Weltenbummler mit starkem Debüt: Zug-94-Stürmer Roger Eschmann schiesst das Sieges-Tor

Erstes Spiel, erstes Tor: Der Schweiz-Togolese Roger Eschmann schiesst Zug zum 1:0-Sieg in Buochs.

Stephan Santschi
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Kopfballduell zwischen dem Buochser Jérôme Bühler (links) und dem Zuger Tim Keller.
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Buochs' Anton Marku (links) gegen Yigit Mehmet von Zug 94.
Buochs' Timo Bertucci (vorne) deckt den Ball ab gegen Zugs Roger Guy Eschmann.
Der Buochser Anton Marku (rechts) versucht Zugs Yigi Mehmet zu bremsen.
Der Buochser Timo Bertucci (vorne( im Zweikampf mit dem Zuger Roger Guy Eschmann.

Kopfballduell zwischen dem Buochser Jérôme Bühler (links) und dem Zuger Tim Keller.

Bild: Pius Amrein (Buochs, 5. September 2020)

Flanke in den Strafraum, Ablage in die Mitte, Direktabnahme, Tor. Die Freistossvariante von Zug 94 in der 33. Minute schien einstudiert zu sein. «Nein, nein, ich hatte einfach den richtigen Riecher», erklärte Torschütze Roger Eschmann, tippte sich an die Nase und lachte. Der 28-jährige Stürmer gab am Samstag in Buochs sein Debüt für die Zuger. Erst seit einer Woche trainiert er mit dem Team, zum Einstudieren von Standardsituationen war bisher noch gar keine Zeit. Dass dem Stürmer gleich in seinem ersten Spiel der Siegtreffer gelang, stimmte ihn natürlich glücklich. «Allerdings», so fügte er an, «hätte ich noch mehr Tore erzielen können.»

Eschmann war ein belebendes Element in diesem 1.-Liga-Derby, zweifellos, ansonsten bot sich den 300 Zuschauern im Seefeld aber wenig Erquickendes. Beide Teams gingen engagiert und kampfbetont ans Werk, taten sich in der Offensive aber sehr schwer. Neben Eschmanns Führungstreffer ereignete sich vor der Pause nur eine nennenswerte Strafraumszene und das war der Kopfball des Buochsers Anton Marku über das Tor (24.). Auch nach dem Seitenwechsel tat sich, mit Ausnahme der einen oder anderen Auffälligkeit von Eschmann, nicht viel. Lediglich in der Schlussphase kam nochmals etwas Hektik auf – mit der gelb-roten Karte gegen SCB-Captain Fabian Nickel als unrühmlichen Höhepunkt.

Fehlstart für den SC Buochs

Sowohl die Nidwaldner als auch die Zuger vermochten nicht zu kaschieren, dass es im Sommer grosse Kaderumwälzungen gab und dass zudem einige Akteure nicht verfügbar sind. «Unsere Ballzirkulation war sehr träge. Wir haben unsere schnellen Flügel nicht in Szene setzen können», monierte Marco Spiess, der im Sommer das Traineramt in Buochs von Tom Heitzmann übernommen hatte. Nach vier Runden hat sein Team schon dreimal verloren und wird sich wohl nach unten orientieren müssen. «Es braucht Geduld», sagt Spiess. «Wenn unser Kader komplett ist, haben wir aber genügend Qualität.» Ohne Patrik Gjidoda, der mittlerweile für den FC Schötz spielt, und ohne die ordnende Hand von Christophe Lambert (Rücktritt) fehlt den Nidwaldnern derzeit die Kaltblütigkeit im Abschluss.

Die Zuger hingegen scheinen mit Roger Eschmann nun einen Mann verpflichtet zu haben, der weiss, wo das Tor steht. Der Vertrag läuft vorerst bis zur Winterpause. «Wenn wir in der Tabelle oben stehen, bleibe ich. Falls nicht, werde ich wohl weiterziehen», erzählt der in Delémont wohnhafte Schweiz-Togolese, der sich bis zu seinem Engagement in Zug bei der Spielergewerkschaft SAFP fitgehalten hat.

Die Odyssee des Roger Eschmann

Vereine hat der Profifussballer in seiner Karriere schon einige gesehen, seit er die Nachwuchsabteilung des FC Basel verlassen hat. Über die Junioren von Neuenburg Xamax, Mallorca und des FC Thun führte ihn sein Weg in den Aktivfussball nach Israel, Island, Tschechien, Belgien und den Oman. «Ich war gut und konnte jeweils nicht verstehen, weshalb ich keine Chance erhielt.» Die Ungeduld habe ihn in jungen Jahren getrieben, nun aber sei er verheiratet und ruhiger geworden, erzählt Eschmann mit einem Lächeln. Das bedeute aber nicht, dass er keine Ambitionen mehr habe. «Ich spüre eine zweite Luft. In die Schweizer Challenge League würde ich es gerne schaffen.» Parallel dazu baut er im Oman eine Jugendakademie auf. «Der Fussball befindet sich dort 20 Jahre im Rückstand.»

Vorerst soll der frühere Schweizer U17-Internationale allerdings für Zug 94 Tore schiessen. Die Mentalität in seinem neuen Team gefällt ihm, «hier steht nicht das Ego im Zentrum». Bewahrt sich der kräftige Stürmer seinen Torriecher, stehen die Chancen der Zuger gut, sich nach dem geglückten Start im ersten Tabellendrittel zu etablieren. Für eine Mannschaft, die ohne den viral bedingten Saisonabbruch wohl abgestiegen wäre und sogar vor dem sportlichen Ruin stand, sind dies wahrhaft verheissungsvolle Perspektiven.

Buochs – Zug 94 0:1 (0:1)
Seefeld. – 300 Zuschauer. – SR Mischler. – Tor: 33. Eschmann 0:1. – Buochs: Epp; Kqira, Kurmann, Nickel, Bühler; Shabani, Stojanov (73. Bachmann), Bertucci (65. Moor); Rüedi, Marku (82. Izzo), Würmli. – Zug 94: Pastore; Luburic (46. Sylla), Nitaj, Njau, Bieli; Keller, Sadiku, Yigit, Teixeira (78. Savanovic); Eschmann (89. Krasniqi), Simic (85. Gajsek). – Bemerkung: 86. Gelbrote Karte für Nickel (Foul).

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