Roger Federer und sein Laver Cup wehren sich gegen Verschiebung der French Open

Was nicht anders zu erwarten war: Der von Roger Federer initiierte Laver Cup wehrt sich gegen die eigenmächtige Verschiebung der French Open.

Simon Häring
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Der Laver Cup wäre von einer Verschiebung der French Open betroffen.

Der Laver Cup wäre von einer Verschiebung der French Open betroffen.

Bild: Keystone

Wegen der Corona-Krise verschiebt der französische Tennisverband die French Open vom Mai in den September. Neu soll das Sandturnier in Paris eine Woche nach den US Open in New York über die Bühne gehen, vom 20. September bis 4. Oktober. Die Verschiebung war nicht abgesprochen. Nicht mit den drei anderen Grand-Slam-Turnieren, nicht mit dem davon betroffenen Laver Cup, nicht mit dem internationalen Tennisverband, nicht einmal mit den Spielern. Die Reaktionen: Entsetzen, Verwunderung, Befremden. Der Kanadier Vasek Pospisil, der im Spielerrat sitzt, sagte: «Das ist absoluter Wahnsinn. Wir haben in diesem Sport nichts zu sagen.» Und die Japanerin Naomi Osaka fragte rhetorisch: «Wie bitte?»

Der Alleingang der French Open ist ein Affront, auch gegen den von Roger Federer initiierten Laver Cup, der vom 25. bis 27. September in Boston stattfinden soll. Mitorganisatoren des Kontinentalwettbewerbs sind die einflussreichen Verbände Australiens, Tennis Australia, und der USA, die USTA, sowie die Profi-Organisation der Männer, die ATP. Wenige Stunden nach der Ankündigung der French Open nehmen die Partner Stellung und schreiben: «Der Laver Cup ist restlos ausverkauft. Diese Ankündigung ist eine Überraschung und wirft viele Fragen auf.» Fragen, mit denen man sich nun auseinandersetzen werde. Doch die wichtigste Botschaft lautet: «Wir haben die Absicht, den Laver Cup wie geplant durchzuführen.»

Der Court Philipp Chatrier verfügt erstmals über ein schliessbares Dach.

Der Court Philipp Chatrier verfügt erstmals über ein schliessbares Dach.

Bild: Keystone

10 Turniere vom Alleingang betroffen

Wie geplant - in unsicheren Zeiten der Corona-Krise ein grosses Wort. Die Pandemie breitet sich praktisch ungebremst auf dem ganzen Erdball aus. Inzwischen ist sie auf jedem Kontinent angekommen, offiziell wurden in 145 Ländern knapp 200'000 Ansteckungen gezählt, 6000 Menschen sind daran verstorben. Grenzen werden geschlossen, das öffentliche Leben eingeschränkt, Veranstaltungen verboten. Auch für den Sport, in dem Milliarden umgesetzt werden, kommen ungewisse Zeiten zu. Solidarität ist ein Fremdwort, das zeigt nicht nur der Alleingang der French Open. So verlangt der europäische Fussballverband Uefa von seinen Mitgliedern 300 Millionen Euro für die Verschiebung der Europameisterschaft.

Roland Garros bringt den Tennis-Zirkus, der vorläufig für sechs Wochen ruht, in Aufruhr und den Kalender durcheinander. Betroffen wären von der Verlegung nicht nur der Laver Cup in Boston, sondern auch Turniere in St. Petersburg, Metz, Chengdu, Zhuhai, Sofia, Guangzhou, Seoul, Tokio, Wuhan und Taschkent. Beim Weltverband ITF laufen die Drähte derzeit heiss. René Stammbach, der dem Board of Directors angehört und sich derzeit in Selbst-Quarantäne in der Schweiz befindet, sagte zu dieser Zeitung: «Ich wusste nichts davon. Ich weiss nicht, ob das Sinn macht.» Und die Veranstalter von Roland Garros? Die loben sich. Die Entscheidung sei zwar schwierig gewesen, aber auch sehr mutig. Affaire à suivre.

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