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REITEN: Kistler steht vor dem heikelsten Entscheid seiner Karriere

Der Schwyzer Andy Kistler muss bestimmen, welche drei Reiter morgen im Einzelfinal teilnehmen dürfen. Allen kann es der Equipenchef nicht recht machen.
Klaus Zaugg, Rio De Janeiro
Ritt mit Problemen: Steve Guerdat hatte wie die anderen Schweizer an der Niederlage zu knabbern. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Ritt mit Problemen: Steve Guerdat hatte wie die anderen Schweizer an der Niederlage zu knabbern. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Früher war er Europa-Marketing-Chef eines globalen WC-Papier-Herstellers. Jetzt hat er selber den Dreck. Das mag nun gar boulevardesk formuliert sein. Aber passend ist das böse Wortspiel doch. Andy Kistler (62) aus Rickenbach im Kanton Schwyz ist Equipenchef der Schweizer Reiter in Rio. Weil Janika Sprunger, Steve Guerdat, Romain Duguet und Martin Fuchs nach dem Mannschaftswettkampf auf dem 6. Schlussrang alle exakt genau gleich viele Fehlerpunkte auf dem Konto haben (siehe Kasten), muss nun Kistler entscheiden, welche drei morgen im Einzelfinal um eine Medaille reiten dürfen. Es ist eine Situation, die es so in der ganzen ruhmreichen helvetischen Reitergeschichte noch nie gegeben hat. Und so entfährt dem eloquenten, freundlichen Gentleman spontan der Satz: «I bi a arme Siech!»

«Es geht um Träume»

Wohl wahr. Kistler sagt: «Es geht um Menschen, um Träume und um Karrieren. Ich mache mit meinem Entscheid jemanden, ja, ich mache ganze Familien, eine ganze Region traurig und verärgere auch Sponsoren.» Er habe in seiner ganzen Berufslaufbahn in den Chefetagen des globalen WC-Papier-Konzerns nie eine so folgenschwere Entscheidung treffen müssen. Und wie er sich auch entscheidet – er kann es nicht allen recht machen.

Darf die schöne, charismatische Janika Sprunger (die Cousine der Leichtathletinnen Lea und Ellen Sprunger) nicht antreten, dann heisst es: Na klar, typisch für dieses konservative Macho-Milieu. Immer gegen die Frauen. Sprunger wäre in der Tat untröstlich, wenn sie um ihren olympischen Traum gebracht würde, und hat dies gestern noch einmal ganz explizit so gesagt – mit Tränen in den dunklen Augen. Gut, ist ihr Vater Hansueli da, um nach dem Rechten zu sehen.

Vetterliwirtschaft-Vorwurf droht

Darf Romain Duguet nicht mehr reiten, dann heisst es: Na klar, typisch für die fremdenfeindlichen Schweizer. Der Franzose ist erst durch die Heirat mit einer reichen Alleinerbin eines Berner Transportunternehmers Schweizer geworden. Das Geld seiner Gattin ist für seine Reiterkarriere sicherlich hilfreich.

Darf Steve Guerdat nicht dabei sein, wird es heissen: Jetzt ist der Kistler verrückt geworden, dass er den Olympiasieger von 2012 nicht antreten lässt. Tatsächlich wird Guerdat dabei sein. Das bestätigte Kistler gestern, und das hat auch Chef de Mission, Ralph Stöckli, durchblicken lassen.

Wenn Martin Fuchs morgen mitmachen darf, dann heisst es: Typisch, diese Vetterliwirtschaft. Martin Fuchs ist der Bub von Reiter-Chefcoach Thomas Fuchs.

Eine Pattsituation

Nachdem der Chronist Andy Kistler die Ausgangslage mit einer gewissen Boshaftigkeit so dargelegt hat, sagt der Gentleman mit einem bitteren Lächeln: «So, so. Danke, dass Sie mir geholfen haben.» Er schliesst aus, dass jemand aus dem Quartett freiwillig verzichten wird.

Diese Pattsituation auf Weltniveau ist ein Zeichen für die Stärke der Schweizer Olympia-Reiter. Alle vier klassierten sich mit ihrer Gesamtpunktzahl beim Mannschaftswettkampf unter den ersten 35 von 75 Teilnehmern und sicherten sich so die sportliche Qualifikation für den Einzelfinal. Weil pro Land nur drei Reiter zugelassen sind, muss nun Kistler seines schweren Amtes walten. Der Entscheid wird heute im Laufe des Nachmittags fallen.

Glücklich ist momentan Philippe Guerdat, der Vater von Steve Guerdat. Er ist als Equipenchef mit Frankreich gestern Olympiasieger geworden. Wäre er statt Andy Kistler der Equipenchef der Schweizer Reiter geworden, dann hätte er in der vergangenen Nacht nicht feiern können. Er wäre ein «armer Siech» gewesen.

Klaus Zaugg, Rio De Janeiro

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