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Ruckstuhl verströmt Zuversicht

Die Siebenkämpferin Géraldine Ruckstuhl aus Altbüron reist erwartungsfroh, aber mit einer speziellen Vorgeschichte an ihre ersten Elite-Europameisterschaften in Berlin.
Jörg Greb
Sie tritt nun gegen ihre Vorbilder an: die 20-jährige Géraldine Ruckstuhl (Bild: Diego Azubel/EPA (London, 6. August 2017)

Sie tritt nun gegen ihre Vorbilder an: die 20-jährige Géraldine Ruckstuhl (Bild: Diego Azubel/EPA (London, 6. August 2017)

13,97 Sekunden, 13,29 m und 25,14 Sekunden – drei Resultate, von denen sich Géraldine Ruckstuhl einen letzten Schub und zusätzliche Sicherheit erhofft. In Langenthal hat sie am Donnerstagabend diese Leistungen erbracht, und zwar über 100 m Hürden, im Kugelstossen und über 200 m. Nahe an ihre Bestmarken kam sie in den beiden Laufdisziplinen. «Das ist sehr erfreulich», sagte sie. «Die Formkurve stimmt, das kommt gut.»

Dass die Kugelleistung nicht mit den schon erreichten 13,89 m korrespondiert, stuft die 20-Jährige als unbedeutend ein. «Es ist meinem Trainer Rolf Bättig und mir diesmal nicht um Spitzenwerte gegangen, sondern um ein wettkampfmässiges Training.» Vielmehr wollte sie zusätzliche Sicherheit entwickeln bis zum Saisonhöhepunkt, dem EM-Siebenkampf vom nächsten Donnerstag und Freitag. «Den letzten Schliff holen», wie Ruckstuhl sagt.

Noch ohne Siebenkampf in dieser Saison

Die Ruhe und Zuversicht, welche Géraldine Ruckstuhl ausstrahlt, ist nicht selbstverständlich. Einen Siebenkampf bestritten hat sie in diesem Jahr noch nicht. Im österreichischen Götzis gab sie Ende Mai bereits nach der Auftaktdisziplin wegen muskulärer Probleme auf – «aus reiner Vorsicht», wie sie damals festhielt. Aber auch die weiteren Startmöglichkeiten bei Siebenkämpfen liess sie aus. Irritiert dadurch fühlt sich Ruckstuhl nicht. «Ich vertraue darauf, dass ich sogleich Topleistung an Topleistung reihen kann und keinen Einstiegssiebenkampf benötige.» Dabei verweist sie auf den Wettkampf in Götzis im letzten Jahr. Vor 14 Monaten reüssierte sie nach einer schweren Verletzung – sie hatte innere Blutungen bei einem Hürdensturz erlitten – und einer über ein Jahr dauernden Rückkehr mit ihrem ersten Schweizer Rekord. «Dieser Hintergrund vermittelt mir die nötige Sicherheit», sagt sie.

Ruckstuhl sieht sich nun vor einer «deutlich einfacheren Ausgangsposition». Eine hervorragende Basis schaffte sie sich im Winter in der Spitzensport-RS. Exzellente Leistungen in der Halle (Schweizer Rekord im Fünfkampf) untermauern ihre Zuversicht. Und seit dem Abschluss der RS im März glückte der Jugend-Weltmeisterin von 2015 ein nahtloser Übergang ins Zivilleben. Bei ihrem Lehrbetrieb konnte sie mit einem 30-Prozent-Teilzeitpensum als kaufmännische Angestellte weiterarbeiten. «Eine Ideallösung. Ich verfüge über die nötige Flexibilität.»

Und nun also Berlin. «Ich will zeigen, was ich kann, will die Belohnung holen für das, was ich alles investiert habe», sagt Ruckstuhl. Referenzen diesbezüglich weist sie einige vor: etwa der elfte WM-Platz letztes Jahr in London bei der Elite oder U20-EM-Silber in Grosseto. Bei jenem Erfolg verbesserte sie ihren Götzis-Schweizer-Rekord auf international beachtliche 6357 Punkte. Gleichzeitig aber verweist sie auch auf die Tatsache, dass sie ihre ersten Europameisterschaften auf Elitestufe bestreitet. «Das wird speziell, ich trete gegen meine Vorbilder an.» Sie warnt vor unrealistischen Erwartungen, etwa, wenn sie auf einen Podestplatz angesprochen wird: «So weit bin ich noch nicht», sagt sie und fügt berechtigt an: «In meiner Disziplin ist EM gleich WM.»

Im Gegensatz zu andern Disziplinen wird der Frauen-Mehrkampf von den Europäerinnen geprägt. Und nicht zuletzt darum dürften die zwei Wettkampftage im Olympiastadion von Berlin ein ganz besonderes Erlebnis darstellen – vor gefüllten Zuschauerrängen, einem begeisterten Fachpublikum.

«Dieses Jahr ist ein Erfahrungsjahr»

Für Géraldine Ruckstuhl geht es auch darum, die Erlebnisse an der EM «aufzusaugen, zu geniessen und bezüglich Zukunft zu profitieren». Zum Beispiel im Hinblick auf Olympia 2020 in Tokio, ihrem Fernziel. «Dieses Jahr ist ein Erfahrungsjahr», betont sie.

An den beiden Wettkampftagen kommt sie dabei zu einer unerwarteten Bereicherung: Durch das Nachrutschen der U20-WM-Teilnehmerin Annik Kälin «kann ich mich während der vielen Stunden im Stadion in der eigenen Sprache unterhalten».

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