Streichung der Trainersaläre und «finanzielles Desaster»: Fussballvereinen in der Zentralschweiz drohen hohe Verluste

Der Lockdown sorgt auch bei den über 80 Vereinen des Innerschweizerischen Fussballverbands für Probleme.

Stephan Santschi
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Der Lockdown sorgt auch bei den über 80 Vereinen des Innerschweizerischen Fussballverbands für Probleme. Neben dem Fehlen sozialer Kontakte werden vor allem die sistierten Einnahmen aus den Ticketverkäufen und den Klubrestaurants, sowie die Absage wichtiger Anlässe beklagt. Der SC Obergeissenstein beispielsweise hat seine 100-Jahr-Party von heute Samstag mit 300 Mitgliedern, Freunden, sowie Vertretern aus Politik und Sport verschoben. Dietwil bedauert den Ausfall des Zugerlandturniers am Pfingstsamstag, Grosswangen-Ettiswil streicht das Osterlotto, auch Grümpel- und Plauschturniere im Frühsommer stehen auf der Kippe.

Auf der anderen Seite bestehen weiterhin Fixkosten, etwa die Abzahlung des Klubhauses oder der Unterhalt des Platzes. Zudem herrscht Ungewissheit über das Engagement von Sponsoren.

FC Horw befürchtet Verlust von 80’000 Franken

Vielerorts wird der wirtschaftliche Schaden derzeit auf einen fünfstelligen Betrag beziffert, etwa beim FC Horw. «Sollten wir bis Ende Juni nichts mehr machen können, werden uns 80’000 Franken Ertrag fehlen», sagt Präsident Albert Kaufmann. «Uns entgehen vor allem die Einnahmen der Klubbeiz. Von März bis Juni machen wir über 50 Prozent des Jahresumsatzes.»

Der FC Dietwil beziffert den Ausfall bis Ende April auf rund 50’000 Franken. «Uns trifft die Krise sehr stark», erklärt Präsident Marco Herzog und nennt Sofortmassnahmen: «Investitionsstopp und Streichung der Trainersaläre bis Juni. Die versicherten Löhne haben wir als Kurzarbeit angemeldet.» Sollte der Spielbetrieb weiter ruhen, werde ihnen aber ungefähr im Sommer das Geld ausgehen. Beim FC Rotkreuz erwartet Präsident Claudio Carbone im Fall des definitiven Saisonabbruchs ein «finanzielles Desaster».

Die Krise fördert aber auch die Solidarität. Der FC Küssnacht zum Beispiel ruft Vereinsmitglieder auf, sich für den Heimlieferdienst der Migros (App Amigos) zu registrieren. Des Weiteren unterstützt er die Idee, mit dem Kauf von Gutscheinen das lokale Gewerbe zu fördern (gutscheine-kuessnacht.ch). Bereits seit Jahren führt der FC Muotathal den «Einsatz fürs Tal» durch. Für jeden höheren Passivmitgliederbeitrag leistet der Verein eine Stunde ehrenamtliche Arbeit in der Gemeinde.

Der FC Nottwil sorgt sich derweil um seine Hauptsponsoren: «Wir haben angefragt, ob sie uns schon eine Rechnung für Waren schicken wollen, welche wir in Zukunft beziehen. Damit sie jetzt Liquidität haben», erzählt Präsident Daniel Bussmann. Erstfeld kommt es nicht ungelegen, dass weniger Spiele stattfinden. «Wegen des Umbaus des Naturrasen steht nur der Kunstrasen zur Verfügung. Dies hätte sicher zu Platzproblemen geführt», sagt Präsident Sandro Imhasly.

Deutsche Klubs verkaufen Geistertickets

Originelles ist aus Deutschlands Amateurfussball zu vernehmen: Dort stellt der Kreisligist TC Freisenbruch eine Onlineplattform zur Verfügung, auf der Vereine imaginäre Produkte an ihre Fans verkaufen können (geisterspieltickets.de). Mittlerweile sind 1865 Eintrittskarten, 1478 Würste, 2539 Bierchen und 332 Bierkisten veräussert worden – alles virtuell, versteht sich.