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Warum Roger Federer in London einfach mal eine Pause macht

Roger Federer spielt heute (21.00/SRF 2) gegen den Südafrikaner Kevin Anderson um den Einzug in die Halbfinals an den ATP Finals. Die Ausgangslage ist heikel: Bereits ein Satzverlust könnte zum Ausscheiden führen.
Jörg Allmeroth, London
Ein bisschen Gemütlichkeit: Roger Federer nimmt trainingsfrei. Bild: Fred Lee/Getty (London, 13. November 2018)

Ein bisschen Gemütlichkeit: Roger Federer nimmt trainingsfrei. Bild: Fred Lee/Getty (London, 13. November 2018)

Man muss auch mal verzichten können. Das jedenfalls sagte sich Roger Federer noch am Sonntagabend, als er auf der Rückfahrt von der O2-Arena in London ins Spielerhotel darüber nachdachte, welche Konsequenzen seine gruselige Auftaktniederlage bei den ATP Finals gegen den Japaner Kei Nishikori haben müsse. Federer beschloss dann etwas Ungewöhnliches, er strich das Training am spielfreien Montag, er erholte sich in aller Seelenruhe, schöpfte frische Energie und besann sich auch auf seine Stärken. «Ich fand einfach, eine Pause sei das Beste. Und sie tat mir wirklich sehr gut», sagte Federer, «es war der Schlüssel, dass die Dinge sich drehten.»

Es war dann auch vieles deutlich besser, bei Federers 6:3, 6:2-Sieg gegen den Österreicher Thiem in der Abendshow vom Dienstag, im zweiten Gruppenmatch. Aber ein vorläufiges Happy-End war es selbstverständlich auch noch nicht. Der Gruppenmodus bei der Weltmeisterschaft kann seltsam sein, manchmal kann man mit einem Sieg und zwei Niederlagen noch in die Halbfinals kommen. Manchmal aber auch mit zwei Siegen und einer Niederlage scheitern. Das letztere Szenario ist durchaus möglich: Federer könnte die Abschlusspartie gegen den Südafrikaner Kevin Anderson von heute erfolgreich bestreiten – und dennoch leer ausgehen, wenn der Japaner Nishikori gleichzeitig gegen Thiem gewinnt. Es ist, wie immer bei diesem Championat, ein Rechnen und Grübeln vor dem K.-o.-Modus am Wochenende, wer nun unter welchen Bedingungen noch weiter mitspielen darf, es kann sogar um jeden einzelnen Satz, um jedes einzelne Spiel gehen.

Federer lehnte, auch dies ist gute Tradition, ab, sich an den mathematischen Überlegungen zu beteiligen. «Ich kann nur noch eins tun. So gut wie möglich spielen, möglichst klar siegen. Und dann sehen, was passiert», sagte er nach dem glatten Sieg gegen den wenig überzeugenden Thiem.

Der Maestro legt es, ganz gleich, was der heutige letzte Vorrunden-Spieltag bringt, auf jeden Fall darauf an, ein versöhnliches Ende dieser Saison zu schaffen – auch wenn es womöglich nicht reichen sollte für den Titel oder schon für die Halbfinal-Teilnahme. Gegen Thiem wirkte er wie verwandelt, zeigte von den ersten Minuten an eine zupackende, entschlossene Attitüde – und zeigte schnell auf, wer der Herr im Haus ist. «Ich habe mir auch wieder klarmachen können, welches Privileg es ist, bei diesem Turnier mitzuspielen, in dieser Atmosphäre», sagte Federer, «es ist der wichtigste Wettbewerb hinter den Grand Slams.»

Der Riese mit den pfeilschnellen Aufschlägen

Kevin Anderson, der südafrikanische Hüne, wird nun allerdings ein anderes Kaliber sein als French-Open-Finalist Dominic Thiem. Der Riese mit den pfeilschnellen Aufschlägen erlebt 2018 die Saison seines Lebens, nicht nur wegen des Einzugs in den Wimbledon-Final und dem Sieg gegen Federer auf dem Weg dorthin. «Er hat ein tolles Jahr. Wenn er gut aufschlägt, und das tut er im Moment fast regelmässig, kriegt man nur wenige Chancen gegen ihn», sagte Federer, «da muss man mit dem ersten Ballwechsel sofort hoch konzentriert sein.»

Anderson hatte sich mit Topergebnissen auch im Herbst erstmals für das Abschlussturnier der acht Saisonbesten qualifiziert und noch vor den ersten Ballwechseln gesagt: «Hier dabei zu sein, ist ein Privileg für sich. Das war immer ein Traum von mir.» Der Traum könnte noch weitergehen für ihn, selbst dann, wenn er nach zwei Auftaktsiegen nun gegen Federer verliert. «Gegen Roger Federer zu spielen, ist immer etwas Besonderes», sagt Anderson, «und zu siegen, noch mehr.»

Federer übrigens, er pausierte wieder vor diesem Spiel, er trainierte auch am Mittwoch nicht. In der Ruhe liegt hoffentlich die Kraft.

Die Ausgangslage von Roger Federer:

Federer ist für die Halbfinals qualifiziert, wenn...

...er gegen Anderson gewinnt und Nishikori gegen Thiem verliert.

...er gegen Anderson in zwei Sätzen gewinnt und Nishikori gegen Thiem in drei gewinnt.

...wenn er gegen Anderson in drei Sätzen verliert und Nishikori gegen Thiem in zwei verliert.

Federer ist fast sicher für die Halbfinals qualifiziert, wenn...

...er gegen Anderson in zwei Sätzen gewinnt. Beim knappst möglichen Zweisatzsieg Federers (7:6, 7:6) müsste Nishikori gegen Thiem 6:1, 6:1 gewinnen.

Federer ist wahrscheinlich für die Halbfinals qualifiziert, wenn...

...er gegen Anderson in zwei Sätzen verliert und Thiem gegen Nishikori in zwei Sätzen gewinnt. Es bräuchte zwei deutliche Siege (zum Beispiel eine 2:6, 2:6-Niederlage Federers und einen 6:2, 6:2-Sieg von Thiem), damit Thiem anstelle von Federer weiterkommt. Nishikori hat in diesem Szenario keine Chance.

Federer scheidet aus, wenn...

...er gegen Anderson in drei Sätzen gewinnt und Nishikori gegen Thiem gewinnt (egal, ob in zwei oder drei Sätzen).

...er gegen Anderson verliert und Nishikori gegen Thiem gewinnt.

...er gegen Anderson verliert und Nishikori gegen Thiem in drei Sätzen verliert.

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