Das Feldschiessen - «unser jährlicher Sehtest»

Das Eidgenössische Feldschiessen ist das grösste Schützenfest der Welt. Dabei steht die Teilnahme allen Interessierten offen – mit oder ohne eigene Waffe. Ein Augenschein bei der Feldschützengesellschaft Inwil.

Ruedi Vollenwyder
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Liliane Kyburz schiesst zum ersten Mal mit einem Sturmgewehr. (Bild: Boris Bürgisser (Inwil, 25. Mai 2019))

Liliane Kyburz schiesst zum ersten Mal mit einem Sturmgewehr. (Bild: Boris Bürgisser (Inwil, 25. Mai 2019))

Nach der Niederlage im Abstimmungskampf über das neue Waffengesetz am 19. Mai machte sich bei den Schiessfreudigen eine regelrechte Trotzreaktion breit. Unerwartet viele Interessierte pilgerten am Samstag zum heimeligen Schiessstand in Inwil.

Im Verlaufe der Jahre hat sich im Ablauf des Feldschiessens ­einiges verändert. So wurde früher, als man noch auf dem offenen Feld schoss, mit einem Hornstoss der Start freigegeben. Nach der Serie rief der Warner jeweils laut die Resultate an den notierenden Kameraden: «Scheibe drei, vier, zehn Uhr» – und dies kurz vor Mittag um halb zwölf. Heute können sich die Schützinnen und Schützen auf eine topmoderne elektronische Anlage verlassen, die aber keine Nuller verzeiht, wenn ein allzu grosser Schluck «Zielwasser» (FSG-Inwil-Präsident Andreas Banz: «Ein Gemisch aus einem Einerli Roten und drei Stück Zucker») die Sehnerven etwas vernebelt. Wer beim Feldschiessen an den Start geht, der kann sich sogar den Gang zum Augenarzt ersparen, meinte ein mittelalterlicher, ­bestandener Schütze mit dem ­herausgeschossenen Kranzabzeichen augenzwinkernd:

«Wir können so jedes Jahr überprüfen, ob wir die Scheibe noch sehen. Das Feldschiessen ist sozusagen unser jährlicher Sehtest.»

Die Teilnahme am Feldschiessen ist gratis, die Munition auch. Auf das Kommando «Feuer frei» gilt es ernst: Sechs Schuss Einzelfeuer, zweimal drei Schuss Kurzfeuer und sechs Schuss Schnellfeuer sind in der vorgeschriebenen Zeit abzugeben. Dabei sind maximal 72 Punkte zu erzielen. Auf dieses Abenteuer liess sich auch die 27-jährige Liliane Kyburz ein, die zuvor noch nie ein Sturmgewehr in der Hand gehalten hatte. «Ich liess mich von meinen Kolleginnen der Eibeler Guuggenmusig Sträggele zum Mitmachen überreden», erzählte sie.

Und wie war das Erlebnis? «Sehr speziell. Ich war extrem nervös, denn ich wusste nicht, was mich erwartet.» Kyburz, Primarlehrerin in Root, hat die Feuertaufe mit 27 Punkten gut überstanden – und will auch nächstes Jahr wieder dabei sein. «Ein gefreuter Einstand», fand auch Inwil-Präsident Andreas Banz, der den kleinen Verein mit nur 14 aktiven Schützen seit zehn Jahren umsichtig führt. Schützenmeister Sepp Meierhans sorgt derweil vor der Eingangstüre dafür, dass jedes Gewehr nur ungeladen und gesichert den Durchgang passierte.

Erfolgserlebnis für den Präsidenten

Der gesellschaftliche Aspekt wird bei den Schützengesellschaften grossgeschrieben. «Erstmals haben wir die Schiessfreudigen für die Vorschiessen mit einem Feierabend-Bier angelockt. Das kam gut an», bilanziert Andreas Banz. «Und als schöner Nebeneffekt landete für jedes verkaufte Bier ein schöner Batzen in unserer Vereinskasse.»

Banz will damit auch die erstaunlich vielen jungen Schiessbegeisterten abholen. «Von alleine kommen diese nicht zu uns. So versuchen wir die jungen Frauen und Männer über die neuen Medien wie Whatsapp für unseren Sport ‹glustig› zu machen, oder nutzen Synergien mit anderen Dorfvereinen.» Um diese Ziele zu erreichen ist das Feldschiessen, notabene das grösste Schützenfest der Welt, eine ideale Plattform.

Einen persönlichen Erfolg konnte Andreas Banz übrigens am Schiessstand verbuchen: Erstmals in seiner 42-jährigen Schützenkarriere erzielte er 70 Punkte bei einem Feldschiessen.

Mehr zum Eidgenössischen Feldschiessen finden Sie hier.