ROLLSTUHLCURLING: Auf dem Weg an die Weltspitze

Zehn Nationen kämpfen an der Weltmeisterschaft in Luzern um die Medaillen. Die Schweiz verfolgt allerdings noch ein anderes Ziel.

Theres Bühlmann
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Claudia Hüttenmoser (links) bei der Abgabe des Steins beobachtet von Susanne Von Gunten (rechts), einem ehemaligen Mitglied des Schweizer Teams. (Bild: PD)

Claudia Hüttenmoser (links) bei der Abgabe des Steins beobachtet von Susanne Von Gunten (rechts), einem ehemaligen Mitglied des Schweizer Teams. (Bild: PD)

Die Schweiz verfolgt an der Heim-Weltmeisterschaft in Luzern ein grosses Ziel: «Wir möchten uns direkt für die Weltmeisterschaften 2017 in Südkorea qualifizieren», sagt Stefan Pfister (59), der Schweizer Nationaltrainer. Mit einem achten Platz wäre alles in «trockenen Tüchern». Die Gastgeber steigen bestens vorbereitet in diese Titelkämpfe, «an gut besetzten Turnieren in Schottland, in den USA und in Kanada holten wir uns den letzten Schliff. Diese längeren Reisen dienten mehrheitlich der Teambildung – und dies ist uns gut gelungen», sagt Pfister. Ein weiteres Ziel ist die Teilnahme an den Paralympischen Spielen 2018 in Pyeongchang. «Wenn wir uns für die WM 2017 qualifizieren und im kommenden Jahr noch weitere Punkte sammeln, dann sind wir in Südkorea fast sicher dabei», blickt Pfister, der 2010 das Amt des Nationaltrainers übernahm und dem CC Luzern City angehört, in die Zukunft.

Gefragt ist Präzision

Im Gegensatz zu den Fussgängern wird beim Rollstuhlcurling nicht gewischt. Die Steinabgabe erfolgt mit einem Stick (Extender), an dessen Ende ein Kopf angebracht ist, der über den Griff auf dem Stein geschoben wird. Diese Extender sind zwischen 160 bis 220 Zentimeter lang. «Curling ist per se schon ein präziser Sport, Rollstuhlcurling ist hochpräzis», beschreibt Pfister eine der Herausforderungen an sein Team. Weil sich dieses aus verschiedenen Vereinen rekrutiert (siehe Programm), verbrachte das Nationalkader in der vergangenen Saison rund 15 Trainingstage gemeinsam und nahm während sechs Wochen an sieben Vorbereitungsturnieren teil.

Mit der Weltmeisterschaft in Luzern verbunden ist auch die Hoffnung, die Schweiz wieder an die Weltspitze heranzuführen, wo sie bis 2009 positioniert war. Bei der ersten inoffiziellen Weltmeisterschaft 2002 in Sursee holten sich die Gastgeber den Titel, zwei Jahre später an gleicher Stätte die Silbermedaille, dann wurde das Palmarès 2005 um eine bronzene Auszeichnung und 2007 um eine weitere Silbermedaille erweitert. 2009 erfolgte der Abstieg in die B-Gruppe. Der Wiederaufstieg gelang nicht mehr, dank der Gastgeberrolle kann die Schweiz aber diese Weltmeisterschaft in Luzern ohne Qualifikation bestreiten.

Rollstuhlcurling wurde erstmals 2006 in Turin in das paralympische Programm aufgenommen. Zweimal, 2006 und 2010, stand die Schweiz im Einsatz, und dies trotz des Abstieges, weil im Vorfeld die Qualifikation bereits unter Dach und Fach war. Sotschi ging ohne die Schweizer Rollstuhlcurler über die Bühne, in Pyeongchang in zwei Jahren wollen die Schweizer mit von der Partie sein.

Gewappnet gegen die Kälte

Nun stellt sich noch die Frage, wie halten sich die Akteure bei einem Spiel, welches rund zwei- bis zweieinhalb Stunden dauern kann, warm? In früheren Zeiten traten die Spielerinnen und Spieler mit geheizter Kleidung an. Damals sorgten Batterien, die in einem kleinen Rucksack mitgetragen und so mittels Drähten, die in Anzug und Socken integriert waren, für Wärme. «Heute», sagt Stefan Pfister, «reicht oft Thermo-Unterwäsche, wie sie Skirennfahrer tragen. Die Rollstuhlcurler sind heute viel athletischer unterwegs, betreiben auch neben dem Eis viel Sport und halten sich unter anderem mit Handbiken, Golfen oder Basketball in Form und verfügen somit über einen sehr guten Stoffwechsel.»

Beste Voraussetzungen also, um ab Sonntag im Luzerner Eiszentrum für Aufsehen zu sorgen.

Rollstuhlcurling-WM in Luzern

Datum: 21. bis 28. Februar 2016

Ort: Eiszentrum in Luzern

Teilnehmer: China, Deutschland, Finnland, Kanada, Korea, Norwegen, Russland, Slowakei, Schweiz, USA.

Titelverteidiger: Russland

Das Schweizer Team: Felix Wagner (Skip, Russikon, Team Wetzikon), Eric Décorvet (Les Diablerets/Team Lausanne), Claudia Hüttenmoser (Goldach, Team St. Gallen), Beatrix Blauel (Folgensbourg (FRA, Team Basel), Marcel Bodenmann (Ossingen, Team Wetzikon).

Programm. Sonntag: 15.15: Präsentation der 10 Teams. – 16.30: Heinz Frei, mehrfacher Paralympic- Sieger, Weltmeister und Behindertensportler des Jahres, eröffnet die Wettkämpfe mit dem traditionellen ersten Stein.

Spiele der Schweizer. Sonntag: Kanada - Schweiz (16.30). – Montag: Schweiz - Slowakei (10.30). Dienstag: Finnland - Schweiz (10.30). – Mittwoch: Schweiz - Deutschland (10.30). USA - Schweiz (15.30). – Donnerstag: Korea - Schweiz (10.30). Russland - Schweiz (15.30). – Freitag: Schweiz - Norwegen (10.30). Schweiz - China (15.30). – Samstag. 19.00: Tiebreak wenn nötig. – 19.00: Playoffs. – Sonntag. 10.00: Halbfinals. – 15.00: Final.

Hinweis

Mehr Infos und Liveresultate unter:

www. worldcurling.org/wwhcc2016