Widerstände machen ihn stärker

Fabian Stutz ist Schweizer Meister in der Kategorie Lites 250. Den grössten Erfolg in seiner bisherigen Karriere erreichte der 17-jährige Willisauer mit der Hilfe eines ehemaligen Weltmeisters.

Stephan Santschi
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Hat sich schon früh für den Motorsport und gegen Fussball und Tennis entschieden: der heute 17-jährige Fabian Stutz aus Willisau. (Bild: Dominik Wunderli (Willisau, 25. September 2018)

Hat sich schon früh für den Motorsport und gegen Fussball und Tennis entschieden: der heute 17-jährige Fabian Stutz aus Willisau. (Bild: Dominik Wunderli (Willisau, 25. September 2018)

Irgendetwas stimmte nicht. «Das Motorrad verhielt sich nicht mehr optimal. Es war sehr instabil in Löchern oder in Kurven. Ich fühlte mich nicht mehr zu 100 Prozent wohl.» Fabian Stutz erinnert sich mit Unbehagen an die Vorfälle von Anfang Saison zurück. Der Start in die Schweizer Meisterschaft der zweitstärksten 250-ccm-Motorräder (Lites 250) glückte ihm zwar fast perfekt, mit einem ersten und einem zweiten Rang an den ersten Rennwochenenden stand er gemeinsam mit dem Neuenburger Brian Raymondaz an erster Stelle des Gesamtrankings. Dann aber stellten sich die Probleme ein.

Was war passiert? Stutz nutzte eine längere Wettkampfpause, um das Fahrwerk in den Service nach Italien zu schicken. «Danach hatte ich Mühe mit der Fahrwerkeinstellung, das hört man ja oft auch von Profis wie Dominique Aegerter. Ich hatte nicht mehr das volle Vertrauen, kam nicht mehr auf meine Leistung, verlor Punkte und geriet immer mehr in Rückstand.» Tiefpunkt war die Kollision mit einem anderen Fahrer in einer Bergab-Passage, die zu einem harten Sturz führte. «Glücklicherweise blieb ich unverletzt», berichtet der 17-jährige Willisauer.

Stutz profitiert vom Pech des ärgsten Konkurrenten

Umso erstaunlicher ist, was sich einige Monate später, Mitte September, ereignete. Stutz liess sich in den letzten Rennläufen in Cournillens die Butter nicht mehr vom Brot nehmen, sicherte sich den ersten Schweizer Meistertitel und damit den grössten Erfolg seiner noch jungen Karriere. An sieben von zehn Rennwochenenden fuhr der konditionell starke Luzerner Hinterländer mit seiner KTM-Maschine auf das Podest.

Wie war diese Wendung möglich? Zum einen fand er in der Ostschweiz einen Experten, der die Einstellung der Federung verbesserte. Zum anderen profitierte Stutz vom Pech seines ärgsten Rivalen Raymondaz, der sich eine Knieverletzung zuzog und gehandicapt weitermachte. «Mit Rang eins hätte ich aufgrund der Schwierigkeiten mit dem Fahrwerk nicht mehr gerechnet», resümiert Stutz, betont aber auch: «Vor der Saison ist der Meistertitel mein Ziel gewesen.»

Ambitionen, die auf den ersten Blick etwas überraschen – schliesslich hatte er bis dahin noch nie auf dem obersten Podesttreppchen einer nationalen Rennserie gestanden. Im letzten Winter investierte er jedoch so viel wie noch nie in seinen Sport. Für fünf Monate zog Fabian Stutz nach Südfrankreich in die Nähe von Nîmes, wohnte in einem Haus mit zwei Profis und trainierte unter anderen mit dem belgischen 450-ccm-WM-Fahrer Julien Liebr. Ihr Trainer war dabei kein Geringerer als der dreifache Ex-Weltmeister Yves Demaria. Stutz lernte viel über die effektive Linienwahl oder die richtige Position auf dem Töff. «Ich merkte, dass ich gar nicht so viel Zeit auf die Profis verliere. Ich stellte aber auch fest, dass ich noch viel schneller fahren kann», erzählt Stutz, der neben den Motocross-Einheiten an einer Sprachschule französisch lernte.

Mit Yves Demaria habe sich seither eine Freundschaft entwickelt, per E-Mail ist er immer noch mit seinem Mentor in Kontakt. «Er schickt mir Trainingsprogramme, die auf meine Renneinsätze in der Schweiz abgestimmt sind.» Dass sich Fabian als Bub für Motocross und gegen Fussball und Tennis entschieden hatte, lag derweil an der Familie: Sein Vater Philipp und sein fünf Jahre älterer Bruder Julian frönten beide bereits dem Rennsport im freien Gelände und so fuhren sie an Wochenenden immer wieder im Wohnmobil an Rennstrecken im In- und nahen Ausland, um auf Dreck und Geröll ihre Runden zu drehen. «Die Geschwindigkeit und die Sprünge sorgen für das Adrenalin – das fasziniert mich unheimlich. Wenn alles passt, ist es auf dem Töff ein herrliches Gefühl.»

Brüche in Schienbein, Handgelenk und Finger

Dass dieser Sport gewisse Risiken mit sich bringt, braucht man dem Willisauer nicht zu erzählen. «Die Verletzungsgefahr ist recht hoch, auch ich brach mir schon das Schienbein, das Handgelenk und den kleinen Finger. Im Gegensatz zu anderen kenne ich aber mein Limit», betont der junge Mann, der seinen Fahrstil als überlegt und nicht kopflos bezeichnet.

Nach seinem ersten Meistertitel strebt Fabian Stutz nun nach mehr. Nächste Saison wird er in die Kategorie Inter MX 2 aufsteigen, wo die Maschinen zwar dieselben, die Konkurrenz aber weitaus breiter aufgestellt ist. «Mein Ziel ist es, regelmässig in die Top 15 zu fahren», zudem hofft er auf die erstmalige Qualifikation für eine Europameisterschaft.

Fabian Stutz nimmt Schritt für Schritt auf dem Weg nach oben, der ihn dereinst ins Profitum führen könnte. Seit Jahren unterstützen ihn treue Sponsoren, in der Bauunternehmung seines Vaters hat er im Sommer eine Maurerlehre begonnen, um Sport und Beruf möglichst gut vereinen zu können. Und auch ein Ausrüster ist mittlerweile zu seinen Partnern hinzugekommen. Gut möglich, dass es auch noch zu einem Wechsel im Servicebereich kommt. Damit unliebsame Überraschungen wie anfangs letzter Saison vermieden oder zumindest schneller wieder behoben werden können.