Der Rickenbacher Simon Stalder ist der beste Schweizer Geräteturner

An den Schweizer Meisterschaften der Männer in Yverdon-les-Bains erweitert der Rickenbacher Simon Stalder sein Palmarès.

Stefanie Meier
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Simon Stalder beherrscht das Turnen wie kaum ein anderer. Bild: Marianne Baschung (Yverdon-les-Bains, 10. November 2019)

Simon Stalder beherrscht das Turnen wie kaum ein anderer. Bild: Marianne Baschung (Yverdon-les-Bains, 10. November 2019)

Harmonisches Abrollen über C+Pose, Hüftwinkel 90 Grad, Beine gestreckt. So lautet die Definition einer Rolle vorwärts gemäss Wettkampfprogramm des Schweizerischen Turnverbandes (STV). Das waren noch Zeiten, als Simon Stalder die ersten Gehversuche im Turnen wagte. Auch der Rickenbacher hat klein begonnen. Und auch er hat sich zu Beginn Anweisungen wie «Halte deine Arme in die Vorhochhalte» oder «Strecke deine Knie durch» immer wieder anhören müssen.

Mit der Umsetzung hatte der Fünfjährige damals kaum Probleme. Schon früh entdeckten Eltern und Trainer sein Talent und öffneten ihm den Weg in die Kunstturnszene. Nach einigen Jahren bei den Kunstturnern wechselte er mit 15 Jahren ins Geräteturnen. Und heute, 14 Jahre später, feiert der 28-Jährige aus dem luzernischen Rickenbach bereits den vierten Schweizer-Meister-Titel im Mehrkampf – und das allein in der Königskategorie 7.

Turnen nach Bilderbuch

Von harmonischem Abrollen ist heutzutage nicht mehr die Rede. Wohl sind Begriffe wie «Doppelsalto vorwärts gehockt mit 1,5-facher Drehung» oder «Vorschaukeln und Doppelsalto rückwärts gehockt mit ganzer Drehung zum Niedersprung» das Abc des Turnens. Beides sind zwei Tsukahara-Varianten – einmal am Sprung und einmal an den Schaukelringen. Und beide beherrscht Simon Stalder schier im Schlaf. Als er im Mehrkampf an den Schaukelringen zum Tsukahara-Ausgang ansetzte, rief das Publikum in unisono «schtoooh». Minuten später am Sprung verfolgten wieder Hunderte von Augenpaaren das Geschehen Stalders. Sie alle wollten nichts, aber gar nichts verpassen. An seinem Paradegerät, dem Sprung, legte er mit der Traumnote 10,00 den Grundstein zur Titelverteidigung. Wie wichtig eine saubere Ausführung der einzelnen Elemente und saubere Landungen sind, erfuhr Stalder gegen Ende des Wettkampfes. Das Niveau war einmal mehr enorm hoch.

Minime 25 Hundertstelpunkte lag Stadler letztendlich vor dem Waadtländer Stéphane Détraz aus Morges. Der Waadtländer lag nach vier von fünf Geräten gar auf Siegeskurs, büsste am Barren aber ein paar Zehntel ein und lag schliesslich in der Endabrechnung hinter Stalder auf Rang zwei. Weitere fünf Hundertstel dahinter holte Andreas Gasser (Belp) die Bronzemedaille. «Détraz, Gasser und auch Stefan Meier hatte ich mit auf der Rechnung um den Titel. Sie alle sind gefährliche Konkurrenten», sagte Stalder nach dem Wettkampf. Er bestätigte damit seine Leistung aus dem Vorjahr und bleibt der beste Geräteturner schweizweit.

Titelverteidiger aber nicht Topfavorit

Neben Simon Stalder gehören aus der Innerschweiz auch Alexander Kurmann (BTV Luzern/7. Rang) und der Sempacher Janis Fasser (11.) zu den erfolgreichsten Turnern. Sie kämpften am Sonntag im Teamwettkampf zusammen mit Christoph den beiden Rickenbachern Hüsler und Luca Gartenmann um eine weitere Medaille, gecoacht von Patrick Hepp (BTV Luzern). Der Mehrkampf vom Samstag zeigte, dass der Weg zum Sieg zweifelsohne über die Waadtländern führen wird. Die welsche Konkurrenz hatte es faustdick hinter den Ohren, wie sich nach Wettkampf-Hälfte zeigte. Und die Euphorie des einheimischen Publikums schien sie noch mehr in die Offensive zu treiben.

Ein Vorbeikommen an der welschen Fraktion mit Aushängeschild Stéphane Détraz und Sprung-Profi Justin Delay war schlicht nicht mehr möglich. Und so siegte das Team Vaud überlegen vor Luzern, Ob-/Nidwalden und Zürich. Da nütze auch die neuerliche 10,00 von Simon Stalder am Sprung nichts mehr. Denn Delay tat es ihm – wie schon im Mehrkampf – gleich, was wiederum den Einstand beim Duell der beiden Sprung-Giganten bedeutete.

Doch beim Teamwettkampf waren die Innerschweizer für einmal nicht die Überlegenen, sondern die Geschlagenen. «Wir waren Titelverteidiger, aber nicht Topfavorit. Diese Rolle gehörte den Waadtländern», lautet das Fazit von Stalder. «Die Tatsache, dass wir die Waadtländer ziehen lassen mussten, hat die Stimmung und auch die Motivation im Team keineswegs beeinflusst. Wir haben alles geben und sind mit unserer Leistung sehr zufrieden. Ein Dank geht auch an Coach Patrick Heeb, der uns toll unterstützt hat», fügte der Rickenbacher Christoph Hüsler abschliessend hinzu.