Zug im kollektiven Freudentaumel

Im Cupfinal holt Zug United den ersten Pokal in seiner 16-jährigen Geschichte. Der Schwede Alexander Larsson wird zur grossen Figur.

Ruedi Burkart aus Bern
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Nach dem Treffer in der Verlängerung brachen bei den Zugern alle Dämme.

Nach dem Treffer in der Verlängerung brachen bei den Zugern alle Dämme.

Bild: Claudio Thoma/Freshfocus (Bern, 22. Februar 2020)

Sie liessen sich durch nichts von ihrem Weg abbringen. Ein blutend darniederliegender Alexander Larsson, zwei per Videobeweis aberkannte Tore, eine aus der Hand gegebene 4:2-Führung, der Ausgleich von Malans zum 5:5 in der 56. Minute – all das war am vergangenen Samstag kein Problem für die Zuger. Sie holten in der kurzen Pause vor der Verlängerung nochmals Luft und sicherten sich dank einem Treffer von Alexander Larsson in der fünften Minute der Overtime den Cupsieg.

«Ganz ehrlich, ich habe immer an den Sieg geglaubt. Dass wir den Match noch verlieren könnten, das war kein Thema.» Die Worte von Zugs 19-jährigem Erstlinien-Center Severin Nigg nach der Medaillen- und Pokalübergabe stehen sinnbildlich für das Selbstvertrauen, welches Zug United, Ausgabe 2020, an den Tag legt. «Wir wissen, was wir können», sagte 6:5-Torschütze Larsson inmitten des Trubels nach dem Schlusspfiff kurz und bündig. Wenig später liess er sich ins Spital chauffieren, um die Wunde am Kopf nähen zu lassen.

Larsson blutet – und kehrt mit Turban zurück

Alexander Larsson. Der 25-jährige Schwede spielt seine erste Saison in Zug und wurde zur grossen Figur des Abends. Nach knapp sieben Minuten und beim Stand von 1:0 für die Zentralschweizer knallte der Center der zweiten Linie nach einem Renkontre mit Malans-Verteidiger Kevin Berry kopfvoran in die Bande. Nach bangen Augenblicken richtete sich Larsson auf und griff sich benommen an den blutenden Kopf. Auf wackeligen Beinen wurde der Pechvogel auf die Bank und dann in die Kabine begleitet und verarztet. In der Halle ging derweil die intensive Partie vor 3200 begeisterten Zuschauern weiter. Für Larsson schickte Trainer Nicklas Hedstal den 21-jährigen Daniel Uhr aufs Feld, Captain Mock rückte vom linken Flügel ins Angriffszentrum. Ein geschickter Schachzug, denn Uhr erfüllte seine Rolle als Larsson-Ersatz perfekt. Er erzielte kurz vor der ersten Pause das zwischenzeitliche 2:1 für Zug und überliess nach 32 Minuten den Platz wieder dem Schweden. Dieser spielte fortan mit einem Turban und liess sich seinen Brummschädel nicht anmerken. Der Rest ist Geschichte – in der fünften Minute der Verlängerung war es ausgerechnet Larsson, der Zug United im ersten Cupfinal auch gleich den Pokal sicherte.

Nach diesem finalen Treffer zum 6:5 brachen in der Berner Wankdorfhalle alle Dämme. Nicht genug, dass Larsson nach seinem Sturz in die Bande eh schon angeschlagen war, jetzt fielen auch noch alle Teamkollegen über ihn her und begruben ihn unter sich. Oben auf der Tribüne feierten und sangen die Zuger Fans, unten auf dem Feld liessen Spieler und Trainerstaff ihrer Freude freien Lauf. Auf die Frage, ob er die Mannschaft vor dem Anpfiff mit einer speziellen Cupsiegerprämie zusätzlich motiviert habe, winkt Patrick Trachsel, seit 2016 Präsident von Zug United und einer der Baumeister des aktuellen Höhenflugs, mit einem Schmunzeln ab. Einige der Akteure hätten eine solche Prämie in ihren Verträgen stehen, räumte der Vorstandsvorsitzende immerhin ein. «Aber der Betrag reicht nicht für eine Extrawoche Ferien, bei weitem nicht.» Dann mischte er sich wieder unter die rund 300 aus Zug angereisten Fans.

Jetzt folgt das Playoff gegen Köniz

Nach dem erfolgreich verlaufenen Cup-Abenteuer wartet ab dem kommenden Freitag die nächste Herausforderung auf die Zentralschweizer. In den Playoff-Viertelfinals treffen sie als Fünfte der NLA-Qualifikation auf den Dritten Köniz. Die Bilanz gegen den Meister von 2018 ist bescheiden, nur zwei von bisher 16 Direktbegegnungen konnte man gewinnen. Doch nicht erst seit dem Cupfinal weiss man: Zug United ist in dieser Saison eine ganz explosive Mischung von routinierten Ausländern und talentierten jungen Schweizern.

Wie gut sich beispielsweise der erst 19-jährige Flügel Noel Knüsel in der intensiven Partie behaupten konnte, das war schon eine ganz grosse Leistung. Der ehemalige Nachwuchsspieler des UHC Zugerland liess sich beim 1:0 durch Julkunen einen Assist gutschreiben. Er streifte sich am Ende verdientermassen eines der schwarzen «Cupsieger»-Shirts über und präsentierte stolz seine Goldmedaille.

Bern. Schweizer Cup. Finals. Männer: Malans – Zug 5:6 n. V. – Frauen: Piranha Chur – Kloten-Dietlikon 7:3.

Malans – Zug 5:6 (1:2, 1:2, 3:1, 0:1) n. V.
Wankdorfhalle, Bern. – 3200 Zuschauer (ausverkauft). – SR Hohler/Koch.
Tore: 5. Julkunen (Knüsel) 0:1. 12. Nylund (Veltšmid) 1:1. 20. (19:51) Daniel Uhr (Nilsson) 1:2. 28. Hartmann (Schnell) 2:2. 35. Furger (Staub) 2:3. 40. (39:52) Julkunen (Nigg) 2:4. 43. Nylund (Eriksson-Elfsberg) 3:4. 52. Schnell (Nurmela) 4:4. 54. Julkunen (Dahlqvist) 4:5. 56. Schnell (Nurmela) 5:5. 65. Larsson (Staub) 5:6. – Strafen: keine.
Malans: Wittwer; Tromm, Camenisch; Veltšmid, Berry; Obrecht, Gartmann; Meiler, Claudio Flütsch; Schnell, Hartmann, Nurmela; Nett, Eriksson-Elfsberg, Nylund; Vetsch, Buchli, Schmid; Rohner, Tarnutzer.
Zug: Nilsson; Menon, Kostov-Bredberg; Staub, Grüter; Yannick Scheibert, Adrian Uhr; Tobias Flütsch, Joshua Scheibert; Julkunen, Nigg, Dahlqvist; Mock, Larsson, Furger; Knüsel, Laely, Fiechter; Daniel Uhr, Bachmann, Rubi.