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Vanessa Bolinger nimmt eine Auszeit vom Spitzensport

Die Schwyzer Eishockey-Torhüterin Vanessa Bolinger zieht sich für ein Jahr aus dem Eishockey zurück.
Daniel Monnin
Strandpromenade und Schulbank statt Eishockey und Bürojob: Vanessa Bolinger (hier in Nizza) nimmt sich eine Auszeit. Bild: PD (7. Juli 2019)

Strandpromenade und Schulbank statt Eishockey und Bürojob: Vanessa Bolinger (hier in Nizza) nimmt sich eine Auszeit. Bild: PD (7. Juli 2019)

Seit Jahren steht die bald 21-jährige Torhüterin im Kader der Frauen-Nationalmannschaften, den Durchbruch zur Nummer 1 oder 2 hat sie jedoch nur in der U18-Auswahl geschafft. Immer wieder standen ihr Weltklassetorhüterinnen wie etwa die zurückgetretene Florence Schelling oder ihre Nachfolgerinnen Andrea Brändli, Janine Alder (bei spielen in den USA) und die Nummer 1 der U18, Saskia Maurer, vor der Nase.

Das hat sie geprägt und sie bisweilen auch derart beschäftigt, dass sie sich zu der Aussage hinreissen liess, eine echte Chance habe sie nie wirklich erhalten. Das mag sein, hat aber seinen direkten Zusammenhang vor allem auch mit dem Verletzungspech, das Bolinger das letzte Jahr begleitet hat. Zwei schwere Knieverletzungen in Folge machten aus ihren Zielen Albträume, von denen sie sich trotz ihrer positiven Einstellung nie richtig erholt hat.

Ganz ohne Training 
geht es doch nicht

Vielleicht, sagt sie heute, sei sie das Ganze etwas zu verbissen angegangen, habe ihr Knie forciert und nur den unmittelbaren Erfolg vor Augen gehabt. So etwa nach der sehr guten Saison im Team der Churer Junioren, als sie einen Vertrag im MSL-Team des EHC Chur unterschrieb. Erneut rissen die Bänder, erneut verletzte sie sich im dümmsten Moment, als es darum ging, sich einen Platz im Team zu erkämpfen. Es geschah an einem Back-to-Sports-Test im Vorfeld eines Nati-Camps. Erneut kam sie zwar zurück, schaffte es doch noch kurz vor den Frauen-Playoffs zurück aufs Eis, doch der Traum von einem MSL-Einsatz hatte sich in Luft aufgelöst. Und irgendwie hat der mentale und körperliche Abnützungskampf Spuren hinterlassen, die nun mit der einjährigen Pause einer Heilung zugeführt werden sollen.

«Ich habe mir die ganze Sache wohl überlegt, alles abgewogen und bin nach reiflicher Überlegung zur Einsicht gekommen, dass ich eine Pause vom Spitzensport brauche», sagt sie. Diese Pause, die unter Umständen einem Rücktritt gleichkommen könnte, hat sie lange vorbereitet. Einfach mal ein bisschen weg zu sein, das liegt nicht in ihrem Naturell, dazu ist sie viel zu ehrgeizig. Deshalb hat sie sich auch Ziele gesetzt, die neben einer ausgedehnten Reise mithelfen sollen, Körper und Geist wieder ins Lot zu bringen. Schulbank statt Bürojob, heisst das Motto. Seit sechs Wochen ist sie in Nizza, drückt täglich fünf Stunden lang die Schulbank, mit dem Ziel, Ende August in Vichy das Französisch-Sprachdiplom (C1) zu erwerben. Ganz ohne Training kommt sie allerdings nicht aus: «Ich habe festgestellt, dass mein Knie ohne Krafttraining zu schmerzen beginnt, deshalb arbeite ich auch mehrmals die Woche in einem Fitnesscenter, laufe viel und geniesse sonst die Zeit, die mir bleibt.» Es tönt schon fast locker, wenn sie das sagt, nicht mehr so verbissen fokussiert wie vorher. Es sei wichtig, meint sie, dass sie auch mal loslassen könne, sich eben auch mental erholen könne.

Reise durch drei 
Kontinente geplant

Nach einer kurzfristigen Rückkehr in die Schweiz geht’s anfangs September zusammen mit ihrer Schwester via Singapur an die australische Gold Coast. Auch hier ist nicht ein ausgedehntes «dolce far niente» angesagt, sondern ein dreimonatiger Kurs an einer Sprachschule. «Das Perfektionieren meiner Sprachkenntnisse ist eines der wichtigsten Ziele meiner Auszeit. Das wird mir beruflich weiterhelfen.» Der weitere Verlauf der Reise durch die drei Kontinente Europa, Australien und Asien ist zwar ebenfalls bereits vorgeplant, lässt aber durchaus noch Spielraum für spontane Entscheide offen. Sicher ist ein Aufenthalt in Thailand, möglicherweise eine Fortsetzung in einem andern asiatischen Land. «Ich lasse das noch offen», sagt sie. Offen lässt sie – verständlicherweise – auch ihre sportliche Zukunft. «Es wäre unvernünftig, bereits heute Entscheide zu fällen. Ich will und muss mir die Zeit lassen, über meine sportliche Zukunft nachzudenken.»

Gefallen gefunden hat sie am Inline-Hockey. «Das hat mir wirklich Spass gemacht und ich werde sicher nach meiner Rückkehr wieder Inline-Hockey spielen.» Ob sie wohl jemals wieder auf’s Eis zurückkehrt? «Ich weiss es wirklich noch nicht, wenn ja, vielleicht auch als Spielerin.» Der Freude am Sport und nicht der Karriere willen …

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