RINGEN: Vom Titelverteidiger überfahren

Der Ringerriege Schattdorf ist der Saisoneinstieg in die NLA-Mannschaftsmeisterschaft gründlich missraten. Im Heimkampf gegen Kriessern kassieren die Urner eine hohe 11:27-Niederlage.

Urs Hanhart
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Der Schattdorfer Nicolas Christen (in Rot) lässt David Hungerbühler keine Chance und fährt einen der schliesslich zwei Siege ein. (Bild: Urs Hanhart (Schattdorf, 2. September 2017))

Der Schattdorfer Nicolas Christen (in Rot) lässt David Hungerbühler keine Chance und fährt einen der schliesslich zwei Siege ein. (Bild: Urs Hanhart (Schattdorf, 2. September 2017))

Urs Hanhart

urs.hanhart@urnerzeitung.ch

«Mit unserer Vorstellung bin ich überhaupt nicht zufrieden. Wir haben unerwartet deutlich verloren. Das ist sehr enttäuschend, zumal wir nahezu in Bestbesetzung mit allen Doppellizenzringern antreten konnten», sprach Schattdorfs «Spielertrainer» Michael Jauch Klartext und versuchte nichts zu beschönigen. Dann fügte er noch an: «Der letztjährige Schweizer Meister Kriessern war besser bereit und hat alle entscheidenden Kämpfe für sich entschieden. Dadurch ist dieses klare Resultat zu Stande gekommen.»

Bei den Gastgebern war beim ersten Heimauftritt schon von Beginn weg der Wurm drin. In den ersten fünf Fights vor der Pause setzte es lauter Niederlagen ab. Dadurch lagen die Platzherren bei Halbzeit schon fast hoffnungslos mit elf Punkten (3:14) im Hintertreffen. Allerdings war auf Seiten der Urschweizer auch einiges Pech im Spiel. Gleich mehrere Kämpfe endeten denkbar knapp, so auch derjenige von Michael Jauch im Schwergewicht. Er unterlag seinem Gegner Roman Betschart nach einem ausgeglichenen Fight mit 3:5 Punkten. Auch der Kampf von Bence Dvorak in der 97-Kilogramm-Freistilklasse gegen Damian Dietsche hätte durchaus zu Gunsten des Urners ausgehen können. Der Lokalmatador verlor hauchdünn mit 10:12. Sven Gamma, Simon Gerig und Doppellizenzringer Morteda Abd al Sada (Stammclub Brunnen) hingegen mussten deutliche Niederlagen einstecken.

Zwei Siege nach der Pause

Die Hoffnungen der Schattdorfer, im zweiten Durchgang zu einer Aufholjagd ansetzen zu können, verflogen sehr schnell. Im sechsten Kampf (86 Kilogramm Greco) war Lucas Epp gegen Fabio Dietsche völlig chancenlos. Der Fight endete bereits in der ersten Runde durch technische Überlegenheit zu Gunsten des Ostschweizers. Dann endlich war die Durststrecke in Sachen fehlender Erfolgserlebnisse beendet. Matteo Dodos sorgte in der 70-Kilogramm-Greco-Klasse für den ­ersten Einzelsieg in der Mannschaftsmeisterschaft. Er hatte seinen Gegner Christian Wolf problemlos im Griff und gewann deutlich nach Punkten. Keinen Einstand nach Mass verzeichneten die beiden weiteren Neuverpflichtungen in den Reihen der Urner. Doppellizenzringer Christoph Kirchhofer (Stammverein Thalheim) unterlag klar nach Punkten, und Kim Besse kassierte nach zunächst guten Aktionen eine Schulterniederlage. Für einen versöhnlichen Schlusspunkt sorgte Nicolas Christen in der 74-Kilogramm-Greco-Klasse. Das Aushängeschild der Ringerriege feuerwerkte gegen David Hungerbühler von Beginn weg pausenlos. Noch vor Ablauf der zweiten Runde wurde dieser einseitige Fight durch technische Überlegenheit beendet. Allerdings nützte der Mannschaft dieser Sieg nichts mehr. Christen konnte notgedrungen nur noch Resultatkosmetik betreiben.

Die Ringerriege Schattdorf hat sich den Sprung in den Halbfinal zum Ziel gesetzt. Dazu müsste sie in der zehn Runden umfassenden Qualifikation mindestens zwei Teams hinter sich lassen. Für Jauch ist jetzt schon klar: «Wir müssen uns noch deutlich steigern, wenn wir den Einzug in die Vorschlussrunde schaffen wollen. Diesmal wird es ­ohnehin brutal hart, zumal sich auch der bisherige Aussenseiter Einsiedeln deutlich verstärkt hat.» Mit Ausnahme der Saison 2015, als die Schattdorfer für einen Coup sorgten und den vierten Platz belegten, landeten die Urner in den letzten Jahren stets auf dem fünften Schlussrang und sicherten sich damit den Verbleib in der Nationalliga A. Da Einsiedeln nun deutlich stärker einzustufen ist, könnte für Schattdorf der Ligaerhalt zu einer echten Knacknuss werden.