Der Krienser Stefan Lustenberger schafft den Hattrick beim Rütlischwur-Gedenklauf

Nach 2015 und 2017 sichert sich Stefan Lustenberger bereits zum dritten Mal den Tagessieg beim Rütlischwur-Gedenklauf. Am Sonntag wurde der 25-jährige Krienser besonders hart gefordert.

Urs Hanhart
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Der 25-jährige Krienser Stefan Lustenberger auf dem Weg zum dritten Tagessieg. Bild: Urs Hanhart (Seelisberg, 2. Juni 2019)

Der 25-jährige Krienser Stefan Lustenberger auf dem Weg zum dritten Tagessieg. Bild: Urs Hanhart (Seelisberg, 2. Juni 2019)

Die ungeraden Jahre scheinen diejenigen von Stefan Lustenberger zu sein – zumindest in Bezug auf den ältesten Urner Berglauf. Der erfolgsverwöhnte Luzerner bewältige die 9,5 Kilometer lange und 1115 Meter Höhendifferenz aufweisende Strecke des am Sonntag bereits zum 42. Mal ausgetragenen Rütlischwur-Gendenklaufs einmal mehr als Tagesschnellster. Mit seinem dritten Erfolg sicherte er sich endgültig einen Ehrenplatz in den Annalen dieser traditionsreichen Laufveranstaltung. Lustenberger brachte zudem das Kunststück fertig, mit 53:53 Minuten seine Siegerzeit von 2017 (53:52) nahezu zu egalisieren. Den seit 22 Jahren bestehenden und seither unangetastet gebliebenen Streckenrekord des Briten Richard Findlow verpasste er allerdings erneut um über drei Minuten.

Den Trainingspartner im Nacken

Das war es aber auch schon mit den Parallelen. Während Lustenberger bei seinen ersten beiden Siegen jeweils mit einem komfortablen Vorsprung im Ziel auf der Alp Laueli eintraf, kam es diesmal zu einer für Berglaufverhältnisse sehr knappen Entscheidung. Dominik Rölli vom ST Bern büsste als Tageszweiter nur gerade sieben Sekunden ein. Der 23-jährige Athlet aus Oberbalm ist pikanterweise ein regelmässiger Trainingspartner von Lustenberger, der mittlerweile in Bern wohnt. Zum Rennverlauf sagte der Triumphator: «Zu Beginn des steilen Schlussstücks konnte ich mich zusammen mit meinem Trainingskollegen absetzen. Danach haben wir uns die Führungsarbeit geteilt. Rund 500 Meter vor dem Ziel habe ich dann die entscheidende Attacke gesetzt. Ich konnte mir einen kleinen Vorsprung erarbeiten, war mir aber bis zum Schluss nicht sicher, ob es für den Sieg reichen würde. Ich musste alles geben, um Dominik Rölli auf Distanz zu halten.»

1:39 Minuten nach dem Gewinner lief Daniel Lustenberger, der ältere Bruder von Stefan Lustenberger und Tagessieger von 2014 und 2016, als Dritter über die Ziellinie. Weitere 19 Sekunden hinter ihm landete Vorjahressieger Remo Betschart aus Bürglen als bester Urner diesmal auf dem undankbaren vierten Platz. Ein sensationelles Rennen lieferte Juniorensieger Tobias Renggli ab. Der erst 16-jährige Athlet von der LR Ebikon büsste als Gesamtfünfter nur gerade 2:26 Minuten auf den Tagesschnellsten ein. Der talentierte Buchrainer ist sicherlich ein Kandidat, der den Uralt-Streckenrekord in absehbarer Zeit ins Wanken bringen könnte. Bei den Frauen setzte sich wie schon im Vorjahr Lucia Hofmann aus Ennetbürgen durch. Die 40-jährige Nidwaldnerin siegte mit einer knappen Minute Vorsprung auf die Zürcherin Sabrina Hauser.

Transalpine Run wird seine grösste Herausforderung

Stefan Lustenberger stieg in Seelisberg nach einer rund einmonatigen Wettkampfpause wieder ins Wettkampfgeschehen ein. Demnächst stehen die wichtigen Qualifikationsläufe für die Berglauf-EM an, die am 7. Juli in Zermatt ausgetragen wird. Dort möchte er unbedingt dabei sein und ist diesbezüglich sehr zuversichtlich, wie er betonte: «Mit meinem aktuellen Formstand bin ich sehr zufrieden. Deshalb bin ich optimistisch, den Sprung ins Schweizer Nationalteam zu schaffen. Allerdings wird es nicht einfach, denn die Leistungsdichte ist momentan sehr gross.» Das erste Saisonhighlight ist am 16. Juni die Berglauf-SM in Neirivue. Dort gehört der Sieger des Rütlischwur-Gedenklaufs zweifellos zu den ganz heissen Medaillenanwärtern.

Doch Lustenberger konzentriert sich in diesem Jahr nicht nur auf die reinen Bergläufe, sondern nimmt auch noch ein ganz spezielles Lauf-Abenteuer in Angriff. Er startet Ende August zusammen mit seinem Bruder Daniel erstmals am Transalpine Run. Das ist ein acht Etappen umfassendes Rennen quer durch die Alpen über eine Gesamtdistanz von 274 Kilometern, gespickt mit 16150 Höhenmetern. «Ich freue mich sehr auf diese Herausforderung und bin gespannt, wie ich ein solches Mehretappenrennen verkrafte», so der Seriensieger.

Einen weiteren Saisonhöhepunkt plant der Krienser für den November. Zu diesem Zeitpunkt findet in Patagonien die Berglauf-WM statt. «Ich werde Ende Sommer eine kurze Erholungspause einlegen und dann einen Wiederaufbau im Hinblick auf die WM starten. Sonst ist es nicht möglich, bei diesem Saisonhöhepunkt in Topform zu sein», sagte Lustenberger zu seiner Strategie.

Seelisberg. Rütlischwur-Gedenklauf (9,50 km/1115 Höhenmeter). Männer (overall): 1. Stefan Lustenberger (Kriens) 53.53 (Sieger Hauptklasse). 2. Dominik Rolli (Oberbalm) 54.00. 3. Daniel Lustenberger (Kriens) 55:32. 4. Remo Betschart (Bürglen) 55.51 (Sieger Senioren 1). 5. Tobias Renggli (Buchrain) 56.19 (Sieger Junioren). 6. Manfred Jauch (Altdorf 56.54 (Sieger Senioren 2).

Frauen (overall): 1. Lucia Hofmann (Ennetbürgen) 1.08.40 (Siegerin Frauen 3). 2. Sabine Hauser (Zürich) 10.9,35 (Siegerin Frauen 2). 3. Conny Odermatt (Zug) 1:13.37. 4. Sonja Reusser (Krattigen) 1:15.25. 5. Nadine Kiessling (Widen) 1;17.35 (Siegerin Frauen 1).