RINGEN: Das nächste Juwel der Scherrers

Samuel Scherrer (17) reiht Sieg an Sieg. Das grosse Willisauer Talent will morgen Samstag im Halbfinal gegen Freiamt erneut zeigen, was in ihm steckt.

Simon Gerber
Drucken
Teilen
Samuel Scherrer stemmt seinen Cousin Nick in die Höhe: Wird er es bald auch mit dem Pokal für den Schweizer Meister tun? (Bild Dominik Wunderli)

Samuel Scherrer stemmt seinen Cousin Nick in die Höhe: Wird er es bald auch mit dem Pokal für den Schweizer Meister tun? (Bild Dominik Wunderli)

Er ist noch nicht einmal im Juniorenalter. Und schon hat sich Sämi Scherrer den Respekt seiner Gegner auf der Ringermatte erkämpft. Das Ausnahmetalent ist in der laufenden Mannschaftsmeisterschaft der wertvollste Ringer im Team von Rekordmeister Willisau. Der 1,81 Meter grosse und 76 Kilogramm schwere Athlet hat bisher als einziger sämtliche zehn Kämpfe gewonnen. Als Klassenbester setzte er sich mit Nicolas Christen und Patrick Stadelmann auch gegen zwei Schweizer Meister durch und besitzt einen grossen Anteil an der Halbfinalqualifikation der Luzerner Hinterländer. «Zu Beginn der Saison durfte ich nie mit einer solchen Siegesserie rechnen. Nun bin ich stolz darauf. Ich hatte nichts zu verlieren und auch das nötige Wettkampfglück», sagt Sämi Scherrer lächelnd. Er ist einer, der sich sowohl im Beruf als auch im Sport nicht so schnell zufrieden gibt. «Wenn ich etwas mache, dann richtig und mit aller Konsequenz. Aber auch mit der nötigen Lockerheit. Diese Einstellung hat sich bis jetzt ausbezahlt», bilanziert Sämi Scherrer.

Unbeschwert und schlitzohrig

So engagiert wie der 17-Jährige spricht, so engagiert kämpft er auch auf der Matte. Er ist für sein Alter technisch schon vielseitig und hat auf die Angriffe des Gegners fast immer eine Antwort parat oder greift selber mit Beinarbeit an. Beim Freistilspezialisten stimmen aber auch die Schnelligkeit, die Ausdauer und der Wille. Der Bauernsohn wird überall in den höchsten Tönen gelobt, von Teamkollegen und Konkurrenten gleichermassen. Auch Thomas Bucheli der Cheftrainer von Willisau schwärmt von einem ausserordentlich begabten Ringer. «Seine Unbeschwertheit und Schlitzohrigkeit beeindrucken mich immer wieder.»

Am Samstagabend kommt es für den zielstrebigen Burschen im Halbfinalkampf in Muri gegen Freiamt (20.00, Bachmatten) zu einer weiteren Bewährungsprobe. «Ich erwarte ein ausgeglichenes Duell in dem jeder einzelne Punkt zählt. Für den Sieg müssen wir noch einen Gang zulegen, denn die Aargauer verfügen ebenfalls über ein sehr ausgeglichenes Team. Neben der Mannschaftsaufstellung dürften die Tagesform und das Glück über den Ausgang entscheiden», glaubt der ehrgeizige Sportler. Er will wieder sämtliche Register seines Könnens ziehen, damit Willisau nach 2010 wieder einmal den Final erreicht.

Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Das Ringen wurde Sämi Scherrer praktisch in die Wiege gelegt. Schon sein Vater Pius und sein Onkel Rolf machten mit dem Gewinn von Schweizer-Meister-Titeln Furore. Als bisher einziger Willisauer nahm Rolf Scherrer an zwei Olympischen Spielen 2000 in Sydney und 2004 in Athen teil. «Er ist eine grosse Persönlichkeit und deshalb auch mein Vorbild. Das Rampenlicht suchte er nie und blieb stets auf dem Boden. Zusammen mit Joe Bossert war er auch mein Jugendtrainer», schwärmt Sämi Scherrer. Für ihn kam nie eine andere Sportart in Frage. Ringen sei im Hinterland so populär, dass man sich fast automatisch für diesen Sport entscheide. «Im Alter von sieben Jahren stand ich erstmals auf der Matte und es hat sofort gefunkt», blickt Sämi Scherrer zurück. Inzwischen ist der Hobby-Skifahrer bereits siebenfacher Jugend- und Kadetten-Meister.

Fernziel Tokio 2020

Als absolutes Highlight bezeichnet der mit drei Schwestern aufgewachsene Willisauer den 5. Rang im vergangenen Juli an der Kadetten-Weltmeisterschaft. «Dieses Resultat ist für mich eine grosse Motivation. Es zeigt mir, dass ich mit den Besten mithalten kann», freut sich Scherrer. Nach dem Abschluss der Lehre als Landmaschinenmechaniker bei «Bächtold Landtechnik» in Menznau in zwei Jahren will der ehrgeizige Sportler weiter auf die Karte Ringen setzen. «Das Allerschönste wäre», träumt Sämi Scherrer, «wenn ich einmal an internationalen Wettkämpfen Medaillen gewinnen könnte.» Sein Fernziel sind die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Dann ist er mit 23 Jahren im besten Ringeralter und möchte in die Fussstapfen seines Onkels Rolf Scherrer treten.