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Für seinen 99. Turniersieg muss Roger Federer viel arbeiten

Roger Federer gewinnt zum neunten Mal sein Heimturnier in Basel – nicht als Künstler, sondern als Kämpfer. Im Final bezwingt er den rumänischen Qualifikanten Marius Copil 7:6 (7:5), 6:4.
Simon Häring, Basel
Kostet seinen Triumph im Final gegen Marius Copil (links) aus: Roger Federer mit dem Pokal. (Bild: Alexandra Wey/Keystone (Basel, 28. Oktober 2018))

Kostet seinen Triumph im Final gegen Marius Copil (links) aus: Roger Federer mit dem Pokal. (Bild: Alexandra Wey/Keystone (Basel, 28. Oktober 2018))

Es war ein Bild wie immer. Roger Federer streckte seine Arme zum Jubel in die Luft. Mit einem 7:6 (7:5), 6:4 gegen den rumänischen Qualifikanten Marius Copil (28, ATP 93) triumphierte er zum neunten Mal in seiner Heimatstadt, zum vierten Mal in den letzten fünf Jahren. Danach verteilten die Finalisten die Medaillen an die Ballkinder. Kurz darauf nahm Federer den Pokal in Empfang. Wie immer spendierte er den Ballkindern, zu denen er früher selbst gehört hatte, im Bauch der St.-Jakobs-Halle Pizza. Roger Federer (37), der Künstler: leichtfüssig, filigran, der Mann der Zauberschläge. Der Mann, über den einmal geschrieben wurde, er sei ein Geschöpf, dessen Körper gleichzeitig Fleisch und Licht ist. Der Mann der Superlative.

Er dankt dem Publikum: auf Englisch, auf Französisch, auf Baseldytsch. Und er verdrückt auch ein paar Tränen. Alles wie immer. Doch es war keine Woche wie immer. Roger Federer war in dieser Woche nie der Mann der Superlative. Er musste in jedem Spiel mindestens einmal den Aufschlag abgeben. Er schlug zahlreiche Doppelfehler. Nur selten zeigte er jenen Spielwitz, jene Leichtfüssigkeit, die ihn sonst auszeichnen. Es brauchte keinen Rafael Nadal, keinen Novak Djokovic, keinen Juan Martin Del Potro, um ihn zu fordern. Es waren Gegner wie Filip Krajinovic, Gilles Simon und eben Marius Copil.

Harte Arbeit im Hintergrund

Es ist das Los des Künstlers, dass leicht aussieht, was beschwerlich ist. Auf kaum einen trifft das mehr zu als auf Federer. Doch das ist es auch für ihn nicht, das war es nie. Abseits des Schwenkbereichs der Kameras arbeitet der Baselbieter weitaus härter, als viele das vermuten. Alles für den Rausch auf dem Platz, den tosenden Applaus, die Sekunden im Lichtkegel der Scheinwerfer, die seine letzten sein könnten. Sie sind Lohn für Opferbereitschaft, Wille und Arbeitsethos.

Der Final ist kein Schaulaufen. Er ist vielmehr Spiegelbild der letzten Monate. Federer liegt in beiden Sätzen mit Break hinten, im zweiten Durchgang sogar mit 1:4. Es ist ein Kampf mit einem Gegner, der zum Teil mit Tempi von 243 Kilometern in der Stunde aufschlägt. Aber auch ein Kampf mit sich selbst. Es ist sichtbar, spürbar, hörbar. Und gerade weil er diese Emotionen wieder ungefilterter auslebt als in den Jahren der Dominanz, ist er seinen Fans näher gerückt.

Für Roger Federer ist dieser Sieg auch ein Befreiungsschlag. Sowohl in Cincinnati, wo er im Final stand, als auch in Schanghai (Halbfinal), hatte er die Unbeschwertheit und Leichtfüssigkeit der ersten Monate des Jahres vermissen lassen. Das ging so weit, dass sich der unverbesserliche Optimist ungewohnt selbstkritisch zeigte: «Es ist auch für mich unerklärlich, dass ich so oft meinen Aufschlag abgebe.» 13-mal musste er im Turnierverlauf ein Break hinnehmen, einmal gab er den Service dreimal in Folge ab. Das provozierte Fragen. Fragen, auf die Federer nicht nur keine Antworten wusste, sondern irgendwann auch keine Lust mehr hatte. Es ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass er sich in den letzten Wochen selber stärker in Frage gestellt hat. Insofern markiert Basel das Ende der Selbsttäuschung. Denn seit Ende Februar hat Federer nur noch dreimal gegen Spieler aus den Top Ten gespielt – und verloren. Das ist eine Bilanz, die einem Spieler, der die Hälfte der letzten sechs Grand-Slam-Turniere, die er bestritt, gewonnen hat, nicht gerecht wird. Sie wird vor allem auch seinem eigenen Anspruch nicht gerecht. Doch in Basel hat der 20-fache Grand-Slam-Rekordsieger erste Antworten darauf geliefert, wie er auch künftig zu den Anwärtern auf Titel bei Major-Turnieren zählen kann. Nicht als jener Künstler Federer, als der er in der Öffentlichkeit noch immer vorwiegend wahrgenommen wird. Sondern als Arbeiter, der er schon immer war.

Roger Federer, 37-jährig, seit 20 Jahren als Profi unterwegs, ist noch immer die Nummer 3 der Welt. Er gewann in diesem Jahr vier Turniere. Mit seinem 99. Titel rückt er auch Jimmy Connors immer näher, der mit 109 Titeln als Einziger in dieser Wertung noch vor dem Baselbieter liegt. Weit über 1400 Spiele hat Federer inzwischen bestritten. Das alles sind beeindruckende Zahlen. Sie wären nicht möglich gewesen, wäre Federer nur das, als was er dereinst in die Geschichtsbücher seines Sports eingehen wird: ein Künstler. In Basel rückte für einmal jener Federer ins Rampenlicht, der sonst immer im Schatten jener Lichtgestalt steht: der Kämpfer und Arbeiter.

1. Jimmy Connors (USA)109

2. Roger Federer* (SUI)99

3. Ivan Lendl (Tsch/USA)94

4. Rafael Nadal* (ESP)80

5. John McEnroe (USA)77

6. Novak Djokovic* (SER)72

7. Pete Sampras (USA)64

    Björn Borg (SWE)65

9. Guillermo Vilas (ARG)62

10. Andre Agassi (USA)60

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