Handball
«Wir sind verkrampft»: Nun verliert der HC Kriens-Luzern auch zuhause

Der HC Kriens-Luzern verliert zu Hause gegen Wacker Thun mit 31:36 und zeigt dabei zwei völlig unterschiedliche Gesichter.

Stephan Santschi
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Domen Sikosek Pelko (rechts, hier gegen Thuns Jonas Dähler) gewinnt an Qualität.

Domen Sikosek Pelko (rechts, hier gegen Thuns Jonas Dähler) gewinnt an Qualität.


Eveline Beerkircher (Kriens , 13. Oktober 2021)

Achtes Spiel, fünfte Niederlage – der HC Kriens-Luzern bleibt in seinem Tief und in der QHL-Tabelle auf Platz acht stecken. Gestern verlor er zu Hause auch das Heimspiel gegen Wacker Thun, 31:36 lautete das Skore am Ende, womit die erste Schlappe in der heimischen Krauerhalle Tatsache war. Entsprechend gross war der Frust bei den Zentralschweizern, die zwei Gesichter gezeigt hatten.

In der ersten Halbzeit war Kriens-Luzern völlig von der Rolle. Die Abwehr war träge, ohne Abstimmung, der Angriff liess ohne den verletzten Hleb Harbuz (Bänder im Fuss) Durchschlagskraft und Genauigkeit vermissen. Kurz: Es passte vorne und hinten nicht zusammen, zur Pause lag der Gastgeber mit 14:22 im Hintertreffen.

«Wir haben in der Verteidigung jeden Zweikampf verloren. Die erste Halbzeit war richtig schwach, 22 Gegentreffer reichen normalerweise für 60 Minuten»,

monierte Trainer Goran Perkovac.

Krienser Aufbäumen in der zweiten Halbzeit

Nach dem Seitenwechsel wuchs der Rückstand sogar auf neun Treffer an (34./16:25), nach den Kanterniederlagen in Schaffhausen und Zürich drohte das nächste Debakel. Ausgerechnet in Unterzahl fand Kriens-Luzern dann zu jenen Emotionen, die in seinem Spiel bis dahin gänzlich gefehlt hatten. Goalie Rok Zaponsek parierte einen seiner zahlreichen Bälle, Domen Sikosek Pelko verwertete den Gegenstoss und endlich war Leben in der Krauerhalle.

Die Abwehr agierte auf einmal viel aggressiver, störte die Thuner früh in ihren Laufwegen und packte bei jeder Gelegenheit herzhaft zu. Im Angriff stürmten Spielmacher Janus Lapajne und Moritz Oertli plötzlich mit Entschlossenheit Richtung Tor. Die Ausstrahlung war nun eine ganz andere, mit dem Mute der Verzweiflung, so schien es, bäumten sich die Luzerner auf. «Wir haben gekämpft wie die Verrückten», stellte Perkovac fest.

Goalie Rok Zaponsek hält grossartig

Tor um Tor arbeitete sich Kriens-Luzern heran, in der 50. Minute lag es nur noch zwei Einheiten zurück (28:30), ein Punktgewinn rückte in Reichweite. Goalie Zaponsek bestätigte seine steigende Formkurve, liess sich eine rund 40-prozentige Abwehrquote gutschreiben. Und vorne zeigte sich, dass das Kreisspiel mit Sikosek Pelko an Qualität gewinnt, wenn er sein Potenzial abruft. Hätte auch der rechte Aufbauer Milos Orbovic seine individuelle Klasse ausgespielt, wäre die Wende möglich gewesen, doch der serbische Nationalspieler präsentierte sich in Halbzeit zwei fehlerhaft.

So wog die Hypothek aus Halbzeit eins zu schwer. Im Gegensatz zu Kriens-Luzern verfügte Thun mit Flavio Wick über einen zweiten Goalie, der Akzente zu setzen vermochte. Das Heimteam verschoss zu viele klare Chancen, brachte vier Penalties nicht im Tor unter. Darüber hinaus leisteten sich die zentralen Abwehrspieler Aljaz Lavric und Gino Delchiappo erneut unnötige Fouls, indem sie den durchgebrochenen Angreifer zurückhielten und damit für zwei Minuten auf die Strafbank mussten.

Kriens-Luzern könnte Mentaltrainer gebrauchen

Was also lässt sich aus diesem unausgewogenen Auftritt schliessen?

«Wir sind verkrampft und nach den Wechseln im Sommer nicht mehr so stabil wie letzte Saison»,

stellte Perkovac fest. Dass die Qualität vorhanden ist, war in Halbzeit zwei offensichtlich, doch die Verunsicherung beim HC Kriens-Luzern, der sich trotz der professionellen Ansprüche keinen Mentaltrainer leistet, ist nahezu greifbar.

Kriens-Luzern – Wacker Thun 31:36 (14:22)
Krauerhalle. – 450 Zuschauer. – SR Hennig/Meyer. – Strafen: : je 7-mal 2 Minuten plus rote Karte für Lavric (57./3-mal 2 Minuten).
Kriens-Luzern: Zaponsek (18 Paraden/1 Tor)/Eicher; Wanner, Orbovic (7 Tore), Lapajne (7/4), Rellstab (2), Langenick (2), Sikosek Pelko (7), Lavric; Delchiappo, Oertli (2), Steenaerts (1), Schlumpf (2).
Thun: Winkler (8 Paraden)/Wick (6); Dähler (1 Tor), Chernov (4), Lüthi, von Deschwanden (7/2), Gruber (1), Huwyler (1); Guignet (2), Schwab (1), Linder (4), Suter (6/2), Dannmeyer (7), Felder (2).
Bemerkungen: Kriens-Luzern ohne Harbuz, Gavranovic, Idrizi (alle verletzt). Wacker ohne Raemy (verletzt). Winkler hält Penalty von Wanner (16./6:9). Wick hält Penalty von Lapajne, der im Nachschuss trifft (29./13:19). Wick pariert Penalties von Lapajne (55./29:33) und Orbovic (58./30:34). Zaponsek pariert Penalties von Deschwandens (45./25:28) und von Suter (50./28:30).

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