Roger Federer vermisst das Tennis nicht und sagt: «Ich trainiere derzeit nicht, weil ich keinen Grund und kein Ziel sehe»

Wegen der Coronakrise ruht der Spielbetrieb im Profi-Tennis bis Ende Juli. Dass es danach tatsächlich weitergeht, scheint zumindest fraglich. Roger Federer glaubt nicht daran. Und trainiert schon seit Wochen nicht mehr.

Simon Häring
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Roger Federer sagt, er vermisse das Tennis nicht gross.

Roger Federer sagt, er vermisse das Tennis nicht gross.

Bild: Keystone

Seit Mitte März wird nicht mehr Tennis gespielt, die Corona-Pandemie diktiert die Sport-Agenda. Wimbledon wurde abgesagt, die French Open auf Herbst verschoben, die Australian Open diskutieren bereits jetzt ein Szenario, wonach das Turnier im Januar 2021 unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden sollen, und die Spieler nach ihrer Abreise für zwei Wochen in Quarantäne müssen.

Im Hintergrund werden Notfallpläne diskutiert, ein erster Entwurf, wann, wo und unter welchen Bedingungen wieder gespielt werden soll, liegt vor, wie Swiss-Indoors-Präsident Roger Brennwald gegenüber dieser Zeitung bestätigte. Davon, dass sein Turnier Ende Oktober über die Bühne gehen wird, geht er längst nicht mehr aus.

Roger Federer hätte die 50-Jahresjubiläum-Ausgabe und die renovierte St. Jakobs-Halle am Montag, 26. Oktober eröffnen sollen. Doch selbst die Spieler, die sich seit Wochen im Wartestand befinden, haben wenig Lust, auf den Platz zurückzukehren. Und schon gar nicht, wenn ohne Publikum gespielt werden soll. In einem offenen Gespräch mit der brasilianischen Tennis-Legende Gustavo Kuerten sagt Roger Federer:

«Ich sehe mich nicht in einem leeren Stadion spielen. Es ist schwer vorstellbar und ich hoffe, dass es nicht passieren wird.»

Das Stadion sollte mindestens zu einem Drittel oder zur Hälfte gefüllt sein, denn «speziell bei grossen Turnieren ist es für mich schwierig, vor leeren Rängen zu spielen.»

Millionen-Spende und Familienzeit

Im Februar stand Roger Federer letztmals auf dem Tennisplatz, als er in Südarfrika mit einem Schaukampf Geld für seine Stiftung sammelte.

Im Februar stand Roger Federer letztmals auf dem Tennisplatz, als er in Südarfrika mit einem Schaukampf Geld für seine Stiftung sammelte.

Bild: Keystone

Roger Federer hatte sich im Februar einer Operation am rechten Knie unterzogen und wäre für mindestens drei Monate ausgefallen. Er wollte im Juli in den Turnier-Zirkus zurückkehren, doch davon scheint er auch gedanklich meilenweit entfernt zu sein. Schon seit Wochen habe er nicht mehr zum Racket gegriffen, gesteht der Baselbieter, der im August seinen 39. Geburtstag feiert. «Derzeit trainiere ich nicht, weil ich keinen Grund und kein Ziel dafür sehe. Ich bin sehr glücklich mit meiner körperlichen Verfassung und denke, dass es noch lange dauert, bis wir auf die Tour zurückkehren.» Er vermisse das Tennis nicht so sehr. Dies werde sich aber ändern, sobald die ersten Turniere in Sichtweite seien.

«Dann habe ich wieder ein Ziel vor Augen, das mich motiviert und für das ich trainiere.»

Als vierfacher Vater kann Federer der Zwangspause auch positive Seiten abgewinnen.

«Seit meiner letzten Operation 2016 sind wir nie mehr länger als fünf Wochen am Stück zu Hause geblieben. Dies ist eine grossartige Zeit für uns. Natürlich machen wir uns manchmal gegenseitig verrückt – wie jede Familie.»

Wie die Tennis-Welt nach der Coronakrise aussehen wird, dazu hat sich Federer aber durchaus Gedanken gemacht. So regte er ein Gründung einer gemeinsamen Dachorganisation für das Profi-Tennis der Frauen und Männer an, die grossen Zuspruch erfuhr. Ausserdem liess er über seine Stiftung mit einer Millionen-Spende Hilfspakete in Afrika verteilen, die 64'000 Kindern und deren Familien zukommen sollen.

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