschauer und den Turnsport allgemein äusserst schade. So wird die Stimmung wahrscheinlich nie den Höhepunkt erreichen, wie wenn die schweizweit besten Turnerinnen zusammen auf dem Wettkampfplatz stehen. Nebst vielen guten Änderungen, die nun gemacht wurden, ist dieses Auslosen der Startreihenfolge aus meiner Sicht dann doch eher ein Rückschritt als ein Fortschritt. Ich kann mir daher gut vorstellen, dass aufs nächste Jahr hier und dort nochmals kleine Änderungen vorgenommen werden.

Ihre Prognosen für die nationalen Titelkämpfe sind aber relativ klar. Als Titelverteidiger steht Ihr Team unter einem gewissen Druck. Wie gehen Sie damit um?

Das Team und ich sind nicht zum ersten Mal in dieser Situation. Uns steht verbandsintern noch ein Wettkampf bevor, den wir direkt im Team als kleine Hauptprobe bestreiten werden. Diesen Wettkampf finde ich enorm wichtig für den Zusammenhalt und das gegenseitige Vertrauen. Ob wir Titelverteidiger sind oder nicht, spielt am Tag X keine Rolle. Wichtig ist, dass jede einzelne Turnerin von Kopf bis Fuss motiviert ist und das Ding mit einer starken Performance gewinnen will. Meine Unterstützung haben sie zu 100 Prozent. Wenn nötig, bin ich auch mal etwas bestimmt und führe die Turnerinnen in die richtige Richtung. Meine Leidenschaft zum Turnsport ist in solchen Situationen unhaltbar, sodass ich nach einem Wettkampf meist mental und körperlich genauso fertig bin wie die Athletinnen. Es ist sehr anstrengend – aber es lohnt sich, für diesen Erfolg zu kämpfen.