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REITEN: Die Männer reiten, die Frau schaut zu

Der olympische «Reitergeneral» Andy Kistler ist auch ein schlauer Diplomat. Er hat sich gegen Janika Sprunger entschieden – den skandalträchtigen Entschluss aber klug verkauft.
Klaus Zaugg, Rio De Janeiro
Martin Fuchs mit Clooney. (Bild: AP/John Locher)

Martin Fuchs mit Clooney. (Bild: AP/John Locher)

Klaus Zaugg, Rio de Janeiro

Andy Kistler hatte den Mut zur unpopulärsten aller Varianten. Gegen eine Frau. Für drei Männer. Steve Guerdat, Romain Duguet und Martin Fuchs sind fürs Einzelspringen nominiert. Die schöne Amazone Janika Sprunger und ihr edles Pferd Bonne Chance müssen heute (ab 14.55/SRF 2) beim Einzelspringen zuschauen. «Es war ein schwieriger Entscheid. Alle vier hätten es verdient gehabt, um die Medaillen zu reiten», sagt der Equipenchef der Schweizer Reiter aus Rickenbach SZ. «Ausschlaggebend war schliesslich das Abschneiden in der Nationenwertung vom Dienstag und Mittwoch», sagte Kistler.

Martin Fuchs und Romain Duguet hatten sich in diesen Tagen je fünf Strafpunkte eingehandelt, Sprunger und Guerdat je neun. «Für mich war jedoch klar, dass Steve Guerdat die Chance erhalten soll, seinen Titel von London 2012 zu verteidigen.» Zur Erklärung: Aus den drei bisherigen olympischen Ritten (Qualifikation, zwei Durchgänge Mannschaftswettkampf) waren alle vier punktgleich gewesen. Daher die heikle, einmalige Ausgangslage.

Teilnahme bestimmt Wert des Pferds

Andy Kistlers Entscheid hätte eigentlich Skandalpotenzial. Equipen-Coach Thomas Fuchs (so etwas wie der Trainer hier in Rio), ein ehemaliger Weltklasse-Reiter und Pferdehändler, ist nicht nur der Vater des nun nominierten Martin Fuchs. Darüber hinaus arbeitet er als persönlicher Trainer aller drei nominierten Reiter. Der Pferdesport ist ein globales «Big Business». Ob ein Pferd um olympische Medaillen reiten darf oder nicht, hat einen enormen Einfluss auf den Wert. Die Sache bekommt den Schwefelgeruch von Vetternwirtschaft und befeuert die Kritiker, die hinter vorgehaltener Hand monieren, der wahre Reitergeneral sei ja eigentlich Thomas Fuchs und Andy Kistler bloss sein «Stabschef», seine «Marionette». Ein Entscheid gegen eine Frau und für drei Männer – das passt politisch nicht in die Zeit.

Fachlich einwandfreie Begründung

Also ein Skandal? Hat Reiten eine «Macho-Kultur»? Nein, und der boshafte Chronist denkt: Leider nein. Andy Kistler liefert durch die höhere Bewertung der zwei Durchgänge im Mannschafts-Wettbewerb (Nationenpreis) eine fachlich einwandfreie, hieb- und stichfeste und diplomatisch kluge Begründung. Dass beim Entscheid Thomas Fuchs mit seiner sportlichen Kompetenz mitbeteiligt war, ist logisch und wird vom Equipenchef auch nicht bestritten. Und er trägt alles Gerede mit Grandezza. «Das gehört bei so heiklen Entscheiden halt dazu. Damit muss ich leben.» Andy Kistler hat seine bisher schwierigste Situation als Chef der Schweizer Reiter (sozusagen als Reiter-Nationaltrainer) grandios gemeistert.

Romain Duguet auf Quorida De Treho. (Bild: AP/John Locher)

Romain Duguet auf Quorida De Treho. (Bild: AP/John Locher)

Steve Guerdat und Nino Des Buissonnets. (Bild: AP/John Locher)

Steve Guerdat und Nino Des Buissonnets. (Bild: AP/John Locher)

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