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RINGEN: Vieles spricht für Willisau

Morgen Abend steigt in der Willisauer BBZ-Halle (19.00) der zweite Finalkampf zwischen Willisau und Hergiswil. Die beiden Trainer Thomas Bucheli (Willisau) und Olaf Brandt (Hergiswil) loten die Chancen ihrer Teams aus.
Zwei Trainer, zwei Ausgangslagen: Thomas Bucheli (links) kann mit Willisau morgen Abend Meister werden, Hergiswils Olaf Brandt will mit einem Sieg einen dritten Kampf erzwingen. (Bild Nadia Schärli)

Zwei Trainer, zwei Ausgangslagen: Thomas Bucheli (links) kann mit Willisau morgen Abend Meister werden, Hergiswils Olaf Brandt will mit einem Sieg einen dritten Kampf erzwingen. (Bild Nadia Schärli)

Simon Gerber

«Jetzt wollen wir die Ernte einfahren»

Thomas Bucheli prägte als Freistilspezialist die Schweizer Ringerszene während vieler Jahren in der Gewichtsklasse bis 84 Kilogramm. Die glanzvolle Karriere des heute 38-Jährigen wurde von 23 Schweizer-Meister-Titeln gekrönt. Als sein schönstes Erfolgserlebnis bezeichnet der in Buttisholz aufgewachsene und heute in Willisau wohnhafte Hobby-Biker den achten Platz an den Weltmeisterschaften 2005 in Budapest. Dreimal scheiterte der gelernte Zimmermann an der Qualifikation für die Olympischen Spiele. Er habe immer alles gegeben, um sich den grossen Traum zu verwirklichen.

Nach dem Abschluss der Karriere 2010 wechselte Bucheli nahtlos in die Funktion als Cheftrainer. Er war prädestiniert, die Nachfolge von Daniel Minder anzutreten. Der inzwischen diplomierte «Trainer Leistungssport» überzeugte von Beginn weg sowohl mit seinen fachlichen Kenntnissen als auch mit Führungsfähigkeiten. Hinzu kommt die Akzeptanz im ganzen Verein. Bucheli führt nicht mit eiserner Hand. «Zwischenmenschliche Gespräche sind wichtig, ich muss nicht den Chef spielen, das ist nicht meine Art.» Mit seinem Einfühlungsvermögen findet Bucheli für jeden Ringer immer die richtigen Worte.

Thomas Bucheli, waren Sie überrascht vom klaren 18:13-Sieg gegen den Erzrivalen Hergiswil?
Bucheli:
Ich hatte mit einem sehr knappen Ausgang gerechnet. Es war unglaublich, wie motiviert und hungrig meine Athleten ans Werk gingen. Das beste Beispiel war der 16-jährige Tobias Portmann mit dem Überraschungscoup gegen den favorisierten Thomas Wisler.

Wie oft haben Sie diesen Sieg schon am Video studiert?
Bucheli:
Zuerst am Samstag unmittelbar nach der Begegnung, dann immer diese Woche wieder. Die Analyse der zehn Kämpfe ist für mich als Trainer und die Ringer seit Jahren von grosser Bedeutung und im Training ein wichtiger Bestandteil der Vorbereitungen.

Wo setzen Sie die Akzente in der Vorbereitung für das nächste Duell vor morgen Samstagabend?
Bucheli:
Wir führen mit den Athleten individuelle Gespräche. Dabei liegt der Fokus auf der Technik und der Taktik. Mental versuchen wir, wieder die gleiche Spannung wie am letzten Samstag aufzubauen. Das Selbstvertrauen ist nach dem Sieg natürlich gross. Die Ringer müssen wach bleiben und dürfen den Gegner niemals unterschätzen.

Welches ist die wichtigste Message, welche Sie den Ringern mitgeben?
Bucheli:
Wir dürfen den Sack zumachen, Hergiswil steht, um einen dritten Kampf erzwingen zu können, enorm unter Druck. Vor eigenem Publikum zeigten wir immer wieder starke Leistungen und haben nur selten verloren. Vor fünf Jahren gewannen wir in der BBZ-Halle unseren letzten Final gegen Hergiswil.

Welche Reaktion erwarten Sie von Hergiswil?
Bucheli:
Olaf Brandt muss bei der Mannschaftsaufstellung etwas riskieren und wird bestimmt Rochaden vornehmen. Allzu viele Varianten stehen ihm allerdings nicht zur Auswahl, gewisse Athleten sind gesetzt. Dank ihrer Routine haben die Hergiswiler in den ersten fünf Duellen bestimmt einen Vorteil.

Rekordmeister Willisau ist also für einen weiteren Titelgewinn bereit ...
Bucheli:
Alle glauben fest daran, dass es am Samstag gelingen wird, den Meisterpokal zu feiern. Wir haben unser junges Team über Jahre aufgebaut. Jetzt wollen wir die Ernte einfahren. Fünf Jahre nach dem Gewinn der Goldmedaille als Aktivringer wäre es für mich als Trainer ein ganz besonderes Erfolgserlebnis.

«Ich spüre absolut keinen Druck»

Olaf Brandt, der neue Trainer der Ringerriege Hergiswil, ist im Luzerner Hinterland noch wenig bekannt. Wer ist dieser 44-jährige Mann, dessen Markenzeichen lange Haare und sein Motorrad sind? Der Sohn eines Tischlers und Bootsbauers ist in einfachen Verhältnissen in Greifswald in der ehemaligen DDR aufgewachsen. An deutschen Meisterschaften stand der gelernte Zweiradmechaniker in der Klasse bis 57 kg mehrmals zuoberst auf dem Podest. Zu seinen Highlights zählen der 11. Platz an den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona und Rang 5 an den Europameisterschaften 1997.

Ein schwerer Motorrad-Unfall beendete 2011 die erfolgreiche sportliche Karriere. Drei Jahre später kam der ehemalige Weltklasseringer in die Schweiz, um Land und Leute kennen zu lernen. Durch Zufall landete Olaf Brandt, der über die deutsche Trainerlizenz verfügt, beim zweifachen Meister Hergiswil. Seit vergangenem Mai ist er Cheftrainer. Brandt sieht sich als Teamplayer. Er habe gerne Leute um sich, um Meinungen auszutauschen und Kompetenzen zu bündeln. «Ich bin aber auch ein Mann der klaren Worte und verlange von den Athleten viel.» Klar ist: Im Napfdorf weht ein frischer, ein rauerer Wind als auch schon. Denn eine harte Linie und strukturierte Arbeit zeichnen den Deutschen Olaf Brandt aus.

Olaf Brandt, wie fällt Ihre Analyse nach der Niederlage gegen Willisau am letzten Samstag aus?
Brandt:
Uns hat das Wettkampfglück gefehlt. Der Gegner mit fünf international erprobten Athleten war klar besser. Wenn nicht alle zehn Hergiswiler ihre maximalen Möglichkeiten ausschöpfen können, reicht es eben nicht zum Sieg.

Wie gross ist der Druck, der morgen Abend auf dem Team lastet?
Brandt:
Ich spüre absolut keinen Druck. Wir haben nach dem Verletzungspech einiger Athleten mit der Finalqualifikation bisher mehr erreicht, als wir erwarten durften. Wir haben wirklich nichts zu verlieren. Wir bauten das Selbstvertrauen in dieser Woche neu auf, sind bestimmt parat morgen Abend.

Welche Taktik verfolgen Sie für die Begegnung von morgen Abend gegen den Rekordmeister?
Brandt:
Wir können nur das herausholen, was momentan im Tank ist. Im Gegensatz zu Willisau verfügen wir nicht über ein derart grosses und breites Kader. Das heisst, unsere Varianten in der Mannschaftsaufstellung sind eingeschränkt. Die Entscheidung fällt aber nicht mit der Aufstellung. Die Athleten müssen sich auf der Matte steigern.

Was spricht für Hergiswil?
Brandt:
Vielleicht das Glück des Tüchtigen. Wir müssen mindestens zwei Schlüsselkämpfe auf unsere Seite drehen. Wenn, wie im ersten Halbfinalkampf gegen Kriessern, die zehn Ringer eine Punktlandung machen, ist ein Sieg und somit ein dritter Kampf möglich.

In einem Finalkampf sind Disziplin, Einsatz und Konzentration gefordert. Was erwarten Sie von den Athleten sonst noch?
Brandt
: Ein Kampf um jeden Punkt ist das Erfolgsrezept. Jeder Zähler kann für den Sieg oder die Niederlage ausschlaggebend sein. Die Ringer müssen Verantwortung übernehmen und an ihre persönliche Grenzen gehen, sonst wird man nie ein Champion.

Wagen Sie eine Prognose?
Brandt:
Ich erwarte einen knappen Ausgang. Willisau ist für mich seit Meisterschaftsbeginn der Titelfavorit. Ich hoffe, dass nicht die drei Unparteiischen den Kampf entscheiden werden. Am letzten Samstag erfüllten sie, abgesehen von zwei Ausnahmen, ihre Aufgabe gut.

Ohne Einfluss auf die Besetzung

Nach Abschluss der Qualifikationsrunde lag Willisau auf dem zweiten und Hergiswil auf dem vierten Platz. Das Reglement sieht vor, dass der schlechter klassierte Klub im ersten Finalkampf Heimvorteil geniesst. Weil die Steinacher-Halle im Kräuterdorf für einen Finalkampf zu klein ist, mussten die Napfringer ins Exil nach Willisau in die BBZ-Halle ausweichen. Morgen hat nun Willisau Heimrecht. Sollten die Willisauer verlieren, käme es in einer Woche in der gleichen Halle zum dritten Kampf. Heimvorteil hätte dasjenige Team, welches aus den beiden Kämpfen mehr Punkte auf dem Konto hat.
Auf die Besetzung der einzelnen Gewichtsklassen hat der Heimvorteil keinen Einfluss. Jeder Trainer setzt seine Athleten so ein, wie er die grössten Siegeschancen für sein Team sieht.

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