Svenja Fölmli beim FC Luzern: «Eine wie sie ist höchst selten»

Das NLA-Frauenteam des FC Luzern empfängt am Sonntagnachmittag (16.00 Uhr) zu Hause den FC Basel. In den Reihen des FCL figuriert seit kurzem ein Talent, das an Auslandprofi Géraldine Reuteler erinnert.

Stephan Santschi
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Die Luzernerin Svenja Fölmli (vorne), hier gegen die Zürcherin Riana Fischer. (Bild: Andy Scherrer, Zürich, 23. Februar 2019)

Die Luzernerin Svenja Fölmli (vorne), hier gegen die Zürcherin Riana Fischer. (Bild: Andy Scherrer, Zürich, 23. Februar 2019)

«Ihr ist es egal, ob sie vor 20000 Zuschauern spielt oder auf dem Schulhausplatz. Sie will einfach Fussball spielen.» Glenn Meier, der Trainer der Luzerner NLA-Frauen, staunt nicht schlecht über das Nachwuchs-Juwel, das seit Dezember 2018 zu seinem Kader zählt. Bei ihrem NLA-Debüt vor drei Monaten traf die Stürmerin gegen die Berner Young Boys gleich doppelt, seither hat sie in fünf NLA-Einsätzen insgesamt vier Treffer erzielt.

In den letzten beiden Wochen absolvierte sie zudem drei Länderspiele mit dem U19-Nationalteam und verbuchte beim 2:0-Sieg gegen England den ersten Treffer. Dies alles im Alter von erst 16 Jahren. «Ein unfassbares Talent», schwärmt Meier. Und die Hochgelobte selber hält sachlich fest: «Es ist eine besondere Phase für mich. Doch ohne Vorlagen schiesse ich keine Tore. Ich brauche das Team.»

Schnell, technisch stark und torgefährlich

Zu Hause ist Svenja Fölmli in Sempach. Mit ihren Brüdern und den Jungs aus der Nachbarschaft habe sie früh Fussball gespielt, «ich hatte keine grosse Wahl», merkt sie schmunzelnd an. Mit sechs Jahren schloss sie sich dem FC Sempach an. Im Alter von 12 Jahren wechselte sie für zwei Saisons ins Ausbildungszentrum nach Biel, trainierte sechs bis sieben Mal wöchentlich, lebte bei einer Gastfamilie und schloss die Sekundarschule ab. «Vor allem das zweite Jahr hat mir mega-viel gebracht. Ich habe in allen Bereichen grosse Fortschritte gemacht», berichtet sie.

Entsprechend schnell stiess sie anschliessend in der Nachwuchs-Abteilung des FC Luzern nach oben. Letzte Saison spielte Svenja Fölmli noch bei den U17-Juniorinnen. Als sie in der Vorrunde der laufenden Spielzeit für die U19-Equipe Tor an Tor reihte, nahm sie Meier Ende 2018 in sein Team auf. «Sie verfügt über Leistungswerte, die in ihrem Alter fast unmöglich sind», sagt er. Einer ihrer Vorzüge sei die Schnelligkeit, ein anderer die Technik. «Beides in dieser Kombination ist höchst selten. Solch klassische Stürmerinnen gibt es im Frauen-Fussball kaum noch.»

Fölmli nämlich fühlt sich am Flügel ebenso wenig wohl wie im offensiven Mittelfeld. «Svenja will nur eines: Im Strafraum die Tore machen», erklärt Meier und lacht. Die Stürmerin selber formuliert ihren Spielstil so: «Defensiv möchte ich nur das Nötigste arbeiten. Ich mag die Bälle in die Tiefe, bei denen ich meine Schnelligkeit nutzen kann.» Am effektivsten spiele sie dann, wenn der Gegner sie unter Druck setze. «Wenn die Verteidigerin nahe an mir dran ist, mache ich eher ein Tor, als wenn ich alleine bin. Dann beginne ich zu überlegen.»

Zukunft in England oder Frankreich?

Heute Sonntag (16 Uhr, Hubelmatt) empfängt der FCL den FC Basel. Elf Spieltage sind noch ausstehend, aktuell belegt Luzern den dritten Platz – drei Zähler hinter Lugano. «Ich hoffe am Ende auf den zweiten Rang, dann schaffen wir es in die Champions-League-Qualifikation», hält Fölmli fest. Persönlich strebt sie nach einem NLA-Stammplatz, beruflich möchte sie bis ins Jahr 2021 ihre KV-Ausbildung an den Frei’s Schulen abschliessen.

Dann soll der Weg frei sein für den Wechsel ins Ausland – nach England oder Frankreich vorzugsweise. Auf der Hand liegt dabei der Vergleich mit Géraldine Reuteler, dem letzten Ausnahmetalent des FCL, das mittlerweile als Profi in Frankfurt spielt. «Géraldine ist wirklich gut», sagt Svenja Fölmli. «Ich hoffe, dass ich das noch werden kann.» Sie sei eben demütig, betont Trainer Meier, «Svenja hat keine Starallüren. Sie ist im Training die Erste, die kommt und die Letzte, die geht. Manchmal muss ich sie fast vom Platz zerren.»