Thun beendet Heimserie der Krienser Handballer

Kriens-Luzern verliert zu Hause gegen Wacker Thun mit 28:33. Es ist im achten Heimspiel die erste Niederlage.

Stephan Santschi
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Phillip Holm (Thun, links) gegen Tim Rellstab (Kriens).

Phillip Holm (Thun, links) gegen Tim Rellstab (Kriens).

Martin Meienberger

«Jede Serie reisst einmal. Schade, dass es heute war, es hätte auch ein andermal passieren dürfen.» Goran Perkovac schaute betrübt auf das letzte Heimspiel des Jahres gegen Wacker Thun zurück. Dank Gratiseintritt auf den Stehplätzen kamen am Samstag 750 Zuschauer in die Krauerhalle – so viele wie noch nie in dieser Saison. Ausgerechnet vor dieser schönen Kulisse verlor der HC Kriens-Luzern seine weisse Heim-Weste. Alle sieben Spiele hatte er davor gewonnen, Wacker Thun setzte diesem Lauf nun mit einem 33:28-Erfolg ein Ende. «Das ist natürlich enttäuschend», hielt Perkovac fest.

Was lief schief aus Zentralschweizer Sicht? In Halbzeit eins so ziemlich alles. Keine sieben Minuten waren gespielt, da lagen die Gastgeber bereits mit 2:6 zurück. Thun spielte aggressiv, deckte leidenschaftlich und suchte schnell den Weg nach vorne. Kurz: Thun tat das, was es seit Jahren auszeichnet. Die Krienser aber gaben die eigene Stärke preis. Nie fanden sie zur kompakten Abwehrarbeit, auf der die aktuell gute Klassierung (Platz 3) in der NLA basiert. «In der Verteidigung war das die mit Abstand schlechteste Leistung in dieser Saison, auch vom Goalie kam zu wenig. Miserabel!», ärgerte sich Perkovac.

Trainer Goran Perkovac

Trainer Goran Perkovac

Martin Meienberger

Topskorer Hleb Harbuz nicht 100 Prozent fit

Früh nahm der 57-jährige Handballlehrer ein Timeout, appellierte an die Mentalität. Ohne Erfolg. Immer mehr Lecks taten sich in der Folge im Krienser Spiel auf. Liga-Topskorer Hleb Harbuz war nach dem Schlag gegen seinen Hals vor einer Woche im Spiel gegen Pfadi Winterthur nicht zu 100 Prozent fit, wich den Zweikämpfen aus und schoss einen Penalty an die Latte. Severin Ramseier verfehlte das leere Tor der Thuner aus der Distanz, dabei hätte er alleine darauf zu rennen können. Filip Gavranovic und Adrian Blättler scheiterten aus günstiger Position am starken Thuner Goalie Flavio Wick.

Und dann war da eben diese gedankliche Lethargie in der Abwehr, welche sie im gesamten Spiel nie abzulegen vermochten. «Wir waren in den Köpfen nicht bereit. Dann wird man von einem Gegner wie Thun überrannt», stellte Perkovac fest. Immer wieder kamen seine Akteure einen Schritt zu spät, was unter anderem zu sieben Penalties für die Gäste führte. Und die sind gewöhnlich ein Fressen für Ivan Wyttenbach, der oft nur für den erfolgreichen Siebenmeterwurf auf den Platz kommt.

Severin Ramseier verliert die Nerven und sieht rot

Zur Pause lagen die Krienser mit fünf Längen hinten (13:18), näher als auf drei Treffer kamen sie nach der verpatzten Startphase nie mehr heran. Gelegenheiten, den Turnaround einzuleiten, boten sich zwar auch nach dem Seitenwechsel, als die Thuner konzentrationsmässig etwas nachliessen. Doch wenn ein hart erkämpfter Ball im anschliessenden Gegenstoss so plump in die Hände des Gegners geworfen wird, wie es Keeper Paul Bar in der 41. Minute tat, beraubt man sich gleich selber wieder des neu geschöpften Muts.

Ramseier, an diesem Tag neben sich stehend, liess sich in der 44. Minute noch zu einer Unsportlichkeit hinreissen, als er den überhart einsteigenden Thuner Dario Lüthi zu Boden drückte – beide Sünder sahen die rote Karte. Kurz darauf, nach etwas mehr als 45 Minuten, war die Partie beim Stand von 20:27 entschieden.

Nicolas Raemy hofft auf Comeback an der EM

Die Berner Oberländer scheinen damit allmählich der sportlichen Krise zu entsteigen, nach schwierigem Saisonstart mit vielen Verletzten stabilisieren sich ihre Leistungen. Während der Zuger Ron Delhees mit einem Kreuzbandriss für den Rest der Saison ausfällt, arbeitet der Luzerner Nicolas Raemy nach einem Mittelfussbruch am baldigen Comeback – sein grosses Ziel ist die Teilnahme an der EM 2020 mit der Schweiz im kommenden Januar.

Die Krienser werden derweil ihr Jahr am nächsten Samstag mit dem Auswärtsspiel bei Suhr Aarau abschliessen. «Diese Niederlage wirft uns nicht aus dem Rhythmus», versicherte Perkovac. Vor allem die Abwehr will er dann wieder auf ihrem gewohnten Rendement spielen sehen.

Kriens-Luzern - Wacker Thun 28:33 (13:18)

Krauerhalle. – 750 Zuschauer. – SR Castiñeiras/Zwahlen. – Strafen: 6-mal 2 Minuten plus rote Karte für Ramseier (44./Unsportlichkeit) gegen Kriens-Luzern, 4-mal 2 Minuten plus rote Karte für Lüthi (44./grobes Foul) gegen Wacker Thun. – Kriens-Luzern: Bar/Rast (für 1 Penalty); Ramseier, Piroch (7), Oertli (2), Harbuz (3/1), Blättler (2/1), Gavranovic (5), Lavric; Papez (3), Idrizi (2), Wipf, Rellstab (2), Schlumpf (2). – Wacker Thun: Wick; Dähler (6), Felder (1), Suter (4), Holm (3), Lanz (4), Stefan Huwyler (3); Friedli (1), Wyttenbach (7/7), Lüthi, Haas, Guignet (4). – Bemerkungen: Harbuz wirft Penalty an die Latte (25./11:16). Wick pariert Penalty von Blättler (56./24:30).