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Michael Schmid ist der grosse Abwesende an der Ruder-Heim-EM in Luzern

Michael Schmid ist seit Jahren einer der erfolgreichsten Ruderer der Schweiz. Doch ausgerechnet an seinen Heim-Europameisterschaften ist der Luzerner Titelverteidiger nicht dabei.
Raphael Gutzwiller
Michael Schmid mit dem Skiff auf dem Weg zum Sarnersee. (Bild: Philipp Schmidli (Sarnen, 2. Mai 2019))

Michael Schmid mit dem Skiff auf dem Weg zum Sarnersee. (Bild: Philipp Schmidli (Sarnen, 2. Mai 2019))

Michael Schmid (31) ist keiner, der das Leben negativ sieht. Auch wenn er an der am Freitag beginnenden Europameisterschaft auf dem Rotsee nicht an den Start gehen kann, freut er sich auf den Heimanlass. «Ich werde sicher mit dabei sein und den Schweizern die Daumen drücken», verspricht er schmunzelnd.

Schmunzeln kann Michael Schmid in dieser Saison jedoch wahrlich nicht oft. Der Stadtluzerner vom See-Club Luzern, der spätestens seit den Olympischen Spielen in Rio für Highlights bei den Schweizer Leichtgewichten sorgte, wird ausgerechnet an der Heim-EM nicht dabei sein. Auf jenem See, den er wie kein Zweiter kennt, und wo er in den letzten Jahren stets grosse Erfolge feierte. Vor einem Jahr siegte er, 2017 wurde er Zweiter. Ausgerechnet bei diesem Highlight ist er aber nicht dabei.

«Natürlich wurmt mich das. Doch ändern kann ich das jetzt halt leider nicht.»

Er kämpft derzeit mit gesundheitlichen Problemen, seit einem Virusinfekt ist er nicht bei hundert Prozent. «Ich bin dauernd müde.» Aber auch aus sportlichen Gründen dürfte der Leichtgewichtseuropameister der letzten zwei Jahren nicht an den Start.

Letztes Jahr gab es noch grossen Jubel für Michael Schmid: Leichtgewichtseuropameister im Einer. (Bild: Robert Perry/EPA (Glasgow, 5. August 2018)

Letztes Jahr gab es noch grossen Jubel für Michael Schmid: Leichtgewichtseuropameister im Einer. (Bild: Robert Perry/EPA (Glasgow, 5. August 2018)

Wechsel zu den Schweren ist nicht leicht

Denn statt in der Kategorie des Leichtgewicht-Einers weiterzurudern, entschied er sich, neu bei den Schwergewichten mitzufahren. «Ich hatte einfach zu viele gesundheitliche Beschwerden», begründet Schmid. Mit seinen 1,78 m ist er an der oberen Grenze für die Kategorie der Leichtgewichte, bei der man im Skiff unter 72,5 Kilogramm und im Mannschaftsboot 70 Kilogramm schwer sein muss. «Dieses Gewicht konnte ich nur gerade für den Wettkampf einhalten.» Das führte etwa dazu, dass er an den Schweizer Meisterschaften jeweils bei den Schwergewichten startete, da es nach Weltcup-Wochenenden nicht möglich war, gleich wieder die Limite zu erreichen.

Der Entscheid zum Kategorienwechsel war auch taktischer Natur. Denn Leichtgewichte haben es im Rudern immer schwerer. An den kommenden Olympischen Spielen sind keine Leichtgewicht-Vierer mehr am Start. Somit bleibt die einzige verbliebene Leichtgewichtsdisziplin diejenige des Doppelzweiers.

«Ein neues Doppelzweier-Projekt aufzubauen, habe ich mir schon überlegt, doch durch meine Verletzungsanfälligkeit als Leichtgewicht könnte ich die benötigten Kilometer auf dem See wohl kaum machen.»

So startet Schmid, sofern er denn in diesem Jahr überhaupt wieder an den Start gehen kann, im Einer der offenen Klasse. Gegen die gestandenen Schweizer Schwergewichte hat er derzeit aber einen schweren Stand. Bei den internen Ausscheidungen im März, die jeweils für die Bootseinteilung entscheidend sind, belegte Schmid hinter dem Neuenkircher Roman Röösli, Barnabé Delarze und Nico Stahlberg nur den vierten Rang – dies mit einem Rückstand von 1,2 Sekunden auf Stahlberg. Bei Welt- und Europameisterschaften darf jede Nation pro Disziplin nur ein Boot stellen. Röösli und Delarze fahren im Doppelzweier, Stahlberg im ­Einer – für Schmid hat es so im Moment kein freies Boot mehr zur Verfügung.

Für Röösli, Delarze und Stahlberg stehen in diesem Jahr die Europameisterschaften auf dem Rotsee und die Weltmeisterschaften in Linz Ende August im Fokus. Schmid dagegen konzentriert sich in erster Linie darauf, möglichst bald wieder richtig fit zu sein. Dann würde er bei Weltcuprennen oder internationalen Wettkämpfen teilnehmen können. Schmid: «Das mache ich aber erst, wenn ich wieder konkurrenzfähig bin.»

Und falls er das nicht mehr wird? Tritt er dann zurück? «Klar ist, dass ich nicht ewig Spitzensport machen kann», sagt Schmid, der seit 16 Jahren dem Nationalteam angehört. «Wenn es dann so weit wäre, muss ich mir sicher Ende Saison darüber Gedanken machen.» Mit dem Karriereende setzt sich Michael Schmid aber sowieso auseinander – gezwungenermassen, wie er lachend feststellt. In seiner Doktorarbeit setzt er sich genau mit dem Ende von Spitzensportkarrieren auseinander. «Wir beobachten Lebenssituationen der Athleten während der Karriere, beim Zeitpunkt des Rücktritts und im Verlauf danach.»

Der Plan für die Zeit nach dem Karriereende steht

Überzeugt ist Schmid, dass er bei einem Karriereende nicht in ein Loch fallen würde. «Das Wichtigste ist, auch neben dem Sport Ziele zu verfolgen und die nachsportliche Karriere zu planen. Das mache ich dank meiner Anstellung an der Uni und meiner Doktorarbeit.» Am Institut für Sportwissenschaft der Universität in Bern ist Michael Schmid derzeit 40 Prozent angestellt. Mit dem Professor, Achim Conzelmann, sei es bereits so abgemacht, dass er nach dem Rücktritt vom Spitzensport das Pensum erhöhen könnte. Doch daran möchte er noch nicht zu viel denken.

«Ich will sicher noch einige Rennen bestreiten. Mein Ziel ist es, herauszufinden, was noch möglich ist.»

Dabei stehen bei ihm, anders als bei praktisch allen Ruderern, nicht nur die Olympischen Spiele im Fokus. «Natürlich wäre es schön, in Tokio zu starten», sagt Michael Schmid. «Doch einfach nur dabei zu sein, ist nicht mein Ziel. Das habe ich in Rio vor drei Jahren bereits erlebt. Wenn ich an den Spielen dabei bin, möchte ich besser sein als beim letzten Mal.»

2016 reichte es für Schmid im Leichtgewicht-Doppelzweier mit Daniel Wiederkehr nur zum enttäuschenden 13. Rang. Möglich wäre die Qualifikation für Tokio nur noch in der nächsten Saison. Dazu müsste er bei den Ausscheidungsrennen Stahlberg schlagen und dann die Olympialimite erreichen – sofern dies Stahlberg nicht schon im Herbst gelingt. Darum sagt Schmid auch: «Daran verschwende ich derzeit gar keine Gedanken.» Stattdessen ist Schmid für einmal lediglich ein Beobachter auf dem Rotsee.

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