Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Magnus Carlsen (links) strebt seinen vierten WM-Titel an. Herausforderer Fabiano Caruana spielt seine erste WM. (Bilder: AP/DPA)

Magnus Carlsen (links) strebt seinen vierten WM-Titel an. Herausforderer Fabiano Caruana spielt seine erste WM. (Bilder: AP/DPA)

Rockstar trifft auf Roboter: An der Schach-WM spielt Titelverteidiger Magnus Carlsen gegen Fabiano Caruana

Am Freitag beginnt in London die WM. Während Magnus Carlsen zum dritten Mal antritt, seinen Titel zu verteidigen, bietet sich Fabiano Caruana erstmals die Möglichkeit, Weltmeister zu werden.
Philipp Wolf

Magnus Carlsen: der Erfahrene

Jeder könne Magnus Carlsen schlagen, heisst es auf der Webseite des Norwegers. Zumindest den fünfjährigen Carlsen: in einer Schach-App, in der gegen den Weltmeister in einem beliebigen Alter angetreten werden kann. Den 27-jährigen Carlsen schlagen nur die wenigsten. Und trotzdem blickt die Schachwelt in letzter Zeit beinahe besorgt auf ihren Rockstar, der in den vergangenen Jahren das Image des Sports entstaubte.

Carlsen scheint die Unbeschwertheit, mit der er noch 2013 seinen ersten WM-Titel gewann, langsam aber sicher abhanden gekommen zu sein. Vor wenigen Wochen beim European Club Cup im griechischen Porto Carras, dem letzten Turnier vor der WM, blieb Carlsen lediglich mit Biegen und Brechen ungeschlagen. Die Weltnummer eins war weit davon entfernt zu brillieren. So heisst es zu Beginn der WM, das Genie sei ausser Form, der Druck der Titelverteidigung hemme die Spielfreude. Glaubt man den Ausführungen der Londoner «Times», überrascht das wenig. Laut dieser wurde das Bestreiten einer Schach-WM schon als mentales Äquivalent zu einer Mount-Everest-Besteigung in Tennisschuhen und ohne Sauerstoff bezeichnet.

Carlsen ist ein Instinktspieler

Carlsen hat die Besteigung schon dreimal gemeistert, ein vierter Erfolg käme da keinem Wunder mehr gleich. Will Carlsen den WM-Titel verteidigen, so muss er sich auf die Stärken besinnen, die ihn einst an die Weltspitze brachten, sind sich Experten einig. Carlsen verstünde es wie kein Zweiter, eine Partie in unbekannte Bahnen zu lenken. Befindet sich eine Begegnung einmal abseits von Varianten, die von Spielern einstudiert und von Computern berechnet wurden, so kommt Carlsens Genie zur Geltung. In solchen Situationen kann der Norweger sich auf eine Spiel­intuition und einen Instinkt verlassen, die er besitzt wie kein anderer Schachspieler.

Der Gegner wird schliesslich von Carlsen Zug um Zug in die Enge getrieben und kann am Ende nur noch seine Niederlage eingestehen. Von den vier Begegnungen zwischen Carlsen und Caruana in diesem Jahr gewann der Norweger eine, die restlichen drei endeten Remis. Sebastian Bogner, Schach-Schweizer-Meister, sagt: «Das Head-to-Head spricht zwar für Carlsen, doch die jüngsten Resultate sprechen für Caruana.» Trotzdem denkt Bogner, dass es Carlsen gelingen wird, den Titel zu verteidigen.

Fabiano Caruana: der Neuling

Die Vereinigten Staaten von Amerika haben ihren festen Platz in den Geschichtsbüchern des Schachs. Die Episode, wie der US-Amerikaner Bobby Fischer auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges 1972 dem Russen Boris Spasski den WM-Titel abnahm, ist weithin bekannt. Danach verschwanden die USA für gut 40 Jahre von der Schachlandkarte, bis Fabiano Caruana begann, Aufsehen zu erregen. Der in den USA geborene Italo-Amerikaner spielte bis 2015 für den italienischen Verband, wechselte dann aber – angeblich waren Hunderttausende von Dollars im Spiel – zum amerikanischen.

Der 26-jährige Caruana sagt, Fischer sei in der Tat einer der Spieler gewesen, die ihn am meisten beeinflusst hätten. Nun macht sich die Weltnummer zwei daran, es Fischer gleichzutun. Dies, nach dem Caruana im März das Kandidatenturnier in Berlin für sich entschied, an dem er nicht favorisiert war. An der WM ist er weder Favorit noch krasser Aussenseiter. Weltmeister Carlsen bezeichnete Caruana als «absolut schlimmsten Gegner». Der Schachdominator der vergangenen Jahre nimmt den Herausforderer ernst und weiss um dessen Begabung. Caruana ist wie Carlsen ein Schachgenie, wenn auch nicht mit den gleichen Stärken.

Caruana wird von Carlsen "Computer" genannt

Der Italo-Amerikaner ist am Brett dazu fähig, die sich ihm bietenden Möglichkeiten mit einer Präzision zu berechnen und zu analysieren, als wäre er ein Roboter. Diese Begabung seines Herausforderers kennt Carlsen. Als dieser vor einigen Jahren gefragt wurde, Caruana mit einem Wort zu beschreiben, antwortete Carlsen: «Computer». Der Norweger wählte diese Beschreibung nicht abwertend. Caruana hat als WM-Neuling weniger Erfahrung als Carlsen, doch gibt es auch Aspekte, die für den ein Jahr jüngeren Herausforderer sprechen. Dieser ist topmotiviert und geht mit grossem Selbstvertrauen in die Begegnung. Diesbezüglich gibt es beim aktuellen Weltmeister Fragezeichen. Schach-Schweizer-Meister Sebastian Bogner sagt: «Auf ­diesem Niveau sind Selbstvertrauen und Motivation extrem wichtig.» Fehle der absolute Glaube an die eigenen Fähigkeiten und der unbedingte Siegeswille, werde es schwierig. In diesen Belangen sehen Experten Caruana derzeit im Vorteil. Dem WM-Neuling wird zugetraut, in Fischers geschichtsträchtige Fussstapfen zu treten.

Bis die Zeit knapp wird

An der WM in London werden maximal zwölf Runden ausgetragen. Magnus Carlsen und Fabio Caruana spielen abwechselnd mit Weiss und Schwarz. Bei diesen Runden beträgt die Bedenkzeit 100 Minuten für die ersten 40 Züge und 50 Minuten für die folgenden 20 Züge. Für den Rest der Partie kommen 15 Minuten hinzu, bei einer Zeitgutschrift von 30 Sekunden pro Zug. Ab dem 30. Zug von Schwarz sind Remisangebote zulässig. Ein Sieg wird mit einem Punkt gewertet, ein Remis mit einem halben. Erreicht ein Spieler 6,5 Punkte, ist er der neue Weltmeister. Steht nach zwölf Runden noch kein Sieger fest, wird nach einem Ruhetag ein Tiebreak ausgespielt. Dabei werden zuerst mehrere Partien Schnell- und falls nötig Blitzschach gespielt. Bei beiden Formaten haben die Spieler nur eine begrenzte Bedenkzeit zur Verfügung. Steht danach immer noch kein Sieger fest, gibt es eine Armageddon-Partie. Bei dieser hat Schwarz vier und Weiss fünf Minuten Bedenkzeit. Im Falle eines Remis geht der Sieg und somit der Titel an Schwarz. Geht das Turnier über die volle Distanz, endet es am 28. November. (pw)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.