Roger Federer als Spielball der Interessen und die Gefahr einer Eskalation

Das Corona-Virus diktiert auch die Sportagenda. Seit die French Open ihr Turnier vom Mai in den September verlegt haben, wird im Tennis um die besten Plätze gestritten. Und mittendrin ist Roger Federer.

Simon Häring
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Roger Federer wird als Spielball der Interessen instrumentalisiert.

Roger Federer wird als Spielball der Interessen instrumentalisiert.

Bild: Keystone

Die Welt ist nicht mehr die gleiche, seit Roger Federer das letzte Mal auf einem Tennisplatz gestanden ist. Das Coronavirus diktiert auch seinen Alltag. Am Freitag leistete er der Aufforderung von Bundesrat Alain Berset folge, die Schweizer auf das gemeinsame Ziel, die Bekämpfung der Pandemie, einzuschwören. Aufgenommen hat er das Video in Valbella, wo er sich von einem Eingriff am rechten Knie erholt. Seine Welt steht still, nicht aber die im Tennis-Zirkus. Und dort wird Federer als Spielball der Interessen instrumentalisiert, seit die French Open ihre Austragung vom Mai in den September verschoben und damit Irritationen ausgelöst haben.

Denn zeitgleich, vom 25. bis 27. September, findet der Laver Cup statt, der Kontinentalwettbewerb zwischen Europa und dem Rest der Welt, den Federer mit seinem Agenten Tony Godsick initiiert hat. Der Anlass in Boston sei restlos ausverkauft, und man halte am Termin fest. Organisiert wird der Laver Cup von der Agentur Team 8, Partner sind Tennis Australia, der amerikanische Verband USTA und die Profi-Vereinigung ATP. Selbst der internationale Tennisverband ITF, unter dessen Schirmherrschaft die Grand-Slam-Turniere stattfinden, wurde von der Ankündigung der French Open überrascht und versprach, eine gütliche Lösung zu suchen.

Streiten statt Tennis spielen

Die French Open haben mit ihrer Verschiebung Irritationen ausgelöst.

Die French Open haben mit ihrer Verschiebung Irritationen ausgelöst.

Bild: Keystone

Betroffen sind zwar auch St. Petersburg, Metz, Chengdu, Zhuhai, Sofia, Guangzhou, Seoul, Tokio, Wuhan und Taschkent. Doch der Zankapfel bleibt der Laver Cup, denn dort lässt sich mit dem Namen von Roger Federer Politik betreiben. Nun berichtet der amerikanische TV-Sender «ESPN» unter Berufung auf eine Quelle beim Tennis-Weltverband, dieser drohe ATP und WTA, dem Pendant bei den Frauen, mit Klagen. Hintergrund: Es bestehe eine vertragliche Vereinbarung, dass Spieler, die auf Grund ihrer Platzierung in der Weltrangliste Aufnahme im Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers finden, diese bestreiten müssen. Es droht eine Eskalation.

Wegen der Coronakrise ruht auch im Tennis der Spielbetrieb, mindestens bis Anfang April, die Sandsaison ist gestrichen. Die Verschiebung der Olympischen Spiele lindert die Terminnot nur geringfügig. Noch offen ist, wie Wimbledon auf die Pandemie reagiert. Als wahrscheinlich gilt derzeit eine Absage wie in Kriegsjahren. Während des zweiten Weltkriegs wurden 17 Grand-Slam-Turniere nicht gespielt, einzig die US Open finden seit 1881 ohne Unterbruch statt. Angesichts der Entwicklungen der letzten Wochen ist fraglich, ob in diesem Jahr überhaupt noch Tennis gespielt werden kann. Nur gut, dass man wenigstens streiten kann.

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