Luzerner Volleyballer stehen vor ungewisser Premiere

Historischer Moment für Volley Luzern: Am Mittwoch debütiert der NLA-Klub im Europacup gegen den Meister aus Luxemburg.

Stephan Santschi
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Volley Luzern steigt am Mittwoch mit Shonari Hepburn (beim Smash) in europäische Sphären empor.Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 19. Oktober 2019)

Volley Luzern steigt am Mittwoch mit Shonari Hepburn (beim Smash) in europäische Sphären empor.Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 19. Oktober 2019)

Es war im November 1992, als der VBC Sursee vor vollen Rängen im Europacup gegen Treviso aus Italien spielte. Morgen Mittwoch nun, 27 Jahre später, spielt erstmals wieder ein Zentralschweizer Männerteam in einem internationalen Wettbewerb: Volley Luzern empfängt die Luxemburger von Diekirch zum Hinspiel in der zweiten Qualifikationsrunde des international drittklassigen Challenge Cups (19.30 Uhr, Bahnhofhalle). Für den 2015 in die NLA aufgestiegenen Verein bedeutet dies sogar die Premiere auf europäischem Parkett. «Ein riesiges Highlight ist das natürlich für uns», schwärmt Teamchef Josef Wicki und ergänzt: «Ein noch grösseres Highlight wäre es, wenn wir diese Serie gewinnen würden.»

Im Sechzehntelfinal nämlich wartet mit Montpellier Castelnau die aktuelle Nummer drei Frankreichs auf die Luzerner. «Das ist ein Spitzenteam. Wenn ich den Vergleich zum Fussball ziehe, ist es nicht gerade Paris St.Germain, aber etwa auf die Stufe eines Lyon oder Marseille zu setzen.»

Volleyballmeister oder Geschäft für Damenwäsche?

Zu viele Gedanken an dieses Los dürfen sich die Luzerner aber noch nicht machen, denn mit dem luxemburgischen Meister stellt sich ihnen eine unberechenbare Aufgabe. «Wir wissen nicht genau, was uns erwartet, kurzfristig hat Diekirch noch Spieler nachgemeldet. Diese Mannschaft ist für mich wie eine Blackbox», sagt Wicki. Gar sonderbar wird es, wenn man sich auf der vermeintlichen Website des Teams informieren will – dann landet man nämlich auf einer Seite für Frauenmode. Glaubhaft überliefert ist allerdings, dass die Luxemburger dürftig in die nationale Meisterschaft gestartet sind – nach fünf Spieltagen belegen sie nur Platz vier. «Unser erster Saisonhöhepunkt sind die Spiele gegen Luzern, darauf haben wir die Vorbereitung ausgerichtet», sagt Diekirch-Trainer Serge Karier. «Unser Vorteil ist, dass wir ein unbeschriebenes Blatt sind.»

Und damit zurück nach Luzern: Ein Spieler, der mitunter wegen der Herausforderung im Europacup zum Viertklassierten der letzten NLA-Saison gewechselt ist, heisst Shonari Hepburn. Der 26-jährige Mittelblocker brennt auf die Duelle mit Diekirch, «ich bin wirklich aufgeregt», sagt er mit einem Lächeln. Freuen dürfen sich auch Teamkollegen und Fans, denn mit Hepburn haben die Luzerner eine «Attraktion» verpflichtet, wie Wicki betont. Seine Dynamik, seine Energie und die positive Art auch neben dem Feld machen ihn zu einer echten Verstärkung. «Ich möchte ein Leader sein, der das Team in den entscheidenden Phasen zum Sieg führt», sagt der 2,01 Meter grosse Hepburn. Am letzten Sonntag, beim 3:2-Sieg in Jona, stellte er dies wieder unter Beweis. Den zweitletzten Punkt im Tiebreak zur 16:15-Führung realisierte er mit einem gelungenen Block. Dank seiner Sprungkraft erreicht er bei der Abwehr am Netz mit den Fingerspitzen eine Höhe von 3,50 Meter. Beim Spiking, dem kraftvollen Abschluss ins gegnerische Feld, erreicht er sogar 3,60 Meter, wie die Website volleybox.net zu berichten weiss.

Shonari Hepburn – der erst zweite Volleyballprofi von den Bahamas

Doch wer ist dieser Shonari Hepburn? Geboren und aufgewachsen ist er auf den Bahamas, genauer auf der kleinen, aber bevölkerungsreichsten Insel New Providence. «Wasser in allen Richtungen, Bäume und Sand – meine Heimat ist sehr schön», erzählt Hepburn. Seine Eltern lehrten ihn, hart zu arbeiten und nicht zu erwarten, dass ihm alles in den Schoss falle. «Auch meine beiden Brüder, 10 und 12 Jahre älter als ich, sorgten dafür, dass ich auf dem richtigen Weg blieb», erzählt er und schmunzelt.

Im Highschool-Alter verliebte sich Hepburn in den Volleyball-Sport, kehrte dem American Baseball den Rücken und wechselte später im Alter von 22 Jahren nach Kanada, um am Niagara College in Ontario Computer-Programmierung zu studieren und Volleyball zu spielen. Was folgte, war historisch: Als erst zweiter Volleyballprofi in der Geschichte Bahamas wechselte er nach Europa. Der erste ist Byron Ferguson, der aktuell für den montenegrinischen Klub OK Budva in der Champions League engagiert ist und ebenfalls auf der Mitteposition spielt.

An seinen Namen soll man sich dereinst erinnern

Hepburns Weg führte 2016 nach Griechenland, wo er für Nea Peramos und Kifissias im Einsatz stand, zuletzt war er in Finnland bei Akaa-Volley engagiert. «Das Niveau der Schweizer Liga ist in etwa ähnlich. Hier aber ist der Druck grösser. In Finnland hatten wir doppelt so viele Spiele, da konnte ein Fehlstart korrigiert werden. Mit Luzern aber zählt jede Partie», stellt er fest. Sein Karriereziel: Das persönlich bestmögliche Volleyball-Format erreichen und als Nationalspieler ein Vorbild für die jungen Spieler auf den Bahamas sein. «Ich möchte ein household name werden», sagt er, ein Begriff sein also. Mit einem Exploit am Mittwoch gegen Diekirch würde er diesem Vorhaben gewiss einen Schritt näher kommen. «Ich möchte ein Teil von Luzerns Europacup-Geschichte sein.» Eine Geschichte, dessen letztes Kapitel vor langer Zeit verfasst worden ist.

Challenge Cup, Qualifikation, 2. Runde, Hinspiel. Mittwoch. 19.30: Volley Luzern – Chev Diekirch (Sporthalle, Bahnhof, Luzern). – Rückspiel am 28. November.