Volley-Luzern-Trainer Liam Sketcher: Ein Mann mit reissfestem Geduldsfaden

Luzerns NLA-Team will ultimativ das Playoff-Heimrecht. Zwingend ist am Sonntag ein Sieg gegen Chênois Genf. Trainer Liam Sketcher hofft, glaubt daran – und hat schöne Visionen.

Roland Bucher
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Wohlbedachte Worte: Trainer Liam Sketcher. (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 17. Januar 2019))

Wohlbedachte Worte: Trainer Liam Sketcher. (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 17. Januar 2019))

Josef Wicki, Chef-Administrator des NLA-Teams von Volley Luzern, ist eine ehrliche Haut. Manchmal denke er, würde es «vielleicht nichts schaden, wenn Liam mal so richtig auf dem Tisch klopfen würde». Liam, das ist der Cheftrainer der Mannschaft, 35 Jahre alt, Australier, und alles anderes als ein verbaler Haudegen: Verbrieft und vereidigt ist, dass er, eben Liam Sketcher, es in dieser Saison bisher genau einmal fertiggebracht hat, einigermassen laut zu werden. Sein Geduldsfaden ist reissfest. Dabei hätte es doch hie und da Gelegenheit dazu gegeben, das Rumpelstilzchen zu spielen.

Zum Beispiel letztes Wochenende. Sein Team, immerhin kräftig ambitioniert in diese Saison gestiegen, liess beim Tabellenletzten Jona einen Punkt liegen – begrub in Lausanne auch die Cup-Träume. «Nicht alles war nicht gut», beschwichtigt Liam Sketcher: «Aber wir haben ganz klar zur Kenntnis nehmen müssen, dass wir nur bei den Leuten sind, wenn wir unser absolut bestes Volleyball abrufen.»

Es braucht eine Topleistung der Stammsechs

Sonst ist Volley Luzern, dies als Fakt, nur Durchschnitt, knappes Mittelmass. Das würde am Sonntag (Bahnhofhalle Luzern, 17.00) niemals reichen, um ausgerechnet dem verbissensten Gegner im Kampf um Rang 4, Chênois, auf Augenhöhe entgegenzutreten. Es sei ein Schlüsselspiel, betont Sketcher, und um es in die richtigen Bahnen zu leiten, brauche es vor allem die Topleistung der Stammsechs. «Und in entscheidenden Momenten entscheidende Impulse der Nummern 7, 8 und 9.»

Sketcher wählt seine Aussagen, seine Worte wohlbedacht, herauszuhören ist, dass er kein Mann für wichtigtuerische Momentaufnahmen ist. «Die Saison», sagt er, «ist lang. Wir haben viele neue Leute im Kader, stecken nach wie vor in einem Reifeprozess. Richtig parat müssen wir sein, wenn’s in den Playoffs losgeht.» Indes: «Wenn wir Chênois bezwingen können, dann gibt das Selbstvertrauen. Und davon können wir nie genug haben.» Liam Sketcher hospitierte letzte Saison Vorgängerin Lauren Bertolacci in einer Assistentenfunktion, übernahm im Sommer 2018 als Headcoach die Verantwortung. Die verwaltet er nicht schulmeisterlich, nein, das liegt alles andere als in seinem Sinne. Ganz im Gegenteil: Ihm als Ausbildner sei es ein wesentliches Bedürfnis, dass seine Boys nicht dem Schema F hörig seien, sondern «in ihrem Aufgabenbereich Selbstverantwortung übernehmen.» Ein bisschen salopp ausgedrückt: die Balance zwischen kreativem Schabernack, welches einer guten Stimmung in der Halle durchaus förderlich sein kann, und dem ­zwingenden Pflichtbewusstsein finden. «Ich strebe an, meine Spieler so weit zu bringen, dass sie situativ richtig entscheiden. Unterlaufen ihnen in einem ­vernünftigen Ausmass Fehler – dann gehört dies zum Lernverständnis.»

Der Traum von Olympia

Volley Luzern, daraus macht Liam Sketcher keinen Hehl, ist für ihn, den vor allem auch im Jugendbereich akribisch Arbeitenden, Zwischen- nicht Endstation als Cheftrainer, als Coach. Bis im Sommer ist sein Vertrag fixiert, eine Option angeheftet. «Die Schweiz geniesst in der Volleywelt einen guten Ruf, Luzern ist ein gutes Sprungbrett», sagt er, der in seiner Freizeit als ganz spezielles Hobby Filmmusik komponiert, «irgendeinmal will ich auf höchstem Niveau tätig sein». Nächster Schritt: als Assistenzcoach der australischen Nationalmannschaft peilt er Olympia 2020 in Japan an. «Das wäre ein wunderbares Erlebnis.»

Weit wichtiger: Treu bleiben will er sich, seiner Philosophie, die zwei Hauptelemente beinhaltet. Erstens: «Ich will mich verwirklichen, ich will nie eine Marionette sein.» Zweitens: «Erfolg im Sport kann man kaufen. Ich will ihn erarbeiten.»

Am Sonntag gibt’s für Volley Luzern einiges zu arbeiten.