Der Trainer der NLA-Frauen nach dem 4:1-Sieg: «Wir sind der Underdog vom Land»

Die NLA-Frauen des FC Luzern gewinnen das letzte Heimspiel des Jahres gegen St. Gallen-Staad mit 4:1.

Stephan Santschi
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Die Luzernerin Svenja Fölmli (rechts) im Zweikampf mit Géraldine Ess.

Die Luzernerin Svenja Fölmli (rechts) im Zweikampf mit Géraldine Ess.

Dominik Wunderli,
Luzern, 8. Dezember 2019

Wer derart in ein Spiel startet, kann völlig aus dem Tritt geraten. Luzerns 19-jährige Innenverteidigerin Sabina Jackson zollte ihrer Unerfahrenheit Tribut und liess sich von einer St. Gallerin den Ball abluchsen. Einen Querpass und einen Torschuss später stand es 1:0 für die Gäste, gespielt waren gerade einmal fünf Minuten. «Entweder lässt man die Köpfe hängen oder man zeigt eine Reaktion», sagte Trainer Glenn Meier nach dem Spiel. Zu diesem Zeitpunkt wusste er: Sein Team hatte sich für die zweite Alternative entschieden.

Am Ende gewann der FCL das letzte NLA-Heimspiel des Jahres mit 4:1 und wahrte den vierten Tabellenplatz. Es war eindrücklich, wie die Luzernerinnen nach dem frühen Rückschlag die Vorwärtsbewegung suchten und die Ostschweizerinnen im Leichtathletikstadion geradezu überrannten.

Fölmli und Pando bitten zur grossen Offensivshow

Zu den Hauptdarstellerinnen der Offensivshow avancierten einmal mehr die beiden Schweizer Nationalspielerinnen Irina Pando und Svenja Fölmli. An allen Toren war zumindest eine der beiden Stürmerinnen direkt beteiligt, wie der Zeitraffer aufzeigt:

  • 13. Minute: Fölmli wird auf der rechten Seite steil geschickt, legt den Ball zur Mitte, wo ihn Pando zum 1:1 einschiebt.
  • 31. Minute: Wieder enteilt die erst 17-jährige Fölmli auf der rechten Seite, passt vors Tor und profitiert davon, dass St. Gallens Captain Valeria Iseli die Hereingabe über die eigene Linie spediert – 2:1.
  • 39. Minute: Diesmal stösst der FCL über links vor. Jackson spielt herrlich Flügel Rahel Sager frei, diese flankt auf Pando, welche im Stile einer Torjägerin zum 3:1 trifft.
  • 83. Minute: Fölmli startet fast auf Höhe der Mittellinie, läuft allen davon und verwertet den Konter zum 4:1-Schlussstand.

Krass unterlegen waren die Aufsteigerinnen aus St. Gallen allerdings nur in der ersten Halbzeit, nach dem Seitenwechsel stellten sie Luzern mit aufsässiger Spielweise vor einige Probleme. «Wir hatten eine höhere Fehlpassquote und weniger Bewegung in unserem Spiel. Wir zogen uns in unsere Komfortzone zurück», stellte Meier fest. Richtig gefährlich wurde der Gegner aber nur einmal, als Géraldine Ess das Gehäuse aus aussichtsreicher Position verfehlte (74.).

Luzernerinnen sind «the best of the rest»

Am nächsten Samstag werden die Frauen des FC Luzern die Vorrunde mit dem Auswärtsspiel in Lugano abschliessen. Hinter den drei Topteams Servette, FC Zürich und Basel sind sie mit klarem Rückstand das beste Team des Rests. «Uns mangelt es an Konstanz. Wenn wir die Pace aus der ersten Halbzeit gegen St. Gallen über die gesamte Spielzeit durchziehen könnten, wären wir mit jedem Gegner konkurrenzfähig», ist Meier überzeugt. Vor allem die Defensive mit einem Schnitt von fast zwei Gegentoren pro Spiel müsse verbessert werden.

Was Meier nervt, ist der klare Rückstand zur Spitze, so werde es in der Rückrunde schwierig, noch etwas zu reissen. Mit Platz vier an und für sich könne er aber gut leben, wenn man sehe, unter welchen Rahmenbedingungen sie arbeiten würden. «Ich sehe uns wie früher in Eschenbach als Underdog vom Land, der gegen die Grossen ankämpft», sagt Meier, der vor seinem Engagement in Luzern den FC Eschenbach in der 2. Liga inter trainiert hatte. «Unsere Spielerinnen sind neben dem Fussball zu 100 Prozent berufstätig. Für die Zukunft müsste ein Halbprofitum möglich sein.»

Rahel Tschopp trat zurück wie einst Lior Etter

Erschwerend hinzu kommen die regelmässigen Abgänge von Ausnahmetalenten. Géraldine Reuteler spielt mittlerweile in Frankfurt, Torhüterin Natascha Honegger in Paris. Und Rahel Tschopp hat Ende des letzten Jahres die Fussballschuhe im Alter von 18 Jahren an den Nagel gehängt. «Sie hat wie einst Lior Etter das Konstrukt Spitzenfussball hinterfragt und hatte genug vom Druck», erläutert grossen Glenn Meier mit Bezug auf das ehemalige Talent des FC Luzern. Etter hatte seine Karriere im Alter von 20 Jahren beendet, weil ihm das Fussballgeschäft ganz einfach zu oberflächlich geworden war.

FC Luzern – St. Gallen-Staad 4:1 (3:1)
Leichtathletik-Stadion. – 100 Zuschauer. – SR Riva. – Tore: 5. Brecht 0:1. 13. Pando 1:1. 31. Iseli (Eigentor) 2:1. 39. Pando 3:1. 83. Fölmli 4:1. – FC Luzern: van Weezenbeek; Wyser, Graf, Jackson, Müller; Bischof, Remund (46. Schnider), Haller (64. Häring), Sager; Fölmli, Pando (81. Erne). – St. Gallen-Staad: Oertle; Hefti, Christen, Iseli, Colombo (73. Baumann); Ess, Wyss, Bernet; Li Puma, Brecht (62. Willi), Iseni (57. Schärer). – Bemerkung: 49. Pfostenschusss Wyser.

Frauen, NLA 12. Runde: FC Luzern – St. Gallen-Staad 4:1. Young Boys – Lugano 4:1. Servette/Chênois – Grasshoppers 1:0. FC Basel – FC Zürich 1:3.
Rangliste: 1. Servette 12/31 5. Young Boys 12/16  2. FC Zürich 12/28  6. St. Gallen 12/11 3. FC Basel 12/24 7. GC Zürich 12/9 4. FC Luzern 12/16 8. Lugano 12/4

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