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REITEN: Riskantes Manöver zahlt sich aus

Die schwedische Aussenseiterin Stephanie Holmen gewinnt das Weltcup-Springen an der Dernière des Mercedes-Benz CSI in Zürich – dank einer radikalen Routenwahl. Pius Schwizer wird Zweiter.
Hans Leuenberger (sda), Zürich
Mit einer gewagten Wendung zum Sieg: Stephanie Holmen und Pferd Flip’s Little Sparrow. (Bild: Walter Bieri/EPA (Zürich, 28. Januar 2018))

Mit einer gewagten Wendung zum Sieg: Stephanie Holmen und Pferd Flip’s Little Sparrow. (Bild: Walter Bieri/EPA (Zürich, 28. Januar 2018))

Hans Leuenberger (SDA), Zürich

sport@luzernerzeitung.ch

Der Solothurner Pius Schwizer büsste im Stechen in der mit 243000 Franken dotierten Prüfung 1,11 Sekunden auf die überraschende Siegerin Stephanie Holmen aus Schweden ein. Die 27-Jährige, im Sattel von Flip’s Little Sparrow, wurde für eine gewagte Routenwahl belohnt. Auch der drittklassierte Franzose Kevin Staut mit Silver hatte keine Chance beim 30. und letzten Weltcup-Springen im Hallenstadion in Zürich.

Von den fehlerlosen 14 Paaren nach dem ersten Umgang, darunter vier Schweizer Duos, ritt Holmen im Stechen als Einzige eine radikale Wendung. Sie machte keinen Bogen um den Oxer, sondern ritt gleich schräg auf das nächste Hindernis zu – eine Variante, die wohl von vielen Reitern gar nicht in Betracht gezogen wurde. Holmen bestritt erst ihr zweites Weltcup-Springen. Sie arbeitet im Stall von Peder Fredricson. Ausgerechnet der Europameister gab ihr vor Ort den Tipp, dieses riskante Manöver zu versuchen. Holmen wollte zuerst nicht, aber Fredricson insistierte. Ihr Sieg und somit das verspätete Geschenk zu ihrem Geburtstag vom Samstag zeichnete sich früh ab. Die Schwedin hatte als Nummer 2 des Stechens eine Vorgabe gemacht, die ohne die radikale Routenwahl nicht zu knacken war.

Die Aussenseiterin – sie war bei den Buchmachern unter den 32 ausgewählten Namen von 39 Startern nicht zu finden – überraschte so auch Schwizer, der nach 2014 und 2016 seinen dritten Weltcup-Triumph im Hallenstadion verpasste. «Ich bin glücklich über den 2. Rang und traure dem Sieg nicht nach», betonte Schwizer. Der 55-Jährige traute seiner erst neunjährigen Stute diese Wendung nicht zu. «Sie ist noch zu unerfahren», meinte der Routinier.

Guerdat und Fuchs mit Fehlern

Steve Guerdat fehlte im Stechen. Die Schweizer Nummer 1 setzte nicht auf eines seiner Top-Pferde, sondern auf die erst zehnjährige Ulysse. Die sprunggewaltige Stute kam etwas zu langsam zum Aussprung aus einer Kombination und touchierte mit der Nachhand. Guerdat wird als einziger Springreiter beim Weltcup-Final Mitte April in Paris starten. Dies zeichnet sich bereits deutlich ab, obwohl noch zwei Qualifikationsprüfungen ausstehen.

Mit Martin Fuchs verpasste auch die grösste Schweizer Hoffnung die Kurzentscheidung. Der Sieger des Longines Grand Prix am Freitagabend war mit Clooney als Favorit gestartet. Das Duo ist derzeit das weltweit erfolgreichste Paar und hatte dies vor zwei Wochen auch mit dem Grosserfolg am CSI Basel bewiesen. Im Hallenstadion kam der Fehler bereits am vierten Hindernis, einem Bidet-Oxer. Die Distanz stimmte nicht, Clooney touchierte mit einem Vorderbein. «Ich bin nicht korrekt geritten und habe Clooney zu nahe ans Hindernis geführt», sagte Fuchs, der danach den Umgang abbrach.

Der Schimmel erhält nun eine mehrmonatige Pause, um im Sommer wieder zur Höchstform zu finden. An den Weltreiterspielen im September in Tryon in den USA geht es für die Schweizer Equipe neben WM-Medaillen auch bereits um ein Olympia-­Ticket für Tokio 2020.

CSI Zürich

Zürich-Oerlikon. Mercedes-Benz Classic. Longines Weltcup-Springen (Wertung A/nach Fehlern und Zeit, 1 Umgang mit Stechen, Hindernishöhe 160 cm, Dotation 243000 Franken): 1. Holmen (SWE), Flip’s, 0/38,79. 2. Schwizer (SUI), About A Dream, 0/39,90. 3. Staut (FRA), Silver, 0/40,72. 4. Whitaker (GBR), Hot Stuff, 0/40,85. 5. Philippaerts (BEL), Legend of Love, 0/40,98. – Ferner: 8. Estermann (SUI), Lord Pepsi, 0/42,92. 11. Duguet (SUI), Twentytwo des Biches, 4/39,62. 13. Muff (SUI), Daimler, 8/41,30, alle im Stechen. 17. Guerdat, Ulysse, 4/70,57. 19. Sprunger, Bacardi, 4/71,64. 20. Rutschi, Cardano, 4/71,69. 33. Jufer, Tic Tac, ausgeschieden. – Bemerkung: Fuchs mit Clooney gab nach einem Fehler auf.

Weltcup-Stand (11/13): 1. Staut 77. 2. Von Eckermann 64. 3. Tops-Alexander (AUS) 50. – Ferner: 8. Guerdat 43. 36. Schwizer 17.– Top 18 für den Weltcup-Final von Mitte April in Paris qualifiziert.

Verit Immobilien AG Trophy (A, 140 cm, 35000 Franken): 1. Fredricson (SWE), Hansson, 0/35,38. 2. Whitaker (GBR), Valmy, 0/36,19. 3. Skollerud (NOR), Dublin, 0/40,91. 4. Estermann (SUI), Curtis, 4/33,51. 5. Gabathuler (SUI), Silver Surfer, 4/35,28, alle im Stechen.

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