Die Malterser Handballerinnen: «Wir hatten Angst vor den Schmerzen»

Der HC Malters zieht im Spitzenkampf der 1.-Liga-Finalrunde einen schlechten Tag ein und verliert gegen Yverdon/Crissier mit 17:23.

Stephan Santschi
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Malters-Spielmacherin Tatiana Heini, hier beim Torwurf, gab nach dreimonatiger Verletzungspause ein Comeback.

Malters-Spielmacherin Tatiana Heini, hier beim Torwurf, gab nach dreimonatiger Verletzungspause ein Comeback.

Bild: Corinne Glanzmann (Malters, 9. Februar 2020)

Die Kulisse war grösser als gewohnt. Der HC Malters sammelte im Verlauf des Sonntags mit dem «Sponsorengegenstoss» Gelder für den Verein. Eingebettet in das bunte Treiben in der Oberei-Halle war der Spitzenkampf der 1.-Liga-Finalrunde zwischen der Gastgeberin und der SG Yverdon/Crissier. «Es hatte mehr Zuschauer als sonst, vielleicht hat uns das gehemmt», mutmasste Trainer Daniel Lütolf nach der Niederlage (17:23). «Das war die schlechteste Leistung seit Monaten.»

In der ersten Halbzeit kamen die Luzernerinnen, die nach zwei Spieltagen von Platz eins grüssten, überhaupt nicht auf Touren. Kein Tempo, viele technische Fehler und eine Menge Ungenauigkeiten prägten ihr Angriffsspiel – fast schien es so, als ob sie Angst vor dem Handballspielen hätten. «Wir haben den Start verschlafen. Hätten wir an einem Dienstag oder Mittwoch gespielt, würde ich sagen: Das war halt ein typisches Wochentagsspiel», bemerkte Lütolf und fügte mit einem Schmunzeln an: «Doch das kann ich nun ja nicht tun.»

Flucht wie Kaninchen vor der Schlange

Seine Spielerinnen waren auf jeden Fall nicht bereit für das Duell mit dem Absteiger aus dem Waadtland, der sich die sofortige Rückkehr in die SPL 2 auf die Vereinsfahne geschrieben hat, am Sonntag aber nur mit neun Akteurinnen nach Malters gereist war. Zwei Feldspielerinnen sassen neben dem Trainer auf der Bank, Ersatzkeeper war keiner im Aufgebot. Jene, die da waren, machten aber einen ordentlichen Job, profitierten von der Zurückhaltung des Gegners und hatten die entscheidende Differenz (10:5) bereits zur Pause hergestellt. «Eigentlich wollten wir dorthin gehen, wo es weh tut und viele Zweiminutenstrafen herausholen», erklärte Lütolf. «Am Ende hatte der Gegner aber keine einzige kassiert. Wir hatten Angst vor den Schmerzen, machten einen Bogen um die Verteidigerinnen, wie es das Kaninchen gegenüber einer Schlange tut.»

Steigerung in Halbzeit zwei kommt zu spät

Nach dem Seitenwechsel wurde die Offensivleistung etwas besser, nun getraute sich Malters auch zu Würfen aus der Distanz. Nur sieben Minuten brauchten die Gastgeberinnen in der zweiten Halbzeit, um die Torausbeute zu verdoppeln. In der Abwehr sollte derweil eine Spezialbewachung auf die französische 1.-Liga-Topskorerin Christiane Denise Le Men Camille die Wende erzwingen. Die Hypothek aus der ersten Halbzeit war allerdings nicht mehr wettzumachen, näher als auf drei Tore kamen sie nicht mehr heran.

Damit hat Malters in der 1.-Liga-Finalrunde nach zwei Siegen den ersten Rückschlag hinnehmen müssen und rutscht auf den dritten Platz hinter Yverdon/Crissier und Willisau ab. «Wenn wir schon verlieren, soll es nicht so passieren. Doch wir haben viele junge Spielerinnen im Team, da kann so ein Match schon mal vorkommen», fand Trainer Daniel Lütolf.

Hinzu kommt, dass die zuverlässige Stammtorhüterin Sarina Zihlmann mit einer Knieblessur möglicherweise bis Saisonende ausfällt. Und Tatiana Heini, die Spielmacherin mit Vergangenheit in der SPL1, hat am Sonntag nach dreimonatiger Verletzungspause erst wieder ihr Comeback gegeben und tastet sich langsam ans Wettkampfniveau heran. «Nun fahren wir am nächsten Wochenende nach Thun und wollen dort zwei Punkte holen», sagte Lütolf.

Sieben Spieltage vor Schluss ist der Kampf um den einzigen Aufstiegsplatz jedenfalls noch völlig offen. Druck spüre man deshalb nicht, betont Lütolf: «Wir müssen nicht aufsteigen. Wenn wir es schaffen, nehmen wir es aber gerne an.»

Handball, Frauen 1. Liga

Finalrunde: Malters – SG Yverdon/ Crissier 17:23. SG Yverdon/Crissier – Brühl Future 32:28 (13:13). – Rangliste: 1. SG Yverdon/Crissier 4/6. 2. Willisau 3/4. 3. Malters 3/4. 4. Brühl St.Gallen Future 3/2. 5. Yellow Winterthur II 1/0. 6. Rotweiss Thun II 2/0.

Malters – Yverdon/Crissier 17:23 (5:10)
Oberei. – 150 Zuschauer. – SR Glanzmann/Bieri. – Strafen: 1-mal 2 Minuten gegen Malters. – Malters: Häfliger/Lustenberger; Laura La Scalea (3), Loosli, Furrer (3), Flückiger (4), Renggli (3), Engel; Milojevic (4), Heini, Larissa La Scalea, Huber, Meier. – Bemerkungen: Strub pariert Penaltys von Milojevic (2./0:2) und Renggli (43./12.18).

Malters – Yverdon/Crissier 17:23 (5:10)
Oberei. – 150 Zuschauer. – SR Glanzmann/Bieri. – Strafen: 1-mal 2 Minuten gegen Malters. – Malters: Häfliger/Lustenberger; Laura La Scalea (3), Loosli, Furrer (3), Flückiger (4), Renggli (3), Engel; Milojevic (4), Heini, Larissa La Scalea, Huber, Meier. – Bemerkungen: Strub pariert Penaltys von Milojevic (2./0:2) und Renggli (43./12.18).