REITEN: Sie macht einen ganz speziellen Job

Monika Müller liebt den Galopprennsport. Nach Jahren als Trainerin in der Schweiz hat sie nun in England eine neue Herausforderung angenommen. Die Luzernerin hat dabei einige Hürden überspringen müssen.

Barbara Würmli
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Rennpferde sind ihr Leben: die Luzernerin Monika Müller. (Bild: PD)

Rennpferde sind ihr Leben: die Luzernerin Monika Müller. (Bild: PD)

Barbara Würmli

sport@luzernerzeitung.ch

Die im luzernischen Eschenbach aufgewachsene Monika Müller (39) hat schon eine lange Karriere im Pferderennsport hinter sich. Bereits mit zehn Jahren hat sie daheim in Eschenbach beim damaligen Trainer und Rennreiter Walter Zemp Rennstallluft geschnuppert. Nach der Ausbildung zur Tiermedizinischen Praxisassistentin arbeitete sie in Deutschland mehrere Jahre in ihrem Lehrberuf und als Arbeitsreiterin (reitet das Pferd im Training), danach in Frankreich als Reisefuttermeisterin (siehe Kasten). Dabei war sie für alle Belange verantwortlich, die Reisen mit Rennpferden mit sich bringen. Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz machte sie die Trainerlizenz und betrieb einen eigenen Rennstall. Diesen hat die ambitionierte Trainerin jedoch Ende 2016 aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben.

Eigener Rennstall während 10 Jahren

Monika Müller arbeitete nach ihrer Ausbildung zur Tiermedizinischen Praxisassistentin fünf Jahre bei der Klinik an der Rennbahn in Baden-Baden (Deutschland). An den Wochenenden und freien Tagen war sie als Arbeitsreiterin bei Trainer Urs Suter tätig, ebenfalls ein gebürtiger Luzerner, der damals in Baden-Baden stationiert war. Mit ihm siedelte sie nach Chantilly über und war ein Jahr als Reisefuttermeisterin sowie Arbeitsreiterin angestellt und sammelte Erfahrungen im französischen Rennsport.

2007, zurück in der Schweiz, betrieb sie einen Rennstall in Zürich-Dielsdorf. Nach fast zehn Jahren gab sie den Betrieb Ende 2016 aus wirtschaftlichen Gründen auf: Als Rennpferdetrainerin mit einem eher kleinen Betrieb sei es sehr schwierig, gut über die Runden zu kommen. (bw)

Neustart im Rennsport­paradies England

Für Müller war klar, dass sie wegen ihrer Liebe zu den edlen Vollblütlern und zum Galopprennsport weiterhin im Pferderennsport arbeiten wollte. Im Schweizer Pferderennsport sah sie keine Möglichkeit, eine herausfordernde Stelle zu finden. «Den französischen Rennsport kannte ich bereits, und so kam der Wunsch auf, das für mich noch weitgehend unbekannte Pferderennsportland England kennen zu lernen», erklärt Müller. Mit der Hilfe eines befreundeten deutschen Galopptrainers heuerte sie im Januar 2017 beim bekannten englischen Trainer Karl Burke in Middleham in der Grafschaft North Yorkshire an.

Von ihrem neuen Chef erhielt sie die Chance, sich als Travelling Head Lad zu etablieren. In einem Beruf also, der in der Schweiz kaum bekannt ist. Travelling Head Lad lässt sich mit «verantwortliche Reisefuttermeisterin» übersetzen und ist ein Job, bei dem kein Tag wie der andere ist. Monika Müller erklärt: «Ich bin fast täglich auf verschiedenen Rennbahnen in ganz England unterwegs und ab und zu auch in Frankreich. Meine Aufgabe ist es, die Pferde mit dem Transporter an die Rennorte zu fahren, und auf dem Rennplatz vertrete ich den Trainer, wenn er nicht selber vor Ort ist.» Das sei oft so, denn manchmal laufen Burke-Pferde am gleichen Tag auf mehreren verschiedenen Rennbahnen im Land. «Ich beaufsichtige dann die Pferdepfleger, sattle die Pferde, gebe im Führring den Jockeys die Orders – das sind Reit- und Taktikanweisungen – und kümmere mich um die Pferdebesitzer.» Verbringt sie mal einen Tag daheim im Trainingsbetrieb Spigot Lodge oder muss sie erst mittags losfahren, reitet Monika Müller morgens bis zu vier Trainingseinheiten mit. «Ich sitze also auch noch regelmässig selber im Sattel.»

Der Neustart in England war für die Eschenbacherin aber kein Zuckerschlecken: «Am Anfang musste ich mich beweisen», sagt sie. «Man muss sich vorstellen, dass der Pferderennsport in England noch extrem männerdominiert ist. Zwar wusste man hier, dass ich schon bei Trainer Urs Suter in Frankreich ein Jahr Reisefuttermeisterin war und in der Schweiz selber trainiert habe, aber als Frau und aus der Schweiz, deren Galoppsport nicht gerade weltbekannt ist, musste ich effektiv meinen Mann stehen, um meine jetzige Position zu bekommen.»

Kein Vergleich zur Schweiz

Die nächsten Jahre will Monika Müller auf jeden Fall in England verbringen: «Der englische Galoppsport übt eine grosse Faszination auf mich aus.» Es sei kein Vergleich zur Schweiz, wo Pferderennen eine Randsportart seien. «Hier sind Pferderennen ein Nationalsport, entsprechend edel ist alles aufgezogen. In meiner Position ist zum Beispiel für Männer am Renntag ein Anzug Vorschrift, für uns Damen eine dunkle Hose mit Bluse, obwohl die Arbeit mit Pferden natürlich mit Schmutz verbunden ist. Aber», sagt die Pferdefrau, «man bekommt auch sehr viel zurück. Das Publikum geht unbeschreiblich mit, schreit die Pferde ins Ziel und bejubelt danach die Sieger und ihre Jockeys, dass ich manchmal Gänsehaut bekomme.»

Man darf also gespannt sein, wohin der Weg der 39-jährigen Luzerner Pferdefrau noch geht. Klar ist jedenfalls: Wenn man es zur Reisefuttermeisterin in England gebracht hat, stehen einem weltweit die Türen des Pferderennsports offen.