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Entspannung nach Estermanns Rückzug

Die Schweizer Springreiter reisen mit grossen Hoffnungen an die EM nach Göteborg, obwohl der erfahrene Paul Estermann (54) auf die Teilnahme verzichtet. Dem Luzerner wird ein Verstoss gegen das Tierschutzgesetz vorgeworfen.
Daniel Wyrsch
Paul Estermann und sein Wallach Lord Pepsi (im Bild) sind an der EM nicht dabei. Der Luzerner soll seine Stute Castlefield Eclipse gequält haben – so der Vorwurf. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (St. Gallen, 4. Juni 2017))

Paul Estermann und sein Wallach Lord Pepsi (im Bild) sind an der EM nicht dabei. Der Luzerner soll seine Stute Castlefield Eclipse gequält haben – so der Vorwurf. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (St. Gallen, 4. Juni 2017))

Eitel Sonnenschein herrschte gestern Vormittag im Reiterzentrum am Rotsee in Ebikon. Der Schweizerische Verband für Pferdesport (SVPS) informierte die Medien über die bevorstehenden Europameisterschaften, die von 21. bis 27. August in Göteborg stattfinden. Andy Kistler, der Equipenchef der Springreiter, schwärmt: «Ich freue mich sehr, mit diesem Team nach Göteborg zu reisen.» Er ist überzeugt, dass die Schweiz mit Steve Guerdat, Martin Fuchs, Romain Duguet, Nadja Peter Steiner sowie der vor wenigen Tagen nachnominierten Janika Sprunger «ein Team in Schweden hat, das harmoniert und das kämpfen wird».

Während Olympiasieger Steve Guerdat (35) mit der Schwedenstute Bianca das Potenzial besitzt, um in Göteborg in den Kreis der EM-Stars zu reiten (siehe Box), bleiben Paul Estermann und sein Wallach Lord Pepsi zu Hause. Der 54-jährige Luzerner aus Hildisrieden hatte Mitte letzter Woche im Gespräch mit Equipenchef Kistler angeboten, auf die Teilnahme am Championat zu verzichten.

Verband überrascht von der Dynamik des Falles

Andy Kistler bedauert den Rückzug für Paul Estermann aus sportlicher Sicht: «Pauls ganze Saison war mit Lord Pepsi auf das Ziel Göteborg ausgerichtet, nun kann er den Lohn für die Arbeit nicht ernten.» Natürlich hätte auch das Schweizer Team vom Routinier profitieren können. Kistler denkt an die letzte EM, die 2015 in Aachen stattfand, bei der Estermann als Schlussreiter im Teamwettkampf der Schweiz die Bronzemedaille sicherte.

Doch Equipenchef Kistler macht auch keinen Hehl daraus, dass der Rückzug von Estermann «zur Entspannung der Situation» vor der EM geführt hat. «Wir können nach vorne schauen und uns aufs Sportliche konzentrieren.» Zudem erhält sicher eine der zwei jungen Amazonen eine Chance – eventuell gar erstmals Nadja Peter Steiner.

Kistler sagt, sie seien beim Verband von der Dynamik überrascht worden, welche die Geschichte um Paul Estermann angenommen habe. Mit dem EM-Verzicht des Reiters konnte viel Druck von der Equipe genommen werden. Beim SVPS vermutet man wahrscheinlich zu Recht, dass die internationalen Medien den Fall ebenfalls aufgenommen hätten, wenn Estermann in Göteborg an den Start gegangen wäre.

Fast ein Jahr zwischen Vorfall und Veröffentlichung

Die Sachlage bleibt für Estermann belastend: Ihm wird vor­geworfen, die Stute Castlefield Eclipse im Training so brutal geschlagen zu haben, dass sie am Bauch blutete. Der Vorfall soll sich bereits im April 2016 zugetragen haben, ein früherer Pferdepfleger Estermanns machte ihn aber erst im März dieses Jahres bekannt, als er Anzeige wegen Tierquälerei gegen seinen Ex-Chef erstattete.

Sperre droht, falls er schuldig gesprochen wird

Während Estermann Anfang Juni beim Grossen Preis am CSIO St. Gallen für die Schweiz noch aufs Podest geritten war, spitzte sich die Situation letzte Woche zu. Denn die Luzerner Staatsanwaltschaft bestätigte, dass sie sich mit dem Fall beschäftigt. Daraufhin beschlossen der Reiter und Equipenchef Kistler gemeinsam, dass es das Beste für alle Beteiligten sei, wenn Estermann für die Dauer der Untersuchungen weder an Championaten noch an Nationenpreisen teilnehmen wird.

Für Paul Estermann gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. Er nimmt zu seinem Fall keine Stellung. Sollte er vom Gericht schuldig gesprochen werden, kann Estermann zusätzlich durch den Schweizerischen Pferdesportverband gesperrt werden.

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