Warum die Skirennfahrerin Delia Durrer aus Oberdorf die Skischuhe schultert

Die Nidwaldnerin Delia Durrer kann Erfahrungen an zwei Grossanlässen sammeln. Für die Junioren-WM in Norwegen ist sie bereit.

Peter Gerber Plech
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Delia Durrer während des Slaloms an den Olympischen Jugendspielen.

Delia Durrer während des Slaloms an den Olympischen Jugendspielen.

Bild: Joel Marklund (Les Diablerets, 14. Januar 2020)

Taschen packen, nichts vergessen und alles so verstauen, dass die Reissverschlüsse gut schliessen. Schliesslich geht es diesmal nicht mit dem Auto ins Wallis oder ins benachbarte Ausland. Heute wird der aufmerksame Reisende Delia Durrer mit viel Gepäck und über die Schultern gelegten Skischuhen am Flughafen in Zürich sehen können. Rund 2450 Kilometer Luftlinie entfernt von Oberdorf, dem Wohnort von Delia Durrer, liegt in nördlicher Richtung Narvik. Und dort, weit oben im norwegischen Norden, wird die 17 Jahre alte Skirennfahrerin die Schweiz an den Junioren-Weltmeisterschaften vertreten. Und wie bei den «Grossen» werden auch die Nachwuchsfahrerinnen und Nachwuchsfahrer die Skischuhe während der Reise hüten wie ihre Augäpfel. Diese so klobig ausschauenden Dinger sind millimetergenau auf die Füsse der jeweiligen Besitzerin abgestimmt, sodass ein Verlust ganz unliebsame Folgen hätte.

Neben den vielen, für ihren Sport notwendigen Utensilien und den privaten Dingen nimmt Delia Durrer noch etwas anderes mit nach Skandinavien. Etwas, was nicht eingepackt werden muss. Etwas, das seit Mitte Januar dieses Jahres ein wichtiger Teil des Erfahrungsschatzes der jungen Frau ist. In Les Diablerets war Delia Durrer Teil des polysportiven Schweizer Teams, welches an den Olympischen Jugend-Winterspielen (YOG) insgesamt 24 Medaillen hatte gewinnen können. Für Durrer selbst gab es keine Auszeichnung, was damals einer leisen Enttäuschung gleichgekommen ist. «Das stimmt, aber ich kann ganz viele gemachte Erfahrungen mitnehmen. Der Tagesablauf bei einem Grossanlass ist ein ganz anderer als bei einem Europacup-Rennen und auch der Umgang mit den Medien war in dieser Art für mich neu», sagt die Nidwaldnerin.

Enttäuschung von Les Diablerets ist abgehakt

Gehörte Delia Durrer bei den Olympischen Jugend-Winterspielen im Wettstreit mit den zirka gleichaltrigen Gegnerinnen zum erweiterten Kreis der Medaillenanwärterinnen, so präsentieren sich die Voraussetzungen in Norwegen anders. Als 17-Jährige gehört sie zu den jüngsten Teilnehmerinnen. «Die Einstellung, dass ich in jedem Rennen mein Bestes geben will, bleibt in Norwegen unverändert. Aber der Druck, den ich mir womöglich selber mache, ist etwas geringer. Denn ich fahre gegen Athletinnen, die regelmässig im Europa- oder sogar Weltcup mitfahren.» Der selbstauferlegte Druck war noch in Les Diablerets einer der Gründe, dass es mit den Top-Platzierungen nicht geklappt hat. Ein anderer war, dass Delia Durrer im Vorfeld des YOG wegen einer Überbelastung starke Schmerzen im linken Fuss verspürt hat und deshalb zu zwei Wochen Trainingspause gezwungen worden ist.

Ähnliches wird ihr in Narvik nicht passieren. Und auch die leise Enttäuschung von Les Diablerets ist abgehakt. «Ich habe die Saison mit guten Ergebnissen fortsetzen können, das war wichtig», sagt sie. Delia Durrer ist für die Junioren-WM bereit und wird, mit Ausnahme des Slaloms, sämtliche Disziplinen bestreiten. Also am 7.März als erstes Rennen auch die Abfahrt.

Und die Nidwaldnerin weiss um die Wichtigkeit des ersten Rennens bei einem Grossanlass. «Ein guter Start ist hilfreich. Klappt es aber nicht nach Wunsch, ist noch nichts verloren und man muss versuchen, sich auf die nächste Aufgabe gut einzustellen.» Von Medaillen träumt sie nicht. Locker und ohne Druck wolle sie Ski fahren, dann sei sie auch schnell. Es ist Delia Durrers erstes WM-Aufgebot und, wie der Teenager selber sagt, sei dieses auch etwas überraschend gekommen. Aber es soll nicht das letzte sein.

Ski alpin

Die Zentralschweizerinnen und Zentralschweizer im WM-Aufgebot für die Junioren-Weltmeisterschaften in Narvik (5. bis 14.März). Frauen: Delia Durrer (Oberdorf), Vivianne Härri (Giswil). – Männer: Yannick Chabloz (Beckenried), Matthias Iten (Unterägeri), Joel Lütolf (Sempach).
Programm. Samstag, 7.März: Abfahrten Männer und Frauen. – Sonntag, 8.März: Super-G Männer und Frauen. – Montag, 9.März: Alpine Kombination Frauen. – Dienstag, 10.März: Alpine Kombination Männer. – Mittwoch, 11.März: Riesenslalom Frauen. – Donnerstag, 12.März: Riesenslalom Männer. – Freitag, 13.März: Slalom Frauen und Männer. – Samstag, 14.März: Teamwettkampf.