Willisau mit Zittersieg gegen die «Wundertüte»

Titelanwärter Willisau baut seinen Vorsprung weiter aus. Die Luzerner müssen jedoch bis zuletzt zittern, bis der vierte Saisonsieg gegen das aufmüpfige Einsiedeln feststeht.

Simon Gerber
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Der Willisauer Roger Heiniger (in Rot) mit Elan gegen den Einsiedler Lukas Schönbächler. (Bild: Boris Bürgisser (Willisau, 22. September 2018))

Der Willisauer Roger Heiniger (in Rot) mit Elan gegen den Einsiedler Lukas Schönbächler. (Bild: Boris Bürgisser (Willisau, 22. September 2018))

Einsiedeln kämpfte in der Vergangenheit immer wieder gegen den Abstieg. Seit zwei Jahren weht im Klosterdorf ein frischer Wind. Unter Urs Bürgler, dem Cheftrainer und zweifachen Olympiateilnehmer im Ringen, mauserten sich die Schwyzer zu einem ernstzunehmenden Gegner. Letztes Jahr siegten sie im Rückkampf gegen den Rekordmeister Willisau und erreichten mit dieser Glanzleistung erstmals den Halbfinal. In dieser Saison präsentiert sich die junge Truppe in der Rolle einer Wundertüte. Nach der völlig unerwarteten Kanterniederlage gegen Schattdorf sorgten die Klosterdorf-Ringer vor einer Woche mit dem Sieg gegen den Titelverteidiger Kriessern für einen veritablen Coup.

Auch im Spitzenkampf gegen den Leader Willisau fehlte nur wenig zu einem weiteren Exploit. Urs Bürgler konnte aus dem Vollen schöpfen, einzig der Siegringer Andry Visar war abwesend. Bei den Hausherren hingegen fehlten durch internationale Einsätze mit Stefan Reichmuth, Samuel Scherrer und Tobias Portmann gleich drei Topathleten. Die Luzerner starteten mit drei Siegen von Timon Zeder und den beiden aus Bulgarien stammenden Jungspunden Dimitar Sandov und Delian Alishahi dynamischer.

Marco Heiniger gibt 14:1-Führung weg

Im vierten Kampf setzte es für sie den ersten Dämpfer ab. Der Kranzschwinger Marco Heiniger war auf dem besten Weg zu einem überlegenen Erfolg. Er demontierte seinen Gegner Robert Valentin mit Hüfter- und Brienzerangriffen. Nach einer 14:1-Führung wendete sich das Blatt plötzlich noch. Heiniger kippte nach einem Beinangriff seines Kontrahenten auf die Schulter. Nach fünf Duellen führten die Luzerner nur noch 9:7. Nach der Pause bauten sie ihre Führung wieder etwas aus. Dominik Bossert kam gegen Mathias Käser zu einem glücklichen 9:8-Punktesieg. Roger Heiniger gefiel einmal mehr mit Elan, feiner Technik und Kampfübersicht. Mit dem verkehrten Ausheber holte der Zimmermann gleich jedes Mal die Höchstnote und ging gegen Lukas Schönbächler als souveräner Sieger von der Matte. «Lukas ist kein einfacher Gegner. Mit einem so schnellen Erfolg rechnete ich deshalb nicht. Ich nützte meinen guten Lauf optimal aus», resümierte Heiniger.

Vor dem letzten Kampf hiess es allerdings nur noch 16:13 für Willisau. Für die Schwyzer war der Erfolg plötzlich wieder in Griffnähe. Der 17-jährige Michael Portmann behielt die Nerven. Nach einem 0:2-Punkterückstand glich er gegen Yves Müllhaupt noch zum 2:2 aus und sicherte sich mit dieser starken Leistung den Sieg für sein Team. «Gegen unseren Angstgegner rechneten wir mit einem knappen Ausgang, weil uns nicht alle Leistungsträger zur Verfügung standen. Den Ausschlag für den Sieg gaben die Greco-Ringer, die allesamt ihre Gegner besiegten. Damit bestätigten sie ihre Fortschritte unter ihrem Trainer Philipp Rohrer», erklärte WillisauSportchef Fredi Infanger.

Niederlagen für Hergiswil und Schattdorf

Als «Unterdog» war Urs Bürgler, der Cheftrainer von Einsiedeln, mit der Leistung seiner Athleten zufrieden. «In den ersten fünf Duellen lief es für uns dank des überraschenden Schultersiegs durch Robert Valentin viel besser, als ich erwarten konnte. Nach der Pause brach uns die unerwartete Niederlage von Lukas Schönbächler das Genick.»

Wie erwartet unterlag das bisher erfolglose Hergiswil gegen den Titelverteidiger Kriessern mit 12:26. Die Napfringer holten die drei einzigen Siege in den unteren Gewichtsklassen durch Loris Müller, Thomas Wisler und Marco Hodel. Auf verlorenem Posten stand auch Schattdorf. Die Urner brachten es durch Sven Gamma, Nicolas Christen und Michael Jauch ebenfalls auf drei von zehn möglichen Erfolgen.

Nationalliga A. Mannschafts-Meisterschaft. 4. Runde: Freiamt – Schattdorf 23:12. Kriessern – Hergiswil 26:12. Willisau Lions – Einsiedeln 18:14. – Rangliste (nach 4 Runden): 1. Willisau Lions 8. 2. Kriessern und Freiamt, je 5. 4. Einsiedeln 4. 5. Schattdorf 2. 6. Hergiswil 0.

Willisau – Einsiedeln 18:14
57 kg: Timon Zeder s. Dany Kälin 2:0. – 61 kg: Dimitar Sandov s. Lars Neyer 3:1. – 65 kg: Lukas Bossert s. Michael Schönbächler 2:1. – 70 kg: Roger Heiniger s. Lukas Schönbächler 4:0. – 74 kg: Mirco Studer v. Adrian Mazan 0:3. Michael Portmann s. Yves Mühlhaupt 2:1. – 79 kg: Jonas Bossert v. Andreas Burkard 1:2. – 86 kg: Dominik Bossert s. Mathias Käser 2:1. – 97 kg: Marco Heiniger v. Robert Valentin 0:4. – 130 kg: Delian Alishahi s. Sven Neyer 2:1.

Freiamt – Schattdorf 23 :12
57 kg: Nils Leutert s. Thomas Epp 2:0. – 61 kg: Kimi Käppeli v. Sven Gamma 0:4. – 65 kg: Randy Vock s. Simon Gerig 3:1. – 70 kg: Michael Bucher s. Renato Kempf 4:0. – 74 kg: Husein Kadimagomaev s. Kim Besse 3:0. Pascal Strebel s. Ramon Epp 4:0. – 79 kg: Reto Gisler s. Tanguy Darbelley 2:1. – 86 kg: Marc Weber v. Nicolas Christen 1:3. – 97 kg: Magomed Ayskanov s. Elias Kempf 4:0. – 130 kg: Adrian Wetzstein v. Michael Jauch 0:3.

Kriessern – Hergiswil 26:12
57 kg: Nico Lüchinger v. Loris Müller 0:4. – 61 kg: Christoph Wittenwiler v. Thomas Wisler 1:3. – 65 kg: Dominik Laritz s. Sven Bammert 4:0. – 70 kg: Gabor Molnar v. Marco Hodel 1:2. – 74 kg: Jan Langenegger s. Adrian Kronenberg 4:0. David Hungerbühler s. Patrick Kunz 4:1. – 79 kg: Tobias Betschart s. Philippe Kunz 3:1. – 86 kg: Fabio Dietsche s. Raphael Kaufmann 3:0. – 97 kg: Philipp Huttter s. Joel Ambühl 2:1. – 130 kg: Ramon Betschart s. Silvio Wyrsch 4:0.