Ruderer Julian Müller legt in drei Monaten 15 Kilos zu – alles für Olympia

Nach dem Wechsel zu den Schwergewichten musste sich der Körper des Ruderers Julian Müller vom Seeclub Luzern erst mal an die zusätzliche Masse gewöhnen.

Jolanda van de Graaf
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Julian Müller ist nun ein Schwergewicht – zumindest im Rudersport.

Julian Müller ist nun ein Schwergewicht – zumindest im Rudersport.

Bild: PD / Jolanda van de Graaf

Als Leichtgewichtsruderer gehörte Julian Müller aus Merlischachen zu den besten Schweizern seiner Gewichtsklasse. «Das regelmässige Hungern, um das Wettkampfgewicht von 70 Kilos zu erreichen, raubte mir aber immer viel Energie.» Nach dem Ruder-Weltcup in Polen 2019 entschloss er sich zum Wechsel in die offene Gewichtsklasse. Dafür zog er sich temporär aus dem Kadersystem des Ruderverbands zurück. Betreut wurde er vom verbandseigenen Athletiktrainer und einem Ernährungsberater.

Mission Gewichtszunahme

15 Kilo galt es zuzulegen – bei einem Ausgangsgewicht von 72 Kilo. Was für jeden Diätgeplagten wie ein Freipass zum Schlemmen wie im Schlaraffenland tönt, entpuppte sich als harte Arbeit. «Alle 2-3 Stunden musste ich etwas essen.» Hauptbestandteil zwischendurch waren Proteine in Form von Shakes und Riegeln. Zu den Hauptmahlzeiten gab es eine dreifache Portion nach Menüplänen des Ernährungsberaters. Mit einem Lachen blickt Müller zurück:

«Ich nahm in dieser Phase so viel Nahrhaftes zu mir, dass ich gar keine Lust mehr auf einen Ausflug zu McDonald’s hatte.»

Mehrere Stunden täglich verbrachte Julian Müller im Kraftraum seines Stammvereins, dem Seeclub Luzern, um diese riesige Masse an zugeführter Energie schnellstmöglich in Muskulatur umzuwandeln. «Auf Ausdauertrainings verzichtete ich.» Wöchentlich stieg er beim Ernährungsberater auf die Waage. Mit Erfolg. Bereits nach drei Monaten schoss die Anzeige auf 87 Kilo.

«Ich fühlte mich aber aufgedunsen und schwabbelig. Ich sah recht unfit aus.»

Für Julian Müllers Körper war dieser rasante Gewichtszuwachs ein Schock. «Vom hungernden Ausdauersportler war ich plötzlich ins andere Extrem verfallen.» Der Ruderer musste schmerzlich spüren, dass sein Körper Zeit brauchte, um sich mit dieser neuen Masse zurechtzufinden. So lag sein Puls im vergangenen Herbst stets 10 Schläge höher als üblich. Zudem plagen den 24-Jährigen seit einem halben Jahr vermehrt Krankheiten und Verletzungen. «Mein ganzes System ist immer noch etwas am Kämpfen.»

Alles für Olympia

Julian Müller trainiert hier auf dem Sarnersee.

Julian Müller trainiert hier auf dem Sarnersee.

Bild: PD / Jolanda van de Graaf

Ende Oktober 2019 trat Julian Müller wieder ins Kadersystem von Swiss Rowing ein. «Meinen ersten Leistungstest für das Nationalkader bestritt ich ohne die dafür nötige Ausdauer», sagt er lachend. «Natürlich war ich ziemlich weit entfernt von meiner üblichen Spritzigkeit.» Seine zusätzliche Kraft verhalf Müller aber zu einer neuen persönlichen Bestzeit, die um sechs Sekunden unter seiner bisherigen Bestmarke lag. «Ich weiss nun, dass ich auf dem richtigen Weg bin.»

Heute trainiert Julian Müller wieder drei Mal täglich im Aufbauteam des Nationalkaders. Seine Muskulatur ist gefestigt und definiert. «Mittelfristiges Ziel ist nun die 90kg-Marke.»

Grosses Ziel des Merlischachers ist und bleibt die Teilnahme an Olympischen Spielen. «Ich will mein Bestes geben, um mich in den finalen, verbandsinternen Ausscheidungen im Frühling 2021 dafür aufzudrängen.» Sollte es dann noch nicht reichen, kommt die nächste Chance bereits drei Jahre später. Dann finden die Olympischen Spiele in Paris statt.