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Die Luzerner Handballerin Samira Schardt wird vom Aufgebot überrumpelt

Samira Schardt ist erstmals zum Schweizer Nationalteam eingerückt. Die 22-jährige Flügelspielerin des BSV Stans spielt eine starke Saison und scheut auch ausserhalb der Sporthalle keine Herausforderung.
Stephan Santschi
Samira Schardt spielt die beste Saison ihrer Karriere. Bild: Boris Bürgisser (Stans, 15. März 2019)

Samira Schardt spielt die beste Saison ihrer Karriere. Bild: Boris Bürgisser (Stans, 15. März 2019)

So richtig glauben konnte sie es nicht, als das Telefon klingelte und sich am anderen Ende der Leitung ein gewisser Martin Albertsen meldete. Albertsen, ein 44-jähriger Däne, ist Trainer des Schweizer Nationalteams der Frauen. Und sein Ansinnen war: Samira Schardt für das Vierländerturnier in Spanien vom 21. bis 23. März aufzubieten. «Ich bin überrumpelt worden, das hat mich ziemlich aus der Schiene geworfen», gibt Schardt lachend zu. «Ich spiele in Stans in der SPL 2, ich dachte nicht, dass ich dem Nationaltrainer auffalle.»

Hat sie aber, und wie. Samira Schardt, 22-jährige Stadtluzernerin aus Littau, spielt derzeit die beste Saison ihrer Karriere. Zwar steht sie mittlerweile schon im vierten Jahr für die Nidwaldnerinnen im Einsatz, erst zuletzt aber hat sie sich zu einer Leistungsträgerin entwickelt. Mit 94 Toren in 19 Partien avancierte die rechte Flügelspielerin sogar zur teaminternen Topskorerin, darüber hinaus übernimmt sie in der Abwehr auf der Zweier-Position viel Verantwortung. Mit ihren Leistungen hatte Schardt grossen Anteil an der Qualifikation des BSV Stans für die Auf-/Abstiegsrunde SPL 1/SPL 2. «Ich habe sehr grosse Fortschritte unter Ike gemacht», erzählt die Linkshänderin und meint damit Vicente «Ike» Cotrina Cabal, den spanischen Trainer der Stanser Frauen. «Er darf mich fordern, ich gehe darauf ein. Ich will die Herausforderungen bewältigen, ich arbeite sehr gerne mit ihm zusammen.»

Leidenschaft für Arbeit mit behinderten Menschen

Fordern, Herausforderungen. Zwei Begriffe, die im Leben von Samira Schardt immer wieder auftauchen, nicht nur im Sport. Bereits abgeschlossen hat sie die Lehre zur Dentalassistentin. «Ich habe sehr brüchige Zähne und musste im Verlauf meiner Handballkarriere immer wieder mal zum Zahnarzt. Was die Dentalassistentinnen da so machten, hat mir gefallen», berichtet sie schmunzelnd. Anschliessend wechselte sie aber die Branche, machte Praktika in Schulen für geistig Behinderte und Mehrfachbehinderte. Für die Stiftung Rodtegg war sie ein Jahr lang sogar als Klassenassistentin fest angestellt. Seit ein paar Monaten studiert sie nun an der Höheren Fachschule Curaviva in Luzern Sozialpädagogik. «Ich interessiere mich sehr dafür, behinderten Menschen zurück ins Leben zu helfen», erläutert sie eine Passion, die sich bei ihr schon in der Kindheit bemerkbar gemacht hat. «Mein bester Freund im Kindergarten war ein taubstummer Bub. Es hatte mich nie gestört, dass er anders ist.»

Ihre Mutter, die damals wie heute an der heilpädagogischen Schule in Luzern mit geistig Behinderten arbeitet, hat sie geprägt. Bald einmal hat Samira begonnen, selber Kinder zu hüten, auch Behinderte. Heute betreut sie parallel zu ihrem Studium Kinder mit Mehrfachbehinderungen in deren Zuhause. «Ich mache das, was die Eltern sonst mit ihnen tun. Ich gehe mit ihnen auf Ausflüge, koche für sie. Manchmal bringe ich sie auch zu Bett oder nehme sie am Morgen auf», erzählt Samira Schardt.

Goran Perkovac bringt Schardt zum Handball

Eine Aufgabe, die zweifelsohne Empathie, Geduld und Belastbarkeit voraussetzt und die in ihrem Bekanntenkreis nicht selten zur Frage führt: «Wie kannst Du das bloss tun?» Ihre Antwort: «Es braucht Menschen, die das machen, sonst fehlt in unserer Gesellschaft etwas. Ich stehe jeden Morgen gerne auf, mein Herz schlägt für diese Arbeit.» Sie sei sich Herausforderungen seit jeher gewohnt, «ich glaube, es gibt keine, der ich mich in meinem Leben bisher nicht gestellt hätte», sagt sie.

Neben dem Erbe der starken Persönlichkeit ihrer Mutter ist Samira Schardt auch von ihrem drei Jahre älteren Bruder früh gefordert worden. «Er war beispielsweise besser im Fussball, das konnte ich doch nicht auf mir sitzen lassen.» Zehn Jahre lang hat Schardt beim SC Obergeissenstein Fussball gespielt, bis sie jemandem auffiel, der im Handball einen wohlbekannten Namen hat: Goran Perkovac.

Der aktuelle Trainer von Kriens-Luzern und frühere Handball-Olympiasieger mit Kroatien, der 1989 nach Luzern gekommen war, sah Samira an einem Schülerhandballturnier. «Ich war an der gleichen Schule wie seine Tochter Korina. Ich kannte Goran nicht, doch er sagte mir, ich sollte es mal mit Handball versuchen.» Kurz darauf hatte er Schardt für ein Probetraining bei den U13-Junioren von Borba Luzern angemeldet.

Bald zeigte sich tatsächlich ihr Talent, schon als 13-Jährige trainierte sie bei den U18-Juniorinnen von Borba mit. Später wechselte sie in die Nachwuchsabteilung des LK Zug, wurde dort mit der U17-Equipe Schweizer Meisterin, ehe sie bei 1.-Ligist Emmen in den Aktivhandball fand. 2015 lotste sie schliesslich der damalige Trainer Beat Sidler als 18-Jährige zum BSV Stans ins SPL-1-Team. 2017 stieg sie mit Stans in die SPL 2 ab.

Prüfung schreiben und dann ab zum Nationalteam

Und nun? Wird sie bald Nationalspielerin sein. «Das Aufgebot sehe ich als Anerkennung für meine Arbeit», sagt Samira Schardt, einfach megacool sei es, mit der Schweiz nach Spanien fahren zu können. Gestern Vormittag schrieb Schardt noch Prüfungen für ihr Studium, um 15 Uhr musste sie in Schaffhausen zum Nationalteam einrücken. Auch Dimitra Hess vom LK Zug ist erstmals im Kreis der A-Auswahl dabei. Im Rahmen eines Vierländerturniers werden die Schweizerinnen in Palencia am Donnerstag auf den Gastgeber, am Freitag auf Brasilien und am Samstag auf Serbien treffen. «Ich bin nervös, ich weiss nicht, was mich erwartet», sagt Schardt, die bei den Juniorinnen nie Teil eines Nationalteams war. Wenn sie sich aufdrängt, könnte Schardt Ende Mai/Anfang Juni sogar zum Kader jenes Schweizer Nationalteams gehören, das in den Playoffs gegen Dänemark erstmals überhaupt die Qualifikation für eine Weltmeisterschaft schaffen kann. Sie freue sich auf den Zusammenzug, biete sich ihr im Nationalteam doch die Möglichkeit, sich mit Kolleginnen zu messen, die in der SPL 1 oder im Ausland Handball spielen.

Wäre das auch etwas für Schardt selber? «Schon möglich», antwortet sie. «In den nächsten drei Jahren gilt mein prioritärer Fokus aber auf dem Sozialpädagogikstudium.» Ob sie in der kommenden Saison den nächsten Schritt macht und ein Angebot aus der SPL 1 annimmt oder ob sie in Stans bleiben wird, weiss die junge Frau deshalb noch nicht. «Zuerst bringen wir nun diese Länderspiele hinter uns. Dann sehen wir weiter», sagt Samira Schardt und atmet durch. Der Anruf eines Nationaltrainers kann einen eben doch ziemlich überrumpeln.

Samira Schardt

Geboren: 20. Januar 1997
Wohnort: Luzern-Littau
Grösse: 1,70 Meter
Gewicht: 68 Kilo
Ausbildung: Sportschule Kriens (abgeschlossen), Studium Sozialpädagogik (aktuell)
Verein: BSV Stans (SPL 2)
Position: Flügel rechts
Erfolge: U17-Schweizer-Meister mit LK Zug; Aufgebot in A-Nationalteam Trainer: Vicente Cotrina Cabal
Hobbys: Freunde treffen, Spaziergang mit Hund, Bergwanderungen

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