Rollstuhlsport
Gold an den Parathletics-EM ist ein Motivationskick

Mit Marcel Hug, Beat Bösch und Patricia Eachus brillieren in Polen drei Innerschweizer mit Titeln.

Jörg Greb
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Goldmedaille mit 49 Jahren: Der Nottwiler Beat Bösch.

Goldmedaille mit 49 Jahren: Der Nottwiler Beat Bösch.

Bild: Pius Amrein (Nottwil, 27. Mai 2021)

Die Genugtuung von Beat Bösch war riesig nach dem 100-m-Final. Gold gewann der 49-Jährige aus Nottwil, und dabei handelte es sich für ihn nicht um irgendeinen Triumph. «Es ist mir gelungen, diesen EM-Titel zurückzuholen», strich er hervor. Nicht nur der Sieg bereitete Freude. Die Zeit (16,77 Sekunden) bedeutete «Championship Record». Zudem stimmte das Körpergefühl. Da spielte es eine untergeordnete Rolle, dass sich der Routinier keine persönliche Bestzeit notieren lassen konnte. «Die Bahn hier ist weich, das braucht zusätzliche Kraft.»

Zusammen mit dem zweiten Platz über 400 m spricht Bösch von «einer sehr zufriedenstellenden Bilanz». Diese EM hat für ihn einem ersten Saisonhöhepunkt entsprochen, allein darauf ausgerichtet hat er sich hingegen nicht: «Diese EM dient zur Vorbereitung für die Paralympics im August», sagt er. Aufgrund von Corona haben die internationalen Vergleiche lange gefehlt. Feststellen konnte er nun, «wo’s passt und wo es noch Anstrengungen braucht». Und erfreut stellte er fest: «Ich bin gut unterwegs.»

Hug und Echaus im Gleichschritt

Bewusst ist er sich hingegen, dass die weltweite Konkurrenz deutlich grösser und leistungsstärker ist. «Mein Ziel für das 100-m-Rennen in Tokio heisst Final», sagt er deshalb – ganz in der Überzeugung, dass «alles möglich ist.» Zu wissen ist auch, dass Böschs Paralympics-Erfolge schon 13 Jahre zurückliegen. 2008 holte er drei Mal Silber und einmal Bronze.

Noch ausgeprägter als bei Bösch stellt Marcel Hug, der Vorzeige-Rollstuhlsportler der Gegenwart, seine beiden Goldmedaillen in einen grösseren Rahmen. Er sagt: «Die Besten in meiner Kategorie kommen nicht aus Europa.» Entsprechend erfolgreich ist der 35-Jährige aus Nottwil bisher aufgetreten. Das Rennen über 1500 m gewann er souverän. Er sagte: «Ich bin selber überrascht, wie leicht ich mich hatte absetzen können.»

Über 800 m doppelte er nach und gewann mit Meisterschaftsrekord. So scheint die Aussicht gross, dass Hug am Sonntag auch über 5000 m obenaus schwingt und als dreifacher Europameister zurückkehren wird. Er aber betont: «Selbstläufer sind diese Rennen keineswegs. Jedes beginnt es wieder bei null.»

Nicht ans Palmarès von Hug heran kommt Patricia Eachus. Doch auch die 31-Jährige aus Büron trumpft nun im gleichen Stil auf. Auch sie setzte sich nach dem 1500-m-Rennen auch über 800 m durch. Erst einmal, 2014 mit EM-Bronze, schaffte sie es auf ein internationales Podium. «Mein Ziel war eine Medaille, aber Gold ist sehr überraschend, ist umso erfreulicher, schlicht grossartig.»