Roger Federers Schicksal liegt nun in den Händen eines schweigenden Magiers

Das Schicksal von Roger Federer vor dem Halbfinal bei den Australian Open liegt auch in den Händen seines Physiotherapeuten, Daniel Troxler.

Simon Häring, Melbourne
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Als Roger Federer sich bei seinem Fünfsatzsieg gegen den Amerikaner Tennys Sandgren, bei dem er sieben Matchbälle abwehrte, Mitte des dritten Satzes für eine Behandlung einer Verletzung in der Leistengegend zurückzog, nahm er auch ein Schmerzmittel zu sich, wie er nach der Partie sagte. Dieses und das ausgeschüttete Adrenalin trugen ihn zu einem Sieg, den er selber nicht mehr für möglich gehalten hätte. «Eigentlich sah ich mich schon beim Ski fahren in der Schweiz», sagte Federer. Stattdessen bereitet er sich nun auf seinen 15.Halbfinal bei den Australian Open vor, in dem er auf Titelverteidiger und Rekordsieger Novak Djokovic trifft.

Roger Federer kämpft mit seinem Gegner, sich und seinem Körper.

Roger Federer kämpft mit seinem Gegner, sich und seinem Körper.

Knapp 48 Stunden bleiben Roger Federer, um sich und seinen lädierten Körper für die grösste Herausforderung im Männertennis vorzubereiten. Gefragt ist jetzt vor allem das medizinische Personal in seiner Entourage, wie der Schweizer auf Frage dieser Zeitung sagt. Noch in der Nacht auf Mittwoch folgte eine Konsultation bei einem Art in Australien. Dazu steht Federer auch in Kontakt mit seinem Vertrauensarzt in der Schweiz, Roland Biedert. Sollte Federer sich nicht gravierend verletzt haben, liegt sein Schicksal vor allem in den Händen seines Physiotherapeuten.

Daniel Troxler hält sich am liebsten im Hintergrund auf.

Daniel Troxler hält sich am liebsten im Hintergrund auf.

Bild: (Freshfocus)

«Seine Hände sind magisch»

Daniel Troxler verfügt über jahrelange Erfahrung im Spitzensport. «Seine Hände sind magisch», sagte Federer 2017 in Melbourne über Troxler, der zuvor Marathonläufer Viktor Röthlin betreute und zu einem so engen Vertrauten wurde, dass Röthlin ihn später zu seinem Trauzeugen und zum Götti seines Sohnes Ben machte. Troxler war selber Leichtathlet, und ist zudem medizinischer Masseur. Ruhig, höflich, sehr diskret, professionell - so beschreibt Federer Troxler. Dieser hält sich gerne im Hintergrund auf und lässt dafür seine Hände sprechen. Öffentlich äussert er sich nie.

Doch seine Expertise hat Gewicht. Gemeinsam mit Fitnesstrainer Pierre Paganini, den Trainern Severin Lüthi und Ivan Ljubicic, Manager Tony Godsick sowie Ehefrau Mirka und Physiotherapeut Troxler entschied Federer im Juli 2016, seine Saison vorzeitig abzubrechen. Troxler war es auch, der am Ursprung des sorgfältig geplanten Wiederaufbaus stand. Nach seiner Pause arbeitete Federer im Herbst 2016 während dreier Wochen ausschliesslich mit Troxler an der Stärkung der Muskulatur. Er legte damit den Grundstein für Federers Australian-Open-Sieg 2017.

Zwar wurde Troxler erst im Oktober 2014 fester Bestandteil von Federers Entourage, im Dunstkreis des sechsfachen Melbourne-Siegers bewegte er sich aber schon seit den Olympischen Spielen 2000 in Sydney, wo er der Delegation von Swiss Olympic angehörte. Massgeblich beteiligt war er auch am Schweizer Davis-Cup-Sieg 2014. Damals blieben ihm und dem extra nach London eingeflogenen Teamarzt Roland Biedert nur wenige Tage Zeit, um Federer nach einer Rückenblockade für den Final gegen Frankreich in Form zu bringen. Der Rest ist Schweizer Sporteschichte.

Nun liegt Roger Federers Schicksal wieder in den Händen des Magiers.

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