RINGEN: Ein Spätzünder als Überflieger

Mit seinem Verein Brunnen ist der Zuger Alexander Büeler Schweizer Meister in der Challenge League (NLB) geworden. Es ist das Highlight einer sehr jungen Karriere.

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Alexander Büeler trainiert hart und diszipliniert für seine Ringerkarriere. Er weiss: «Die Waage lügt nicht.» (Bild Werner Schelbert)

Alexander Büeler trainiert hart und diszipliniert für seine Ringerkarriere. Er weiss: «Die Waage lügt nicht.» (Bild Werner Schelbert)

Michael Wyss

«Das ist ein unbeschreiblich schöner Moment. Den NLB-Titelgewinn mit Brunnen werde ich sicher nie mehr so schnell vergessen, weil es auch mein bisher grösster Triumph war», freut sich Alexander Büeler. Der im Zuger Letzi-Quartier Aufgewachsene entdeckte seine Leidenschaft für den Ringsport spät. Der Metallbauer fand nämlich erst vor zwei Jahren, im Alter von 18 Jahren, den Weg zu seinem neuen Hobby. Seine zweite Saison krönte Büeler nun gleich mit dem Meistertitel in der Vereinsmeisterschaft.

Seine ersten sportlichen Schritte unternahm er auf dem grünen Rasen beim Fussball. Zuerst im Nachwuchs von Zug 94, später beim Team Zugerland. «Der Fussball gab mir nicht die Erfüllung. Ich fand mein Glück in dieser Sportart nicht. Ich suchte eine neue Herausforderung», schildert Büeler, der mit sechs Geschwistern aufgewachsen ist und mit Roman einen um vier Minuten älteren Zwillingsbruder hat. Seinen Sport fand er nun auf der Matte. «Mein Coucousin Christian Bürgler ist schuld, dass ich heute ringe – schuld im positiven Sinne», sagt der sympathische Ringer lachend. «Er war jahrelang Mitglied bei der Ringerriege Brunnen. Nach einigen Trainingseinheiten hat es mich dann gepackt. Und ich möchte keine Sekunde missen. Schade ist nur, dass ich erst mit 18 die Freude an dieser Sportart entdeckte. Doch nun gebe ich Vollgas.»

NLA noch kein Thema

In Brunnen ringt Büeler aus dem einfachen Grund, weil es in der Region Zug keinen Ringerverein gibt. Willisau spielt zwar in der Liga der Grössten mit, wie auch Freiamt. Doch die beiden NLA-Vereine waren keine Option, zumal Willisau auch nicht gerade um die Ecke liegt. «Freiamt wäre von der Distanz her betrachtet interessant gewesen. Doch in Brunnen ist einfach alles familiär, hier fühle ich mich wohl und akzeptiert», weiss Büeler, der in der Gewichtsklasse bis 74 kg Freistil ringt (siehe Box).

Im Sport findet Büeler den perfekten Ausgleich zum Berufsalltag. «Hier kann ich abschalten und in eine eigene Welt eintauchen. Ringen ist wichtiger Lebensinhalt. Momentan könnte ich nicht darauf verzichten.» Und ein Sport, der ihm alles abverlangt: «Ja, er ist sehr vielseitig. Die Technik muss stimmen, die Kondition und eine gute Taktik sind wichtige Voraussetzungen. Und die Freude am Ringen ist ein zentraler Faktor.» Support erhält er an den Wettkämpfen immer von seiner Familie und seiner Freundin Miriam Horat. «Diese moralische Unterstützung ist sicher wichtig. Die Familie steht hinter mir, was ich auch sehr schätze.»

Federer und die Russen

Ein grosses Idol ist für Büeler auch der Schweizer Tennisspieler Roger Federer. «Ich bewundere ihn als Mensch. Er hat keine Starallüren, blieb in all den Jahrzehnten immer bodenständig. Und dass er über eine so lange Zeit immer noch Höchstleistungen erbringt, ist bewundernswert. Er hat alles erreicht und ist immer noch gleich hungrig und siegeswillig.» Auf seinen Sport bezogen, haben es Büeler Russlands Ringer angetan. «Ihre Technik und ihre Griffe haben einfach etwas Faszinierendes. Sie wenden Techniken an, die wir gar nicht kennen. Ihre Voraussetzungen für den Ringsport sind ganz andere. Sie haben mehr Geld zur Verfügung, sind teilweise Profis. Die Ostblock-Länder ringen in einer anderen Liga.» Büelers grosser Traum ist es, eines Tages mit einer Mannschaft in der höchsten Ringerliga mitzutun. «Am liebsten natürlich mit Brunnen. Das wäre super. Wir haben ein tolles Team, einen guten Mix aus jungen und routinierten Ringern und sehr gute Trainer. Das Vereinsumfeld würde es sicher verdienen, wenn wir mittelfristig in der obersten Liga mitmischen könnten.»

Einen Traum hat er

Der Zuger würde aber keinen Wechsel in Betracht ziehen, sollte Brunnen weiterhin in der zweithöchsten Klasse vertreten sein. «Mir gefällt es hier ausgezeichnet. Es gibt keinen Grund zu wechseln. Ich wurde von den Schwyzern auch sehr gut aufgenommen. Und das ist keine Selbstverständlichkeit, wenn man den Kantönligeist berücksichtigt. Zuger haben es sonst hier nicht so einfach», sagt er lachend. Und welche Ziele verfolgt Büeler in der Einzelmeisterschaft? «Ich träume von einer Medaille an einer Schweizer Meisterschaft im Freistil. Diesen Traum will ich verwirklichen.» Um dieses Ziel zu erreichen, investiert Büeler auch viel Zeit: «Während der Saison stehe ich praktisch täglich auf der Matte. Ich trainiere in Brunnen und habe auch die Möglichkeit, bei der Ringerriege Schattdorf noch Trainingseinheiten zu absolvieren.»

Ja kein Gramm zu viel

Ganz wichtig ist auch die Ernährung, wie Büeler bestätigt: «Während der Saison achte ich sicher darauf, was ich esse. Denn ich kann mir kein Gramm Übergewicht leisten», sagt er, «die Waage lügt ja bekanntlich nie.» Eine Lösung hat Büeler mit der Paleo-Diät während der Wettkampfsaison gefunden. Er erklärt: «Die sogenannte Steinzeiternährung ist die artgerechte Ernährung für den Menschen. Das heisst: viel Gemüse, hochwertige Tierprodukte, Obst, kein Getreide und keine Hülsenfrüchte. So bin ich fit und kann mein Gewicht von 74 Kilogramm halten. Die Selbstdisziplin ist dabei enorm wichtig.»

Spannender Aufstiegskampf

Als Meister der Challenge League bestreitet Brunnen derzeit die Aufstiegsrunde zur Premium League (NLA). Brunnen kämpft gegen Einsiedeln, den Letztplatzierten dieser Klasse, um den letzten Platz in der höchsten Liga. Der erste Wettkampf wurde vor 300 Fans knapp mit 17:19 verloren. «Es waren tolle Kämpfe, wir konnten Einsiedeln das Leben schwer machen. Die Spannung für den Rückkampf konnten wir aufrechterhalten», freute sich Büeler.

Wer weiss, vielleicht gelingt dem Unterdog ja die ganz grosse Überraschung. Der Aufstieg könnte für Büeler und seine Teamkollegen früher zum Thema werden als geplant. Der Rückkampf findet am 6. Dezember in Brunnen statt (15.00, Sporthalle).