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REITEN: Willi Melliger ist verstorben – der Mythos wird weiterleben

In der Nacht auf Dienstag erlag einer der berühmtesten Springreiter der Schweiz einem schweren Hirnschlag. Willi Melliger, der vor allem mit seinem Schimmel Calvaro grosse Erfolge feierte, hat im Alter von 64 Jahren seine letzte Reise angetreten.
Sonja Grob*
Willy Melliger mit Calvaro nach dem Silbermedaillen-Gewinn mit der Schweizer Equipe an den Olympischen Spielen in Sydney. (Bild: Fabrice Coffrini/Keystone (28. September 2000))

Willy Melliger mit Calvaro nach dem Silbermedaillen-Gewinn mit der Schweizer Equipe an den Olympischen Spielen in Sydney. (Bild: Fabrice Coffrini/Keystone (28. September 2000))

Sonja Grob*

sport@luzernerzeitung.ch

Am 13. Dezember 2017 erlitt der Vater von drei Kindern und einem Enkelkind einen schweren Hirnschlag und lag seitdem im Koma, aus dem er nicht mehr erwachte. Die Trauer ist nicht nur bei seinen vielen Reiterfreunden gross, denn mit seinem Calvaro war er auch vielen «Nicht-Rösselern» ein Begriff. Und dieser Mythos wird weiterleben. Die beiden schrieben Reitsportgeschichte und waren überall die Publikumslieblinge.

Neben zwei Olympia-Silbermedaillen 1996 in Atlanta im Einzel und 2000 mit der Schweizer Equipe in Sydney kamen viele weitere Auszeichnungen. Insgesamt gewann Willi Melliger 13 Medaillen an Europameisterschaften, darunter vier goldene und ist somit der erfolgreichste Schweizer Reiter an Europameisterschaften. Unvergessen bleibt sein letzter Auftritt mit Calvaro am CSI Zürich 2003. Mit Tränen in den Augen verabschiedete er den weissen Riesen aus dem Springsport. Kurze Zeit später musste er ihm, 17 Jahre alt, endgültig Adieu sagen. Willi Melliger verlor nicht nur das beste Pferd, dass er je geritten hatte: «Ich habe einen engen Freund verloren und bin sehr traurig.»

Im Einsatz für den Nachwuchs

2010 beendete der Solothurner seine aktive Reitkarriere. Aber er blieb dem Pferdesport verbunden und setzte sich neben dem Handel für den Nachwuchs ein. Als Coach der jungen Reiter und Junioren reiste er mit ihnen an internationale Anlässe, wo sie dank ihm beachtliche Erfolge feiern konnten. Und in dieser Funktion habe ich neben vielen anderen persönliche Erinnerungen an ihn, die für immer bleiben werden. Im Sommer 2016 begleitete ich unsere Teams ins irische Millstreet an die Europameisterschaften, wo er nach elf Jahren in seiner Funktion als Verantwortlicher des Nachwuchses zum letzten Mal im Einsatz war. Die guten Resultate kommentierte er damals mit den Worten «das ist das Resultat unseres jahrelangen Aufbaus. International stehen wir gut da und peilen jetzt eine Medaille an», was mit der Bronze-Auszeichnung auch gelang. Offen wie er immer zu mir war, gab er mir Tipps für meinen Bericht und konnte aber auch Kritik anbringen. «Ich hätte noch was, dass du schreiben kannst, wenn du Mut hast» – diesen Satz werde ich nie vergessen. Was er mir erzählte, habe ich dann doch nicht geschrieben, es hätte einige Leute zu sehr verletzt. Aber das trübte unser Verhältnis nie, er hatte auch danach immer Zeit für ein paar freundschaftliche Worte. Diese Begegnungen werde ich vermissen.

Seine Kollegen aus dem Reitsport reagieren alle mit Erschütterung und Trauer. Für Paul Estermann (54, Hildisrieden) war die Nachricht ein Schlag. «Auch wenn er nicht mehr aktiv ritt, wird er fehlen», sind seine Worte. Mehrere Male war Paul Estermann im Schweizer Team an Nationenpreisen mit Willi Melliger im Einsatz. «Er gab mir immer Sicherheit und hat mich unterstützt. Ich konnte ihn jederzeit um Rat fragen, und er war sehr hilfsbereit.» Seine internationalen, hervorragend geplanten Concours, die er jahrelang im solothurnischen Neuendorf organisierte waren auch für Paul Estermann immer ein Highlight. «Er wird uns allen fehlen.»

Sechs Jahre war der internationale Reiter Niklaus Schurtenberger (49) früher bei Willi Melliger im Stall, bevor er vor etwa zehn Jahren auf seine eigene Anlage in Lyss zog, und er reitet noch heute Pferde von ihm. Auch Niklaus Schurtenberger ist erschüttert, das sein Freund verstorben ist. «Ich hatte alle meine guten Pferde durch ihn», erklärt er. «Wie auch mein früherer Crack Cantus, welchen mir Paul und Priska Erni (Eich), die ihn von Willi kauften, zur Verfügung stellten.»

Willi Melliger wird bei uns allen eine riesige Lücke hinterlassen und immer in unserem Herzen sein. Seiner Familie und seinen Freunden gelten unsere Gedanken in dieser schweren Zeit.

Hinweis

*Sonja Grob begleitet den Reitsport seit fast 30 Jahren. Seit zwölf Jahren ist sie Präsidentin des Verbandes Schweizer Concours-Reiter (VSCR).

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